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Über “Respekt” und ein entspanntes Miteinander von Pferd und Mensch

Über “Respekt” und ein entspanntes Miteinander von Pferd und Mensch

“Meine Stute respektiert mich nicht mehr richtig“, sagte Christiane nachdenklich. 

Sie hatte sich den Coaching-Termin gewünscht, um in einer für sie neuen, veränderten Situation wieder Klarheit und Selbstsicherheit zu gewinnen, für sich und ihr Pferd.

Es war offenkundig, dass es sie schmerzte, dass die Beziehung zu ihrer Stute sich nicht mehr so harmonisch anfühlte, wie vor einer Weile noch. Ich bat sie, mir zu erläutern, was sie damit meine, das Pferd respektiere sie nicht.

„Wir hatten neulich Unterricht. Wir sollten stehen und warten, bis wir an der Reihe waren. Ich hatte vorher schon das Gefühl, dass meine Stute mir Fragen stellte. Aber dann hob sie plötzlich den Kopf und gab mir eine Kopfnuss. Sie wusste sicher, dass ich dort stand!“

Das ist eine typische Situation, nicht wahr? 

Das Pferd macht etwas, was wir nicht wollen, es kommt uns zu nah, rennt uns um, hört nicht auf uns oder verteilt Kopfnüsse. Oft hören wir in solchen Situationen: Dein Pferd respektiert deinen Raum nicht. Oder: Dein Pferd respektiert dich nicht.

Auch Christiane zog diese Schlussfolgerung. Das ist verständlich, weil sie wie die meisten von uns gelernt hat, dass Pferde hierarchisch denken und handeln. Und auch, weil ihr Umfeld ihr das so bestätigt hat. Ich stellte ihr noch einige weitere Fragen, um die Situation besser zu verstehen.

Was sich herausstellte: Tatsächlich hatte die Stute sie schon ein paar Mal „angesprochen“, ohne dass Christiane darauf reagiert hätte. Sie hatte das sogar bemerkt, nur eben ignoriert – weil sie das Gefühl hatte, gerade den Erwartungen der Trainerin gerecht werden zu müssen.

Was ich Christiane dann erklärte, hat ihr, wie sie sagte „den Tag gerettet“. Deshalb möchte ich es heute auch gern mit dir teilen.

Wie gesagt, steht das Thema Respekt schnell im Raum, wenn es um vermeintliches Fehlverhalten von Pferden geht. 

Es gibt Leute, die sagen: „Pferde können gar nicht so denken.“ Das könnte stimmen. Aber was ich so entscheidend finde, ist, dass in jedem Fall wir Menschen das Thema Respekt ins Spiel bringen – nicht die Pferde.

Was meine ich damit? 

Es ist oft hilfreich, das, was objektiv passiert, von unserer Interpretation der Situation zu trennen. Beispiel: Ein Pferd tut etwas, das wir nicht möchten. Wir interpretieren das dann als mangelnden Respekt. Und was wir damit meinen ist: „Das Pferd nimmt uns nicht ernst, es stuft uns herab, es erkennt uns nicht an.“ Wir sehen es also im Grunde als persönlichen Angriff. Aber die Situation ist erstmal nur: Das Pferd bewegt sich einfach auf eine bestimmte Art und Weise. Das sind zwei unterschiedliche Dinge.

Wenn wir das Verhalten von der Interpretation trennen, wie es z.B. auch in der gewaltfreien Kommunikation gelehrt wird, können wir akzeptieren, dass es auch andere Blickwinkel gibt. Andere Möglichkeiten, die Situation zu interpretieren. Eine Möglichkeit, die Pferd und Mensch näher zusammenbringt, statt sie zu trennen.

Wenn wir das Gefühl haben, dass wir nicht respektiert werden, bedeutet das enormen Stress für uns. Unser Ego ist verletzt, wir ziehen uns zurück, wir gehen in den Kampfmodus, oder wir stellen uns tot. In jedem Fall stehen wir als Kommunikationspartner nur noch begrenzt zur Verfügung. Es entsteht ein „Gegeneinander“, ein Streit mit dem Pferd oder eine Situation, in der wir uns verletzt oder unfähig fühlen. Und das nur, weil wir das Verhalten des Pferdes als Angriff auf unser Selbstwertgefühl sehen.

Unser Pferd hat aber gar keinen Grund, unseren Wert anzuzweifeln. Unser Pferd möchte nur mit uns kommunizieren. Wissen, ob wir da sind. Was es von uns erwarten kann. Und wie wir miteinander umgehen. Es urteilt nicht über uns, erklärt uns nicht für unfähig oder seines Respekts nicht würdig.

Wenn du das hier liest, möchte ich dir wirklich versprechen: Dein Pferd würde deinen Wert nie anzweifeln. Wirklich nicht.

Die einzigen in dieser Unterhaltung, die unseren Wert infrage stellen und nicht vollständig respektieren, sind damit wir selbst. Das ist natürlich unnötig, denn jeder von uns ist wertvoller, als wir es vielleicht je verstehen werden und das bleibt auch immer gleichmäßig so. Aber viele von uns hegen, bewusst oder unbewusst, Zweifel daran oder sogar die Überzeugung, dass das nicht stimmen kann. Das macht uns angreifbar und kann in vielen Situationen hinderlich sein. In diesem Fall führt es zu einer Konfrontation mit unserem Pferd.

Während ich all das Christiane erklärte, sah ich, wie sie sich entspannte. „Wenn ich ein Pferd wäre, würde ich jetzt abschnauben“, beschrieb sie ihr Gefühl sehr treffend. Sie war so erleichtert, sich von ihrem Pferd nicht angegriffen fühlen zu müssen!

Denn sie wusste eigentlich: Ihre Beziehung ist intakt. Sie hatte gar keine Lust, sich angegriffen zu fühlen. Dachte aber, das müsste sie, weil das macht man halt so.

Wir lösten weiter auf, indem wir feststellten, dass die Kontaktaufnahmen ihrer Stute vor dieser Situation bereits ein Versuch gewesen sein könnten, zu schauen, ob Christiane wirklich da ist. Und weil Christiane nicht reagierte, wurde die Stute eben „lauter“.

Es liegt an uns, wie wir die Situationen, die wir mit unseren Pferden erleben, interpretieren. Es liegt an uns, immer wieder die Möglichkeit anzuerkennen, dass unsere Pferde mit uns kooperieren wollen. Und dass sie gute Gründe für ihr Verhalten haben, ohne uns dabei persönlich angreifen zu wollen. 

Es liegt an uns, ausgediente Geschichten loszulassen und damit neue zu schreiben.

Ich hoffe, du konntest aus dieser etwas mitnehmen. 

Wenn du gerade Chaos im Kopf hast, das du ordnen möchtest, dich in einer Situation selbstsicherer fühlen oder dein Pferd besser verstehen möchtest, habe ich etwas für dich:

Bis Ende März biete ich insgesamt zehn Plätze für “Clarity & Confidence”-Termine an. Dieses Angebot habe ich neu geschaffen, um speziell in solchen Fragezeichen- oder Schwellenmomenten für dich da sein zu können. Dabei nehmen wir uns einmalig luxuriöse 90 Minuten unter vier Augen, mit dem Ziel, dir zusätzliche Klarheit zu einem Thema zu geben, das dich gerade beschäftigt, dir eine neue Perspektive auf dich oder dein Pferd zu eröffnen oder dir sonst zu geben, was du brauchst, um selbstsicher den nächsten Schritt vorwärtsgehen zu können. 

Christiane schrieb mir an dem Abend noch: „Unser Gespräch klingt noch in mir nach. Im Moment kann ich nur ahnen, wie viele Türen du mir heute geholfen hast aufzustoßen. Ich bin sehr berührt. Vielen Dank dafür.”

Es ist wirklich der Wahnsinn, wie groß die Türen sind, die sich auf der anderen Seite einer Schwelle öffnen können. Ich helfe auch dir gern drüber. 

Hier kannst du dir deinen Termin aussuchen.

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