Mark Rashid in England – Endlich!

26.Aug 2012 | Kursbericht

Als ich hörte, dass Mark Rashid nach England kommen würde, habe ich mich sofort für einen Zuschauerplatz vormerken lassen. Als ich daraufhin erfuhr, dass es auch einen Kurs geben würde, an dem man auch ohne Pferd teilnehmen kann, meldete ich mich auch dafür an. Sofort. Und meine Güte, hat sich das gelohnt…

Ich glaube es war sechs Uhr morgens, als ich das Geld überwies und Amanda eine E-Mail mit dem Beweis-Screenshot schickte – ich hatte wahnsinnige Angst, dass der Kurs innerhalb von Minuten ausgebucht sein könnte und ich am Ende nicht dabei sein könnte. Doch dann ist zum Glück doch alles gut gegangen, und die Kurse in England haben meine Erwartungen sogar mehr als erfüllt. Aber immer der Reihe nach.

Zunächst einmal: Wieso die Aufregung? Ich habe mittlerweile schon einige gute Trainer kennenlernen und beobachten dürfen, aber als ich Mark 2007 bei einem seiner Kurse sah, fühlte ich mich angekommen. Die entspannte Atmosphäre während des Kurses, die sich unweigerlich auf Pferde, Teilnehmer und auch Zuschauer übertrug, die Erfolge, die sich im Laufe des Kurses bei den verschiedenen Paaren und spartenübergreifend einstellten und die Leichtigkeit, mit der all das vonstatten ging, faszinierten mich. Seither nehme ich immer wieder seine Bücher zur Hand, bin ich regelmäßig bei den – übrigens auch sehr empfehlenswerten – Kursen seiner ehemaligen Assistentin Amanda Barton hier in Deutschland und versuche, mich so gut wie möglich mit den vermittelten Prinzipien auseinander zu setzen und sie bei jeder Gelegenheit in meine eigene Arbeit mit mir selbst, Pferd und Mensch zu integrieren – und Gelegenheiten gibt es reichlich.
Die Notizen, die ich mir während dieses ersten Kurses vor fünf Jahren machte, dienen mir heute noch als eine Art kleines, praktisches Nachschlagewerk.

Für Mark Rashid gibt es keinen Unterschied zwischen seiner Arbeit mit Pferden und der Art, wie er sein Leben insgesamt führt und führen möchte. Und das ist auch genau das, was er auf seinen Kursen vermittelt. Nicht zuletzt deshalb bietet er auch Kurse ohne Pferd an: Aikido-Kurse speziell für Reiter, der eine Einführung in Praktiken bieten, den eigenen Körper anders, entspannter und “softer” einzusetzen und damit verschiedene Ziele zu erreichen – im Umgang miteinander und letztendlich auch am Pferd. Aikido ist eine japanische Kampfkunst, dessen Name, auf Deutsch übersetzt, soviel wie “Weg der Harmonie” bedeutet. Es geht darum, Harmonie in Stuationen zu bringen, in denen erst einmal keine ist – Angriffsituationen sind das extreme Beispiel, aber wenn man sich länger damit beschäftigt, merkt man schnell, dass das Leben aus einem ständigen Wechsel aus Harmonien und Disharmonien besteht und die Kunst darin, nicht irgendwann den immer währenden Zustand von perfekter Harmonie zu erreichen (denn den gibt es in der Natur nicht), sondern immer besser darin zu werden, diesen Zustand herzustellen.

Je länger man Mark beobachtet, desto besser versteht man, was damit gemeint ist. Sowohl in dem 3-tägigen Aikido-Workshop, als auch im darauffolgenden 3-tägigen Reitkurs gab es sie immer wieder, diese Momente der perfekten Harmonie – man fühlte sie, man sah sie, man konnte sie beinahe anfassen. Auch die reitenden Kursteilnehmer haben enorme Fortschritte mit ihren Pferden gemacht. Ein aus Missständen gerettenes, hypernervöses Pony lernte beispielsweise, dass es vor Menschen nicht weglaufen muss, dass es sich entspannen darf, wenn sein Mensch in der Nähe ist – und zeigte sich enorm zufrieden damit. Seine Besitzerin lernte, dass sie ihm keinen Gefallen tut, wenn sie ihr Pferd mit Samthandschuhen anfasst, dass es ihm nichts nützt, ob seiner Vergangenheit bemitleidet zu werden, sondern dass es eine Aufgabe braucht und einen Menschen, auf den es sich verlassen kann. Eine Reiterin lernte, dass ihr Pferd auch alleine durch ihre Gedanken für sie piaffiert, wenn sie es nur lässt. Eine weitere, dass ihr Pferd nicht deshalb immer unter ihr weggerannt ist, weil es so gerne schnell läuft, sondern weil es dachte, dass dies von ihm verlangt wird. Dieses Missverständnis konnte aufgeklärt werden und – das Pferd war ein anderes, als es den Kurs verließ. Acht Reiter, acht Geschichten mit kleinen und größeren Erfolgserlebnissen auf dem Weg zu mehr Harmonie.

Ich denke, ich bin besser darin geworden, meinen Körper auch in unvorhergesehenen Situationen entspannt und zielführend zu gebrauchen, die richtigen Muskeln einzusetzen, habe ein besseres Gefühl für Energien und “Öffnungen” gefunden und das Gefühl, ich verstehe vieles, was ich vorher geahnt hatte, nun wesentlich besser – auch wenn ich es noch immer nicht richtig in Worte fassen kann… Aber ich glaube das ist ok. Immerhin gab es Übungen in denen wir andere Gruppenteilnehmer bewegt haben, die Meter von uns entfernt standen – nur durch Energien und Gedanken. Ziemlich abgefahrener Kram. Ideen, mit denen ich immernoch spiele und experimentiere.

Als ich wiederkam aus dem – übrigens wunderschönen – Süden Englands, habe ich mir erst einmal eine Aikido-Schule in Hamburg gesucht und mir eine Zehner-Karte gekauft. Es gibt noch so viel zu lernen und zu verstehen. Und natürlich lege ich jedem wärmstens ans Herz, einen Kurs bei Mark Rashid zu belegen, wenn sich die Gelegenheit bietet. Ich weiß, dass ich von meinen gut 90 A5-Notizseiten (ja, ich weiß – aber ich habe auch eine große Handschrift, wenn es schnell gehen soll…) noch lange profitieren werde.

Über die Autorin

Daniela Kämmerer

Daniela Kämmerer

Horsemanship Coach, Yogalehrerin, Autorin

Daniela möchte Menschen und Pferden helfen, sich wohler in ihrer Haut zu fühlen und aufzublühen. Nicht zuletzt, da sie nur so auch gut füreinander sein können – und für ihre sonstige Umwelt.