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Wer nett zu sich ist, lebt länger – die Sache mit dem Selbstmitgefühl

Endlich ist es amtlich: Selbstgeißelung und -quälerei führt zu nichts. Stattdessen haben Studien gerade bewiesen, dass eine gesunde Portion Selbstmitgefühl uns nicht nur emotional gesund hält – sondern auch physisch. Das habe ich gestern in einen Artikel in der Washington Post gelesen. (Habe ich mal erzählt, dass ich alle wichtigen Presseerzeugnisse dieser Welt abonniert und morgens Zeit habe, sie entspannt durchzugehen? Das ist großer Quatsch. Aber ich bin begeisterter Nutzer von Blendle, einem Dienst, der mir zumindest in ausgewählten Medien interessante Artikel sucht und findet.)

Was ist Selbstmitgefühl?

Der Artikel zitiert die Selbstmitgefühls-Forscherin Kristin Neff, Autorin des Buchs “Self-Compassion: The Proven Power of Being Kind to Yourself“. Laut ihr hat Selbstmitgefühl drei Komponenten:

  • Achtsamkeit, also die Wahrnehmung auch von negativen Gedanken, Gefühlen und Erfahrungen, ohne diese zu bewerten oder sich an ihnen zu festzubeißen
  • ein Bewusstsein unserer Menschlichkeit, die bedingt, dass keiner von uns perfekt ist – und jeder von uns auch leidet
  • Selbst-Freundlichkeit, also sich selbst freundlich und fürsorglich zu begegnen, auch und gerade wenn wir auf unsere all zu menschlichen Unzulänglichkeiten stoßen.

Das Gegenteil von Selbstmitgefühl sind also emotionale Reaktivität, Isolation, Selbstverurteilung und ungesunder Perfektionismus – alles auch Dinge, die mit Depression, Stress und einer reduzierten Lebensqualität in Verbindung gebracht werden.

Selbstfürsorge und -mitgefühl trägt in unserer Gesellschaft  leider oft einen Beigeschmack von Egoismus, Selbstsucht oder Faulheit. Ich denke, wir kennen alle Menschen, die sich viel oder gerne rührend bis aufopferungsvoll um andere kümmern, dabei aber Probleme damit haben, für sich selbst genauso dazusein und Hilfe anzunehmen. In der Generation meiner Eltern ist das besonders oft verbreitet, habe ich das Gefühl. Aber auch insgesamt ist das leider ein weit verbreitetes Phänomen, bei Frauen, aber auch bei Männern – wenn auch aus unterschiedlichen Gründen und mit leicht unterschiedlichen Ausprägungen.

Doch ist es ohne Selbstmitgefühl überhaupt möglich, KOMPLETT für andere dazusein? Ihnen also etwas zu geben, was wir selbst nicht annehmen wollen – vielleicht sogar, weil wir es als Schwäche werten würden? Und: Ist es möglich, eine echte Verbindung zu einem anderen Menschen in seiner Menschlichkeit aufzubauen, wenn wir diese uns selbst nicht zugestehen?

Gerade die Perfektionisten unter uns fürchten oft, dass sie nicht genug erreichen, wenn sie sich selbst gegenüber zu freundlich und nachgiebig sind. Doch wenn wir aus Selbstmitgefühl handeln, was nicht zuletzt auch heißt, dass wir uns in unserer menschlichen Inperfektion ehrlich akzeptieren, fällt es uns leichter, Verhaltensweisen zu implementieren, die uns langfristig helfen – und dadurch gesünder, aber auch erfolgreicher machen. Das kann zum Beispiel heißen, dass wir uns lieber die Zeit nehmen, noch eine Runde um den Block gehen, weil es uns gut tut, als eine Extrastunde im Büro zu verbringen, die Küche aufzuräumen – oder auch einfach nur direkt wie betäubt auf die Couch zu fallen und den Fernseher anzuschalten. (Das ist natürlich auch mal okay, aber in dem Moment kein Ausdruck von Selbstmitgefühl, in dem wir, wenn wir in uns hineinhorchen, ahnen, dass uns etwas anderes besser tun würde.)

Ich kenne das alles nur allzu gut… Früher ging bei mir auch viel ums Prinzip. Gegenüber mir selbst, aber auch anderen. Ich glaube, das liegt an der Art und Weise, wie ich groß geworden bin – aber auch wie ich irgendwann Tiertraining kennengelernt und leidenschaftlich betrieben habe. Absolute Konsequenz, was angefangen wird, muss auch beendet werden und zwar mit einem klaren Ergebnis (das 1:1 dem Ziel entspricht).

Zum Glück für mich und alle Tiere und Menschen, die heute mit mir zu tun haben, bin ich davon irgendwann abgekommen. Das System der kleinen Schritte und Erfolge, der richtigen Intention und feinen Kommunikation führen mich inzwischen zu ganz anderen Ergebnissen – weil es durch diese „lebendigere“ Herangehensweise zunächst um eine Veränderung der INNEREN Einstellung geht, und diese im Endeffekt viel weiter trägt. Bezogen auf mich selbst – eine ganz andere Nummer – hat mir vor allem das Yoga geholfen, meine eigenen Grenzen zu akzeptieren und sanft (!) daran zu arbeiten, sie zu erweitern. Nachsichtig und geduldig mit mir zu sein. Nicht alles so ernst zu nehmen. Wieder also eine Veränderung von innen nach außen, und dadurch gehe ich inzwischen auch mit anderen Grenzen und Zielsetzungen nachsichtiger und entspannter um. Frei nach dem Motto: Wenn nichts muss, kann alles.

Ihr habt ebenfalls einen Hang zum Perfektionismus? Dann hört doch mal in den neuen Podcast meiner guten Freundin Johanna van Löchtern (Folge 21). Da geht es genau um dieses Thema, und sie bietet ein paar hilfreiche Gedanken und Tipps dazu.

Selbstmitgefühl entwickeln

Wenn etwas gut für das Seelenleben und den Körper ist, sollten wir das ja eigentlich alle wollen. Und dadurch müsste es ja eigentlich ganz einfach sein. EIGENTLICH. Allerdings wollen wir auch Leid und Gefahr vermeiden. Und oftmals führt der Weg zu mehr Selbstmitgefühl durch unwegsames emotionales Gelände… Hinzuschauen, sich wirklich zu fragen, was uns davon abhält, uns mit (mindestens) so viel Liebe, Nachsicht und Mitgefühl zu begegnen, wie anderen wichtigen Menschen in unserem Leben erfordert Mut und birgt die Gefahr, dass wir mit unseren Ängsten konfrontiert werden. Vor allem die Angst, Fehler zu machen ist oft riesengroß und tief in uns verankert. Und das ist erstmal unangenehm – lohnt sich aber.

Also was konkret tun, um neue selbstmitfühlende Verhaltensweisen zu etablieren? Carrie Dennett, die Autorin des Artikels, rät interessanterweise auch zu einem „inside out“-Weg, speziell dazu, mit Achtsamkeit (da ist sie wieder!) zu beginnen. Sich erstmal bewusst zu machen, welche Gedanken sich in unserem Kopf abspielen und wiederholen. Zu üben, die eigenen Gedanken neuierig und unkritisch (!) zu beobachten. Sind sie mitfühlend oder kritisch? Sich immer wieder zu erinnern, dass Fehler menschlich sind – und sie sich immer wieder zu vergeben. Und dann herauszufinden, was unseren individuellen Körper, Geist und unsere Seele nährt. Ein Spaziergang zwischendurch, ein gutes Buch, etwas Sport, die Zeit mit dem Pferd, ein gutes Essen…? Solche Aktivitäten sollten in unserem Alltag Platz finden. Vielleicht nicht immer in epischem Ausmaß, aber in regelmäßigen, vielleicht auch kleinen Momenten. Außerdem entscheidend: Die Pflege der Verbindungen zu den Menschen, die uns wichtig sind. Spiegeln sie uns doch, wer und vor allem: Wie liebenswert wir im Grunde doch sind. Trotz aller „wenns“ und „abers“, die uns einfallen, wenn wir so etwas lesen. „Think love, not tough love“, so Bennett. Ein besseres Schlusswort fällt mir auch nicht ein.

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