Anna Marciniak – Entspannung für Pferd und Mensch

Anna Marciniak – Entspannung für Pferd und Mensch

Entspannung tut Pferd und Mensch total gut, na klar. Doch seit meinem Seminar mit Anna Marciniak vor ein paar Wochen beginne ich zu verstehen, wie tief dieser Grundsatz geht. Wie viel Anspannung wir und unsere Pferde tatsächlich mit uns herumtragen und was eine echte, tiefe Entspannung erreichen kann: Für die Gesundheit von Körper und Seele auf allen Ebenen – und für die Leistungsfähigkeit.

Es ist schon einige Jahre her, dass mir Anna Marciniak erstmals auf Facebook aufgefallen ist. Mit auffällig schönen Bildern tanzender Pferde in unterschiedlichen Trainingssituationen und auffällig schlauen, tiefgründigen Worten zu Horsemanship, Training und dem Leben insgesamt. Eine erste Kurzrecherche damals ergab, dass sie unter OneHorseLife.com auch recht hochpreisige Online-Kurse vertreibt. Mein Budget schlug dann aber doch klar meine Neugierde, so dass ich beschloss, sie einfach gut im Auge zu behalten. Und bis heute lasse ich mich sehr regelmäßig und gerne von ihren Facebook-Posts inspirieren – sie sind wirklich sehr lesens- und sehenswert. Seither hat sie noch einige Programme und Kurse für den Online-Vertrieb entwickelt, alle nicht günstig, aber inhaltlich sehr reizvoll. Sie und ihr Mann Pawel arbeiteten erst von Polen und inzwischen von Spanien aus ständig an recht fundiert anmutenden Trainingskonzepten für Pferde und Hunde – und auch Menschen, die sie in regelmäßigen Abständen ihrer internationalen Community präsentieren. Diese liegt und lag interessanterweise übrigens bislang weitestgehend abseits meines eigenen „inner Pferde-Circles“.

Anna Marciniak aus Spanien

Das Optimal Performance Program

Als Anna und Pawel Marciniak in diesem Jahr mit dem „Optimal Performance Program“ ein eBook herausbrachten, mit dessen Hilfe man Pferde eine autonome, d.h. vom Menschen unabhängige, Entspannung lehren können soll, konnte ich mich nicht länger zurückhalten und kaufte es. Wenn Pferde lernen können, sich selbst gezielt zu entspannen, macht es sie nicht nur unabhängig von den „Päckchen“ und Gemütszuständen von uns Menschen, es könnt ihr Leben als Fluchttier insgesamt verändern und ihnen ein viel besseres Zurechtkommen in unserer menschlichen Welt ermöglichen. Aber ob das überhaupt geht?! Ich musste es herausfinden.

Das Thema Entspannung von Menschen und Pferden beschäftigt mich selbst seit Jahren – nicht zuletzt darauf fußen meine Yoga-Ausbildungen, mein Interesse an der Masterson-Methode, Klopf-Akupressur, Ayurveda und der positiven Psychologie. Auch meine Arbeit mit Pferden und Menschen (mich selbst eingeschlossen) entwickelt sich immer weiter in diese Richtung. Das Gefühl, dass Entspannung immer gut und richtig ist – und Anspannungszustände, so sehr sie gesellschaftlich als „normal“ verkauft, zum Teil sogar begrüßt werden, ungesund und falsch sind, macht sich immer deutlicher bemerkbar. Die Erkenntnisse, die ich aus dem Buch gewann, waren deshalb nicht grundlegend neu. Und trotzdem fand ich ein paar neue Puzzlestücke und erste Ideen, wie es weitergehen könnte. Als ich dann hörte, dass Anna Marciniak erstmalig (hier bin ich mir nicht sicher – jedenfalls habe ich vorher nie davon gehört) einen Kurs in Deutschland gibt und dass dieser auch noch in der Nähe von Hamburg stattfindet, wusste ich, ich muss die Zeichen lesen und hinfahren.

Der Kurs fand auf dem wunderschönen Papenwohld statt, einem Resthof, der sich in Schleswig-Holstein vor allem wegen des richtig coolen Musik-Events Artist Residency einen Namen gemacht hat, das dort einmal im Jahr stattfindet. Dort auf wunderbare Menschen aus ganz Nordeuropa zu treffen, die so ähnliche Gedanken zum Thema Pferdetraining haben, die ähnlichen Trainern folgen, ähnliche Bücher lesen und ähnliche Disziplinen mit dem Horsemanship kombinieren, und die mir trotzdem noch nicht begegnet sind, war allein schon großartig und sehr inspirierend. Es war wie eine kleine Insel völlig neuer Menschen in meinem Leben, mit ähnlichen und sehr inspirierenden Gedanken. So schön!

Anna Marciniak Kurs

Entspannung braucht oft Raum sich zu entfalten

Ein Kurs in Entspannung – für Pferd und Mensch

Der Kurs an sich begann mit viel Theorie – einem sechs(!)-stündigen Vortrag über das Optimal Perfomance Program (OPP), seinen wissenschaftlichen Hintergrund, die Praxis und Vorgehensweise an sich und seine Anknüpfungspunkte an BodyMarc einem Entspannungsprogramm für Menschen, das Anna und Pawel ebenfalls vor ein paar Jahren entwickelt haben und das sich stark an der Progressiven Muskelentspannung nach Jacobsen orientiert. Trotz aller Neugier war ich anfangs noch etwas skeptisch, ob der kommunikativ sehr ausgetüftelten Verkaufe dieser „neuartigen, revolutionären“ Methode. Doch hat mich die Ganzheitlichkeit ihrer Herangehensweise, dem wissenschaftlichen Fundament und dem Balsam für den gesunden Menschenverstand, den die Inhalte lieferten, dann doch schnell und tief beeindruckt.

Neben den Muskelspannungen in der Bewegungsmuskulatur von Mensch und Pferd, die wir kennen und mit denen wir täglich direkt zu tun haben, ging es vor allem um periphere Verspannungen, in den tiefergehenden körperlichen Strukturen bis hin zu unseren Organen. Pferde wie Menschen tragen ein jeweils unterschiedlich hohes Maß an peripherer Spannung mit uns herum, teilweise unser ganzes Leben schon – und oftmals weitestgehend unbemerkt. Diese tiefen Verspannungen machen sich dann eher durch weitere, immer wieder kehrende Muskelverspannungen und auch emotionale Zustände bemerkbar, die wir nur in seltenen Fällen direkt Spannungszuständen zuordnen. Sowohl wir Menschen als auch die Pferde können aber lernen, auch diese tiefergehenden Spannungen nach und nach zu lösen – in dem wir und sie Schritt für Schritt immer besser darin werden, eigene Anspannungen zu erkennen und gezielt aufzulösen.

In den darauffolgenden zwei Tagen haben wir dann „am Pferd“ sehen können, wie sich die Theorie in die Praxis umsetzen lässt. Wir haben Pferde gesehen, die an ganz unterschiedlichen Punkten ihrer Ausbildung standen, unterschiedliche Charaktere haben und ganz unterschiedliche Menschen. Mit allen Pferd-Mensch-Paaren hatte Anna im Vorfeld bereits einige Wochen per Video-Coaching gearbeitet, so dass sie ein Grundverständnis für die Methode und die Richtung, in die es gehen sollte, mitbrachten. Was wir sahen, ist schwer in Kürze zusammen zu fassen. Es waren subtile Bewegungen, die irgendwann in großen Veränderungen sichtbar wurden. Wir sahen Pferde, die im Laufe der Sessions von teilweise großer Anspannung in komplette Entspannung gefunden haben. Deren Bewegungen immer freier und größer, deren Verhalten immer verspielter wurde. Die sich auf eine Hilfe hin total entspannt haben und ihren Körper ganz neu in die Bewegung hineingeben konnten. Und Pferde, die schon sehnsüchtig am Zaun auf die nächste Tiefenentspannungseinheit auf dem Reitplatz gewartet haben. Es war wirklich bemerkenswert und voller toller neuer Eindrücke bin ich wieder nach Hause gefahren.

Gähnen kann das „Echo“ einer Entspannungsreaktion sein

Zuhause mit dem Entspannungsprogramm

Mit meinem Pferd Diva arbeite ich mich nun seit ein paar Wochen konsequent an der Struktur des OPP entlang, und hatte dabei schon viele sehr interessante Momente. Einmal hat sie sich z.B. spontan hingelegt, während ich neben ihr stand und sie eingeladen habe, sich noch tiefer zu entspannen. Einfach so. Und ohne, dass ich sie jemals schonmal darum gebeten hätte. Mir wurde heiß, kalt und etwas schwindelig ob so viel Magie. Außerdem begrüßt sie mich jeden Tag dynamischer und freudiger, ich habe das Gefühl, dass sie sich täglich freier bewegt und insgesamt irgendwie jünger wirkt…. Es ist sehr spannend und ich freue mich schon darauf zu sehen, wohin uns dieses kleine Experiment noch trägt. Was es für sie bewirkt und für mich. Und auch für meine Arbeit mit anderen Pferden, die auch schon die ersten spannenden „Früchte“ davon tragen. 🙂

Für mich selbst versuche ich momentan kleine und große Entscheidungen im Alltag zunehmend danach zu bewerten, ob sie eher zu meiner Anspannung oder meiner Entspannung beitragen. Und mich konsequent für die Entspannung zu entscheiden. Das klingt, als würde in nun viel auf dem Sofa rumliegen. Das Gegenteil ist der Fall. Denn jede Entscheidung hat Einfluss auf unseren Entspannungsgrad. Und wir können so viel für uns tun, ohne in der Nähe unseres Sofas zu sein – auch wenn es dort natürlich auch mal ganz nett ist.

Möchte ich Pizza oder Salat? Das Fenster auf oder zu? Früh zu Bett oder lieber in die Cocktail Bar? Die Entscheidung ist jedoch nie einfach und objektiv richtig oder falsch (so dass auch „früh zu Bett“ nicht immer richtig ist ;)), vielmehr ist die dahinterliegende Frage, die wir uns stellen sollte: Was tut uns wirklich gut? Was unterstützt uns bei dem, was uns wirklich wichtig ist? Und wie finde ich die richtige Balance für mich? Denn das trägt stückchenweise zur Entspannung unserer gesamten Existenz bei – und zu einem immer besseren Gefühl für unseren eigenen Weg bei allem was wir tun. Und damit auch, und das können wir uns als Menschen oft so schwer vorstellen, zu einer besseren, vielleicht sogar einer „optimalen Performance“ in jeglicher Hinsicht.

Amanda Barton Horsemanship-Kurs – vielleicht der schönste G20-Gegenpol

Amanda Barton Horsemanship-Kurs – vielleicht der schönste G20-Gegenpol

Während die Stadt für den G20-Gipfel aufrüstete, machten Amanda Barton und ich uns letzte Woche auf ins Brunsbütteler Exil. Seit Jahren sind wir zwei Mal jährlich dort, etwa eine Autostunde nördlich von Hamburg, um zwei tolle Horsemanship-Tage im Bucking Horse Stable zu verbringen. Amanda Barton hat bei dem amerikanischen Horseman Mark Rashid gelernt und arbeitet heute noch eng mit ihm zusammen. Sie geht aber auch ihren eigenen Weg als Ausbilderin und ihre Horsemanship- bzw. Reit-Kurse erfreuen sich auch in Deutschland zunehmender Beliebtheit. Das liegt daran, dass sie nicht nur neue Sicht- und Herangehensweisen für bewährte Trainingsziele vermittelt, sondern vor allem jederzeit sensibel und kompromisslos das Wohlergehen von Pferd und Mensch in den Mittelpunkt stellt – und dieses spürbar, (immer wieder auch:) kreativ und nachhaltig verbessert. Grundsätzlich ist die Organisation ihrer Kurse daher eine Wonne: So viele glückliche Gesichter und entspannte Pferde! Zumal im Stall von Anki Kühl, der eine wahnsinnig herzliche Atmosphäre bietet.

Im Kontrast zu den verstörenden Nachrichten, die uns regelmäßig aus Hamburg erreichten („Altona brennt!“ auf der einen Seite, tiefenentspannte Pferde und Reiter auf der anderen), wurde das dieses Mal vielleicht sogar besonders deutlich: Tolle Menschen, in den Sätteln wie auf den Stühlen, großartige Pferde und wie immer auch die einzigartig entspanne, wohlwollende Atmosphäre des Bucking Horse Stables haben uns zwei wunderschöne, lehrreiche Tage beschert. Übersetzt ins G20-Jargon heißt das: Wenigstens in unserer kleinen „Blase“ in Brunsbüttel fand man die absolute Solidarität, ein warmes Miteinander, das uns auch gesamtgesellschaftlich so gut tun würde. Aber Politik beiseite.

Sieben komplett unterschiedliche Pferde und Reiter, an unterschiedlichen Punkten in ihrer Ausbildung, mit unterschiedlichen Vorgeschichten und Reitweisen, Zielen und Ansprüchen haben uns von und mit ihnen lernen lassen. Und trotz der vielen Unterschiede und unterschiedlichen Aufgaben, gab es ein gemeinsames Thema: Die Verbesserung der Verbindung zwischen Pferd und Mensch, eine „softere“ Kommunikation zwischen beiden.

„Softness“ in diesem Zusammenhang bezeichnet eine willige Bereitschaft auf beiden Seiten, miteinander zu kommunizieren – und das, so abgefahren das klingen mag, aus dem Inneren heraus, eher als über äußere Techniken und Hilfen. Statt bloßem Gehorsam bietet Softness eine Basis für echte Kommunikation und ein entspanntes Arbeiten an gemeinsamen Zielen.

Um diesem Ziel näher zu kommen, arbeiteten die Reiter zwei Tage an unterschiedlichen Ansatzpunkten: Der körperlichen Ausrichtung der Reiter (u.a. durch innere Bilder und auch „Off-Horse-Übungen“ für bestimmte Körperteile), dem Einsatz von Hilfsmitteln wie Stangen und Hütchen, der positiven Beeinflussung des mentalen Zustandes des Pferdes und viele weiteren Ideen und Übungen, an denen die Pferde und Reiter zur Freude aller Anwesenden Schritt für Schritt gewachsen sind.

Und als wäre das alles nicht schon spannend genug gewesen, hatten wir auch noch Jasmin Sage vor Ort, die allen Beteiligten in einer Pause, in aller Kürze die Grundzüge der Masterson-Methode erklärt hat und bei einigen Pferden vor Ort spontan auch Hand angelegt hat.

Ein paar Impressionen des Horsemanship-Kurses mit Amanda Barton findet Ihr unten. (Das Galerie-Tool und ich lernen uns gerade erst kennen, daher gibt es dieses Mal noch keine Bildunterschriften – man sieht aber vielleicht: Es gab eine Menge Körpereinsatz.;))

Ich freue mich schon auf den nächsten Kurs, dann gipfelfrei und feiertagsgesgnet am 3./4. Oktober an. Die Reitplätze sind bereits ausgebucht, wenn Ihr bei dem Amanda-Kurs Zuschauen möchtet, meldet Euch gern.

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„Pretty cool Stuff!“ – Oder die „Wiederverzauberung des Horsemanships“

„Pretty cool Stuff!“ – Oder die „Wiederverzauberung des Horsemanships“

IMG_1279Ich habe gerade ein Buch gelesen: „Liebe, Wissenschaft und die Wiederverzauberung der Welt“, von Jeremy Hayward. Erstmal: Was für ein Titel, oder? Wow. Hayward ist promovierter Physiker, hat aber auch lange in einem buddhistischen Zentrum gelebt, was ja an sich auch schonmal eine spannende Mischung ist. Das Buch besteht nun aus Briefen an seine Tochter Vanessa, die er geschrieben hat, um ihr die Augen zu öffnen für die Seiten unserer Welt, die sich nicht wissenschaftlich nachweisen lassen. Dinge, die jenseits der Lehrbücher stattfinden und damit in unserer rationalen Welt eigentlich keinen Platz haben. Er möchte ihr helfen, die Welt als weniger „tot“ wahrzunehmen, als unsere Kultur suggeriert, sondern sich für die feinen Zwischentöne zu öffnen, die die Welt und unser Leben wirklich reich machen, es „verzaubern“ können: Merkwürdige „Zufälle“, die uns stutzen lassen. Die Macht der Intuition, die unsichtbare Verbindung zwischen zwei Menschen, die selbst über lange Distanzen bestehen kann, aber beispielsweise auch zwischen Mensch und Pferd, usw.

Seine Kernbotschaft: Alles ist eins. Es gibt Phänomene jenseits der wissenschaftlichen Thesen und Erkenntnisse (von denen der Autor zweifelsohne auch Ahnung hat). Und wenn wir ins Fühlen kommen, wieder lernen, den Moment und unsere Umgebung wahrzunehmen, wird die Welt eine reichere für uns sein.

Wer das jetzt alles relativ abgefahren findet, bei wem der Esoterik-Alarm schrillt und wer zumindest innerlich schon mit den Augen rollt, ist damit nicht alleine. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass dieses Buch mein Denken so sehr durchgeschüttelt haben muss, dass ich die Ideen dahinter völlig normal finde, und täglich daran arbeite, meine Wahrnehmung entsprechend zu schärfen. Weil es für mich einfach so viel Sinn macht. Das scheint vielen aber anders zu gehen, vielleicht auch, weil die meisten von uns gelernt haben, dass alles Unsichtbare Humbug sein muss. So dass die Erkundung von Gefühlen uns unsichtbaren Zusammenhängen für das Gros der Menschen in unseren Kulturkreisen vermutlich relativ ungewohnt ist. Trotzdem wage ich es, dieses Buch allerwärmstens und selbst Skeptikern zu empfehlen, weil Hayward durch seine wissenschaftliche Herangehensweise auch diese recht gut abholen sollte. (Ich kann aber natürlich nicht garantieren, dass es für jeden in jeder Situation so ein Augenöffner sein wird wie für mich.)

Wie dem auch sei. Jede Menge von diesem „Cool Stuff“ gab es dieses Wochenende auch beim Horsemanship-Kurs mit Amanda Barton zu sehen. Auch hier ging es unter anderem um Dinge, die unsere Wissenschaft nicht in Gänze erklären kann.
Warum kann ein Gedanke an die Oberseite unserer geschlossenen Hand reichen, um unser Pferd davon abzuhalten, mit dem Kopf hinter die Senkrechte zu kommen? Warum können wir durch ein inneres Bild einzelne Hufe unseres Pferdes fest im Boden verankern? Warum hilft es, wenn wir uns Kreise mit Energieströmen vorstellen, um die Vorhand des Pferdes anzuheben? Keine Ahnung, aber es funktioniert. Spürbar für Reiter und offenbar auch das Pferd – und sichtbar für den Zuschauer.

Was das Buch und den Kurs verbindet ist, dass beide durch die Anerkennung dieser weniger greifbaren, „zauberhaften“ Komponente nicht weniger ernst zu nehmen sind. Dass Techniken und Faktenwissen Sinn machen und definitiv ihre Berechtigung haben, dass es aber manchmal sinnvoll ist (und Spaß macht!) sich zu erlauben, auch mal über den erforschten, rationalen Tellerrand hinaus zu denken, zu fühlen und zu gucken was passiert. Denn warum nicht? Sollten wir nicht alles, was uns hilft und uns auch noch ein gutes Gefühl gibt, mit offenen Armen begrüßen? „Open your mind“, ist die Botschaft, die sich auf Deutsch nie so schön kurz fassen ließe.

Und wir Reiter haben das große Glück, in unseren Pferden ganz hervorragende Lehrmeister auf diesem Gebiet haben. Die uns enorm viel beibringen können, in Bezug auf das Fühlen, emotionale Intelligenz und das große Geheimnis der absoluten Präsenz im jeweiligen Moment, die es ihnen ermöglicht, auf minimale Veränderungen mit maximaler Sensibilität zu reagieren,

Ich habe jedenfalls dieses Wochenende einmal mehr die Erfahrung gemacht, dass es sich lohnt, neuen, auch ungewöhnlichen Ideen offen und unvoreingenommen zu begegnen, sich zu erlauben, auch mal das Fühlen über das Denken zu stellen und dass dabei immer wieder wunderbare Sachen zustandekommen. Und wenn dem einmal nicht so ist, probiert man eben etwas anderes. „Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann“, sagte der französische Schriftsteller Francis Picabia einmal. Und auch und gerade jenseits des guten, alten Lehrbuchwissens gibt es so viel zu entdecken. Schenken wir uns doch ruhig hin und wieder ein paar Sekunden des Staunens abseits oder innerhalb des sonst drögen Eintags und geben wir uns damit die Chance, einen offenen, unzynischen Blick auf die Welt zu bewahren.

Von guten und schlechten Bildern – Ein Wochenende mit Amanda Barton

Von guten und schlechten Bildern – Ein Wochenende mit Amanda Barton

Amanda Barton erklärt die Macht der Bilder„Wir müssen die negativen Bilder in unserem Kopf durch positive ersetzen.“
Wir alle haben sie: Eine Vorstellung von furchtbaren Erlebnissen. Erinnerungen an schreckliche Situationen, die wir einmal hatten, die vielleicht nicht immer, aber doch in bestimmten Momenten wieder zum Greifen nah in unserem Kopf sind.

Plötzlich wissen wir wieder ganz genau, wie es sich angefühlt hat, als das Pferd mit uns durchgegangen ist, wir wissen wieder genau, welcher Song im Radio lief, als wir unseren Autounfall hatten, wie die Pilzpfanne geschmeckt hat, von der uns so schlecht geworden ist.
Aber im Grunde müssen wir all das noch nicht einmal selbst erlebt haben, die meisten von uns sind ziemlich gut darin, sich solche Katastrophen einfach vorzustellen und täuschend echte Bilder dazu in unserem Kopf zu zeichnen. „Was wäre wenn… das Pferd unter mir außer Kontrolle gerät, wenn ich den Zügel locker lasse? Wenn es mich umrennt, wenn ich an einer Weide mit anderen Pferden vorbeigehe? Wenn sich andere Leute über mich lustig machen, weil ich vielleicht gerade etwas übe und noch nicht perfekt dabei aussehe?“ Wie groß unsere Neigung ist, im Alltag potenzielle Stressoren zu sehen, ist sehr unterschiedlich. Aber wir alle wissen, wie schnell diese Bilder im Kopf sind, wie konkret sie sein können – und wie sehr sie lähmen.
Unser Körper unterscheidet in diesem Fall nämlich nicht zwischen real und irreal, sondern schaltet sein System vorsichtshalber schonmal auf Panik um. Die Atmung wird flacher, die Muskelspannung nimmt zu, die Fähigkeit klar zu denken ab.
Während sich diese Problematik im Alltag leicht vermeiden lässt, ist es für uns Reiter oft der Umgang mit unseren Pferden, der unsere Ängste schonungslos ins Spotlight rückt. Das ist Fluch und Segen unseres Hobbies: Es hilft uns, zu uns zu kommen, ganz wir selbst zu sein – werden dabei aber auch daran erinnert, dass wir eben nicht so perfekt sind, wie wir es in anderen Situationen vielleicht leichter vorgeben können.

Dieses war eines von vielen Themen beim Reitkurs mit Amanda Barton letztes Wochenende in Brunsbüttel. Die britische Trainerin, die jahrelang als Assistentin mit Mark Rashid unterwegs war, arbeitet viel mit inneren Bildern, um mit ihrer Hilfe und weniger mit Techniken, erstaunliche Veränderungen in Pferd und Reiter zu erreichen.
Anstatt weiterer Muskelspannung nehmen die Reiter so eine glasklare Vorstellung von ihren Zielen mit aufs Pferd – auch dadurch erhöht sich ihre Chance, diese auch zu erreichen. Und auch wenn die Bilder für jeden ein wenig anders gestaltet werden müssen, damit sie funktionieren, begrüßt das menschliche Gehirn diesen Angang sehr, eben weil es so gut im Bilder produzieren ist – positive wie negative.

In dem Kurs am Wochenende ging es nun darum, einer Reiterin ihre Angst zu nehmen. Eine wirklich beeindruckend gute, sichere Reiterin, von der ein solches Eingeständnis beinahe überraschend kommt – aber dafür umso wertvoller für sie aber auch ns Zuschauer ist, zeigt es doch: Egal, wie gut wir sind, wie sicher und entspannt wir BEINAHE alles machen können – unser Gehirn kann uns trotzdem mit Ängsten überraschen, die uns behindern können. Wir werden nie perfekt sein. Diese Erkenntnis und die Fähigkeit, sie zu akzeptieren und sich selbst diese vermeintliche Schwäche einzugestehen, ist die erste große Herausforderung.
Denn niemand kann sie uns nehmen. Und egal, wie oft wir selbst oder jemand anderes uns sagt, dass wir keine Angst haben müssen, das ungute Gefühl bleibt unverändert.

Amanda Barton geht es darum zunächst darum, das Gefühl möglichst klar zu identifizieren, sie kennenzulernen, um sie dann ganz individuell anzugehen. Wo sitzt die Angst? Wie fühlt sie sich an? Womit wäre sie vergleichbar? Ein Stein? Eine Schlange? Ein schwarzes Loch? Wie groß ist sie sie? Welche Farbe hat sie? Wie sieht das Bild aus, das man sieht? Ist es vor einem, übere einem, sieht man es aus der Ich-Perspektive? Ist es ein Bild oder en Film, der sich abspielt? ist dieser Film in schwarz-weiss oder in Farbe? Wie hell oder dunkel ist das Bild? – Hat die Angst erstmal ein klares Gesicht, wird es leichter, einen Kontrast dazu zu schaffen.
Der zweite Schritt ist also, ganz bewusst ein zweites Bild zu zeichnen – welches das Gegenteil von dem ersten zeigt. Welches ebenso deutlich und außerdem groß und bunt und strahlend schön gemalt wird, und auf das wir dann langsam und bewusst unsere Aufmerksamkeit lenken können.

Während sie ritt, konzentrierte sich die Reiterin nun also vermehrt auf das positive Bild. Das negative war nach wie vor da, sie konzentrierte sich aber bewusst darauf, es kleiner und damit weniger bedeutsam werden zu lassen, sich das positive Bild dafür umso größer auf die Leinwand vor dem inneren Auge zu ziehen und zu merken, wie sie sich dabei nach und nach entspannte.
Und wie ihr Pferd es ihr gleich tat.

Ein wunderbares Bild und eines von vielen, vielen Aha-Erlebnissen auch für das Publikum an diesem Wochenende. Kleinigkeiten, die weit entfernt von traditionellen Reittechniken liegen, können wunderbare Dinge bewirken – wenn man sie erst einmal entdeckt hat. Wir sind unseren Gewohnheiten und Gedanken nicht ausgeliefert, sondern können lernen, sie zu verändern. Schritt für Schritt, ganz entspannt, aber mit wunderbaren Ergebnissen.

Ich denke, ich bin nicht die einzige, die sich schon jetzt auf den nächsten Kurs am 3./4. Oktober freut. Wenn Euch danach ist, dabei zu sein, schreibt mir gern.

Artikel über Amanda Barton-Kurs in der Cavallo

Artikel über Amanda Barton-Kurs in der Cavallo

Juhuu! Die Cavallo berichtet über Amanda Bartons Kurs „Reiten nach Mark Rashid“ in den Bucking Horse Stables in Brunsbüttel. Gestern kam der Artikel zu mir ins Haus geflattert, so dass ich ihn endlich auch selbst lesen konnte. Und: Er ist toll geworden! Der Kursbericht beschreibt Amandas Arbeit mit verschiedenen Reitern, die wichtigsten Lernziele und die Aikido-Übungen am Boden sehr anschaulich, und ich kann mir gut vorstellen, dass er auch „Amanda-fremden“ Reitern eine gute Vorstellung davon geben kann, was sie bei den Kursen der Schülerin von Mark Rashid erwartet. Auch den Teilnehmern und Zuschauern bietet er eine schöne Zusammenfassung und Wiederholung der wichtigsten Inhalte. Und wenn ich das so lese, freue ich mich umso mehr auf die nächsten Kurse… Vielen Dank nochmal an Agnes Lorenz, die mitgeritten ist und in dem Artikel darüber berichtet und Fotos gemacht hat, und auch an Ana Springfeldt für die schönen Fotos.

Wenn noch jemand bei unserem nächsten „Reiten nach Mark Rashid“-Kurs mit Amanda Barton am 28./29.9. in Brunsbüttel (ca. 1 Stunde nördlich von Hamburg) mitreiten möchte: Ein bis zwei Plätze sind noch nicht vorgemerkt. In den nächsten zwei Wochen findet Ihr das Anmeldeformular und die Ausschreibung hier bzw. erhaltet beides bequem per E-Mail, wenn Ihr in unserem Verteiler seid. Um da rein zu kommen, gebt mir einfach unter daniela@quiet-horse.de Bescheid!

Amanda Barton in der Cavallo

Neu: Kurse mit Amanda Barton im Norden!

Neu: Kurse mit Amanda Barton im Norden!

Copyright: Rika Schneider/HiM

Ich freue mich, dass mir die Aufgabe übertragen worden ist, künftig die Organisation der Kurse mit Amanda Barton in Norddeutschland zu übernehmen. Amanda ist eine großartige Instruktorin und ehemalige Assistentin von Mark Rashid, deren Seminare ich jedem Pferdeinteressierten nur empfehlen kann.

In Zukunft werdet Ihr hier also die Teilnahmeformulare für Reiter und Zuschauer finden. Die Kurse werden auch 2013 auf der Reitanlage von Anki Kühl, dem Bucking Horse Stable in Brunsbüttel, stattfinden. Die Termine dazu werden in den nächsten Monaten bekannt gegeben.

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Mark Rashid in England – Endlich!

Mark Rashid in England – Endlich!

Als ich hörte, dass Mark Rashid nach England kommen würde, habe ich mich sofort für einen Zuschauerplatz vormerken lassen. Als ich daraufhin erfuhr, dass es auch einen Kurs geben würde, an dem man auch ohne Pferd teilnehmen kann, meldete ich mich auch dafür an. Sofort. Und meine Güte, hat sich das gelohnt… (mehr …)

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