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Pferdezauber á la Marlie – Eine Buchrezension

Ausgangspunkt: Wer ist eigentlich dieser Wolfgang Marlie?

Seit Jahren begegnen mir immer wieder begeisterte Jünger des Marlie-Hofes, einer Reiterpension an der schleswig-holsteinischen Ostsee. „Jünger“ deshalb, weil sie von Wolfgang Marlie, seinem Hof und seiner Arbeit derart vorbehaltlos lobpreisend sprechen, dass der Verdacht naheliegt, dass dort irgendetwas Merkwürdiges passiert. Reihenweise scheinen die Reiter in der tiefen Überzeugung nach Hause zu fahren, dass fortan nur der Marlie-Weg der richtige für sie ist und physisch immer wieder zurück auf seinen Hof nach Scharbeutz führt. Oha…

Um zu verstehen, welcher Spuk da an der Ostsee geschieht, könnte man einfach mal hinfahren, das werde ich sicher auch nochmal machen. Ich habe mich aber erstmal für die noch einfacherer Variante entschieden: Seine vor etwa einem Jahr erschienene Biographie zu lesen, die den bezeichnenden Titel trägt: „Pferde – wie von Zauberhand bewegt“.

Gezaubert wird in dem Buch erfrischenderweise wenig. Stattdessen handelt es sich um eine recht bodenständige, aber sehr persönlich erzählte Geschichte, die sechs Jahrzehnte in der deutschen Reitszene abbildet. Gemeinsam mit der Journalistin Ulrike Bergmann erzählt Wolfgang Marlie die Geschichte eines Lebens mit den Pferden. Er lässt Revue passieren, wie (und für mich beinahe interessanter: warum), er nach und nach gelernt hat, den allgemeinen (und den eigenen) Leistungs- und Erwartungsdruck hintenan zu stellen und stattdessen ein nachhaltiges „Win-win“ für Pferd und Mensch zu suchen. Sehr ehrlich und authentisch erzählt er von prägenden Ereignissen und Menschen, Helden und Antihelden, Anspruch und Wirklichkeit, von Tiefschlägen und Höhepunkten und teilt dabei ausgesprochen offen seine Gedanken – damals und in der heutigen Reflektion.

Marlie beschreibt, wie entschlossen er zunächst war, ein erfolgreicher Berufsreiter im klassischen System zu werden, und wie sich dabei immer häufiger nagende Zweifel einschlichen. Wie er daraufhin nach und nach neue Wege für klassische Ziele gesucht hat, mal mehr, mal weniger erfolgreich, und wie er dabei nach und nach seinen Weg gefunden hat. Auch wenn er lange Zeit recht allein mit seinen damals recht ungewöhnlichen Ideen zum Umgang mit Pferden war.

Erkenntnis: Wir sind alle ein bisschen Marlie. Und das ist der Punkt.

Es ist die Geschichte eines Menschen, der seinen eigenen Weg geht, aus Fehlern lernt, Überzeugungen bildet und lernt, für diese gerade zu stehen. Und damit für mich auch die Geschichte der Pferdeszene in Deutschland, die sich in den letzten Jahrzehnten ja sehr stark diversifiziert hat. Mittlerweile gibt es glücklicherweise ja viele Strömungen, die die Harmonie zwischen Mensch und Pferd klar über den Erfolg im klassischen Sinne stellen. Und letztlich ist es die Geschichte von jedem von uns, auf unserer Reise durchs Leben, immer um die Frage kreisend, wer wir sind und was wir hier wollen.

Vielleicht ist das das Geheimnis des Marlie’schen Zaubers: Wolfgang Marlie verkörpert den Weg zum Pferd. Zu dem Gefühl des Verbundenseins, das wir in vielen Lebensbereichen suchen und bei unseren Pferden finden wollen, aber zuerst bei uns finden müssen. Das tut er mit sehr viel Herzblut, Offenheit und Authentizität und eben dadurch: Zum Greifen nah. In seinem Buch geizt er weder mit Erkenntnissen und Schlüssen, noch mit offener und zum Teil auch kritischer Selbstreflektion.

Er gibt sich nicht als Guru, sondern als fehlbarer Mensch. Er hat sich seine heutigen Überzeugungen hart erarbeitet und getan, wovor sich viele Menschen scheuen: Sich über eine sehr lange Zeit einer einzigen Sache zu widmen, dabei immer wieder Rückschläge und Krisen in Kauf zu nehmen. Bereit zu sein, fortwährend Schüler zu sein und das, „was alle machen“, bestehende Konventionen, kritisch zu hinterfragen. Und das zunächst vor allem, weil das Gefühl nicht stimmt. Alleine dafür verdient der Mann eine Menge Respekt.

„Es gibt keine schwierigen Pferde, es gibt nur Menschen in Schwierigkeiten. Das gilt auch für Menschen.“ Das ist das Schlüsselzitat des Buches und sagt eigentlich alles. Es ist „eine Einladung dazu, tief durchzuatmen und sich an Pferden zu freuen. Ungefähr so, wie sich Eltern an einem Baby freuen – einfach weil es da ist und nicht weil es irgendetwas Besonderes leistet. Es ist die Einladung, sich eine gute Zeit mit Pferden zu gönnen.“

Für wen ist dieses Buch?

Ich denke, dass das Buch Reitanfängern wie Profis, bei denen der noch immer weit verbreitete leistungsorientierte Ansatz der Reiterei irgendwann „aneckt“, sich nicht (mehr) richtig anfühlt, eine sehr befreiende Lektüre sein kann. Denn es holt sie dort ab, wo sie stehen: Mitten in der Reiterwelt, ohne eine Ahnung, was richtig und was falsch ist. Und es ist eine Ode an das freudige Miteinander von Mensch und Pferd.

Für jeden Reiter, der daraufhin beginnt umzudenken, bin ich Herrn Marlie dankbar. Denn wenn es dem Glück von Pferden und Menschen dient, ist doch an ein wenig Zauber gar nichts auszusetzen.

Wer Lust auf das Buch bekommen hat, findet es

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