Von Stallklamotten und Reitmode – Wie dein Look dein Pferd beeinflusst

2.Mrz 2021 | Gedanken

Gehörst du bei der Wahl deiner Stallkleidung auch zu der Fraktion “Egal, wie es aussieht, Hauptsache warm und praktisch”…? Es könnte an der kurzen Halbwertszeit der frisch gewaschenen Klamotten im Pferdestall liegen. Oder daran, dass wir als Pferdemenschen ja eh immer und bei jedem Wetter draußen sind, und uns dort vor allem mit anderen Reitern umgeben, die im Zweifel genauso aussehen. Aber ich glaube, ich bin nicht die einzige, bei der “Stallklamotten” (alleine das Wort! 🙈) immer irgendwie alt/dreckig/bescheuert aussehen müssen. Wenn nicht sofort, dann spätestens nach der ersten halben Stunde beim Pferd. Kein Wunder, dass so viele von uns da irgendwann aufgeben.

Ich hatte das schon sehr früh für mich so abgespeichert und abgehakt. War auch okay, ich wollte auch nicht aussehen, wie viele der “schicken” ReiterInnen, die ich so kannte. Und die überwiegend mehr Wert auf ihr Äußeres zu legen schienen, als auf das Wohlergehen ihres Pferdes. (Wenn natürlich auch nicht alle – ich kenne euch, ich sehe euch, ich mag euch. Ihr seid hier nicht gemeint.🙂)

Klar, als Trainerin versuche ich natürlich immer wenigstens halbwegs ordentlich aufzutreten – aber so richtig “gut” habe ich mich in Pferdekleidung nie gefühlt. Lange dachte ich auch: “Macht ja nix, muss ja auch nicht gut aussehen. Was zählt ist, wie mein Pferd sich bei mir fühlt, und dem ist das ja egal!” Ich war also eher praktisch unterwegs, was grundsätzlich auch zu mir und meiner Einstellung passt, und finanziell auch nicht unpraktisch war, ich war bestimmt 10 Jahre lang quasi immun gegen die meisten Angebote der einschlägigen Reitversände und -shops.

Ich fühlte mich einfach nicht mehr wohl in meinen alten “Stallklamotten”.

Bis ich mich damit nicht mehr richtig wohl fühlte. Ich war einfach nicht ich selbst, in diesen doofen Sachen! Mein Ausweg war dann eine Weile, dass ich beim Pferd einfach auch meine “zivilen” Sachen trage, die, mit denen ich also in dem Teil meiner Welt herumlaufe, in der ich ganz frei wählen kann, was ich anziehe. Bis natürlich auf Jacke und Schuhe, die sind rund um die Pferde ja einfach anders gefordert als der urbane Alltag, der ihr natürlicher Lebensraum ist.

Das Problem dabei: Erstmal sind die Sachen einfach nicht dafür gemacht, was man spätestens beim Reiten irgendwann merkt, und natürlich auch an der Haltbarkeit der Sachen, die dann natürlich entweder leichter schmutzig werden und/oder öfter gewaschen werden müssen und entsprechend leiden. Der zweite Grund hat sich bei mir erst vor relativ kurzer Zeit erschlossen: Es sind einfach keine Reitsachen, sondern “zufällig gewählte Alltagssachen”. Um zu erklären, warum das wichtig ist, muss ich etwas ausholen.

Im September letzten Jahres habe ich, eigentlich mehr zu Recherchezwecken für meinen Online-Kurs “Yoga & Reiten”, ein Buch über das klassische Dressurreiten gelesen (wenn es dich interessiert: Es war “The Rider’s Balance” von Sylvia Loch, ein prima Buch!). Das Buch hat mich einiges neues gelehrt und mich an anderes erinnert, was ich früher schon einmal wusste und was für mich, mit dem biomechanischen Wissen und der Erfahrung, die ich inzwischen gesammelt habe, inzwischen total viel Sinn ergibt. Es geht darin um das klassische Dressurreiten, und die Hilfengebung, wie sie eigentlich gedacht ist. Den Ausdruck des Pferdes, wie er dabei eigentlich gedacht ist (und wie man ihn leider viel zu selten sieht). Dieses Buch gab mir den Anschluss, Dressurreiten für mich nochmal ganz neu zu denken und auch zu explorieren. Als eine Art “Yoga-Asana-Praxis” für das Pferd, die genauso ganzheitlich und genauso ausgleichend für das System wirkt, wie es mir für Menschen so wichtig ist.

Das führte dann zu der Erkenntnis, dass ich mit meinem Bareback-Pad und meinem Westernsattel nicht so reiten kann, wie ich gerne reiten möchte. Ich wechselte also einmal komplett mein Basis-Equipment – erst für das Pferd und dann – lustiger- und wohl auch konsequenterweise – auch für mich… Erst war es eine Reitleggings, die in dem neuen (schicken, braunen!) Dressursattel einfach mehr Sinn gemacht hat, als die Jeans. Und mir, als berufsbedingter Dauer-Leggingsträgerin natürlich eigentlich auch mindestens ebenso naheliegt.

Dann sah ich diese wunderschöne himbeerfarbene Reithose im Reiterladen… und dachte: “Naja, eine zweite macht sicher schon Sinn”. Und ehe ich mich versah, waren es vier Reithosen. Und dann stand ich eines Tages vor dem Spiegel des Sülldorfer Reiterladens, in dem sie wirklich sehr tolle Stiefel und Schuhe haben, und verliebte mich in dieses Paar braune Lederreitstiefel. Ich kaufte sie, obwohl ich neuen Lederprodukten eigentlich aus dem Weg gehe. Aber Gabi versicherte mir: Es gibt hier noch nichts vergleichbares Veganes, und sie sind immerhin zum Teil aus einem synthetischen Material. Aber ich hörte nur mit einem Ohr zu; ich war verliebt.

Ich erkannte mich selbst kaum wieder

Das alles habe ich nicht kommen sehen, und ich konnte mich selbst eigentlich nur staunend beobachten. Ebenso wie natürlich auch mein Umfeld (“Daniela – du hast eine Reithose an. Warum hast du eine Reithose an…? Ich habe dich noch nie in Reithose gesehen.”), das sich bis heute wundert, glaube ich. Aber all das hat sich irgendwie wie von alleine ergeben.

All das führte dazu, dass ich nicht nur äußerlich anders aussah beim Reiten, ich fühlte mich auch anders: Ich begann, mich auch wieder als Reiterin zu definieren, man kann sicher auch sagen: ernstzunehmen.

Damit du verstehst, wo ich herkomme: Ich hatte erst kurz zuvor angefangen, mein eigenes Pferd überhaupt wieder regelmäßig zu reiten. Etwa ein Jahr lang haben wir uns nur darum gekümmert, dass sie übt, sich bewusst zu entspannen und ich ihr den Raum dafür halte. Und ich glaube auch, dass das gut war: Sie hatte einige körperliche Probleme und, obwohl sie äußerlich immer ruhig schien, immer einen sehr hohen Muskeltonus. Aber auch sie war bereit, etwas Neues zu tun zu bekommen – das habe ich in dem Moment gemerkt, als ich ihr den neuen Dressursattel vorstellte, sie ihn direkt prima fand und von dort augenscheinlich begann, sich als Dressurpferd zu fühlen und alles, was wir seither üben, mehr als willig anzunehmen. Besonders die aufrichtende Arbeit, das gezielte Anheben des Rumpfträgers in der Handarbeit und unter dem Sattel scheint ihr sehr viel Freude zu machen, und sie auch körperlich deutlich zu verändern. Ich muss tatsächlich sagen: Sie sieht aus und gibt sich als ein deutlich stolzeres Pferd.

Und auch ich fühle mich stolzer und besser. Ich werde inzwischen nicht mehr grinsend als “die Dressurreiterin” angesprochen, was ganz gut ist – es wird normaler. Ich traue mich wieder, zu reiten, gut und besser reiten zu wollen und fühle mich dabei sehr wohl in meiner Haut. An meiner Grundeinstellung hat sich nichts geändert – Entspannung und Softness, die Beziehung zu und natürlich das maximale Wohlergehen meines Pferdes steht für mich ganz oben. Aber ich weiß inzwischen (wieder), dass das gemeinsame Arbeiten an einer Aufgabe, die wir beide ernst nehmen, mein Pferd und mich nur noch mehr zusammen schweißt. Und ja, dass auch das Aussehen dabei eine Rolle spielt. Nicht fürs Pferd, aber fürs Gefühl – und damit auch wieder fürs Pferd.

Es geht um den bewussten Umgang mit mir, meinem Pferd – und auch mit meiner Kleidung

Die Kleidung muss nicht besonders teuer sein. Man braucht auch keinen größeren Kleiderschrank. Absolut nicht. Aber ich sehe in der bedachten Auswahl der Kleidung inzwischen ein kleines Ritual, mit dem die bewusste, achtsame Arbeit mit dem Pferd beginnt und die diese weiter vertieft. (Ich putze sogar meine neuen Reitstiefel sehr regelmäßig. Mein Freund, der weiß, dass ich das bisher mit keinen anderen Schuhen so richtig oft mache, ist völlig baff.) Der ganze Vorgang wird dadurch “heiliger” für mich und bekommt eine neue Qualität.

Und, um diesen Bogen zu schließen: Deshalb ist es für mich inzwischen auch wichtig, dass es “Reitkleidung” ist. Kleidung für das Reiten. Kleidung für mich als Reiterin. Bewusst gewählte Kleidung, die es mir und meinem Pferd optimal ermöglicht, zusammen zu wachsen. Egal, ob am Boden oder im Sattel. Es geht also am Ende mal wieder um Langsamkeit, Bedachtheit, Achtsamkeit. Und um Selbstfürsorge.

Denn ein weiteres Fazit für mich ist eines meiner Lieblingsmantren, das hier auch wieder greift: Wenn wir uns gut fühlen, geht es unserem Pferd auch gut, dann klappt es auch mit den gemeinsamen Erfolgen auf allen Ebenen. Diese Lektion dürfen wir alle wohl noch eine Weile immer wieder lernen. 🙂 In diesem Sinne: Mach es dir schön!

Psst… Wenn du jetzt Lust auf schöne Reitklamotten bekommen hast, dann schau doch mal bei der nachhaltigen Reitmode von Hoofment vorbei. Sie haben für diesen Beitrag nicht bezahlt, mich aber mit ihren tollen Sachen dazu inspiriert, ihn zu schreiben – und ich möchte gerne helfen, sie bekannt zu machen.

Über die Autorin

Daniela Kämmerer

Daniela Kämmerer

Horsemanship Coach, Yogalehrerin, Autorin

Daniela möchte Menschen und Pferden helfen, sich wohler in ihrer Haut zu fühlen und aufzublühen. Nicht zuletzt, da sie nur so auch gut füreinander sein können – und für ihre sonstige Umwelt.