Bindungshormone und Horsemanship: Ist es für Dich genauso schön wie für mich…?

On 22. September 2015

DSC_0531Heute morgen las ich einen Beitrag in der GEO (Ausgabe 9/2015, S. 99), der mich sehr bewegt hat und seither beschäftigt: Es ging darin um den Grund, „warum wir treuen Hundeaugen nicht widerstehen können“. Die Antwort: Wegen des Oxytocins, das ausgeschüttet wird, wenn wir eine freundliche Verbindung zu dem Tier aufbauen und eben den Hund ansehen. Es handelt sich dabei um das „Kuschelhormon“, das beispielsweise auch für die Mutter-Kind-Bindung ausschlaggebend ist und allgemein für warme, weiche Gefühle und Wohlbefinden sorgt. Da ich vorher schon großer Fan und Anhänger dieses tollen Hormons war, hat mich das alleine nicht weiter überrascht.

Was ich allerdings nicht wusste und japanische Wissenschaftler nun scheinbar nachgewiesen haben: Nicht nur bei uns wirkt das Bindungshormon in Momenten des innigen Beisammenseins, sondern auch bei den Tieren. Nach einer halben Stunde Interaktion (gegenseitiges Ansehen, Sprechen, Tätscheln) waren sowohl beim Menschen als auch bei den Hunden in der Studie mehr Oxytocin im Körper nachweisbar als vorher. Ausschlaggebend: Vor allem die Dauer des Blickkontakts (!). Ganz ohne Berührung lösen hier also Vertreter zweier Spezies chemische Effekte im Körper des jeweils anderen aus, schlussfolgert auch die GEO. Das finde ich wahnsinnig faszinierend und führt mich direkt zu der Frage: Ist das bei Pferden auch so? Was für Lehren können wir daraus für unseren Horsemanship ziehen?

Nun, der Versuch, darüber auf die Schnelle valide Informationen zu finden, ist leider nicht geglückt. Allerdings hat Cheryl Ward in ihrem Blog schon einen sehr schönen Beitrag zum Thema Oxytocin im Umgang mit Pferden verfasst, der sehr lesenswert ist. Ich werde an diesem Thema dranbleiben, weitersuchen und Euch ggf. informieren.

Bis mir jemand das Gegenteil beweist, bin ich auch nach einigem Nachdenken aber der Meinung: Natürlich ist es bei Pferden genauso. Wir bilden uns nicht nur ein, dass auch sie positiv berührt sind, in diesen besonderen Zaubermomenten der Verbindung zwischen Pferd und Mensch. Das Oxytocin fließt auf beiden Seiten, man sieht es in ihren Augen, finde ich. Merkt es an ihren Bewegungen und an den kleinen und großen Geschenken, die sie einem zurückgeben. Die einzige Frage, die für mich wirklich offen bleibt, ist, ob’s für die Pferde wirklich auch der Blickkontakt tut. Als Fluchttiere hat dieser einfach eine andere Wirkung auf sie, als auf das ursprüngliche Raubtier Hund. Vielleicht ist es eher die Berührung oder die gemeinsame Bewegung, die innere Verbindung, der geteilte Flow…? Was meint Ihr?

Aber wie dem auch sei: Festzuhalten ist, dass die Wissenschaft uns nun noch mehr Grund zur Annahme gibt, dass es für unsere Pferde genauso schön ist, wie für uns, wenn wir gerade mal wieder gut zueinander sind – und das macht mich heute sehr zufrieden. Es ist einfach immer netter, wenn sich alle einig sind.

In diesem Sinne, einen oxytastischen Tag für Euch!

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