Aussitzen – eigentlich ganz einfach!?

6.Nov 2010 | Trainingsalltag

Das Sitzenbleiben im Trab stellt für viele Reiter ein Problem dar. Nicht umsonst – viele haben von Kindesbeinen an gelernt, das Pferd mit dem Becken vorwärts zu schieben, spannen dabei den unteren Rücken an und verkrampfen. Besonders bequem ist das nicht, im Gegenteil: Je schneller und härter der Trab, desto schwieriger ist es, diese für uns unnatürliche Bewegung zu halten. Versuchen wir es eine Weile,  sind gerade bei ungeübten Reitern Seitenstiche vorprogrammiert, andere haben wohlmöglich mit Rückenschmerzen (natürlich auch beim Pferd) sowie Knie- und Gelenkprobleme zu kämpfen.

Komisch ist, dass es noch immer so wenige Reitschulen und Reitlehrer gibt, die ihre Schüler lehren, dies zu vermeiden, indem sie sich mit dem Pferd bewegen.

Wo das doch so viel einfacher ist, als dieses selbst bewegen zu wollen – nicht zuletzt weil es viel größer ist als wir selbst, und dadurch auch seine Bewegungen entsprechend größer ausfallen als unsere.

Der Grad unserer Balance, unser Fokus und die Bilder in unserem Kopf, die Bewegung des unteren Rückens und der Hüften, die Schrittlänge des Pferdes – all das hat Einfluss auf unsere Fähigkeit, den Trab richtig, bequem und effektiv auszusitzen. Ich möchte (da die Sonne scheint :)) in diesem Artikel zunächst nur den Gedanken der Schrittlänge zum Drauf herumdenken und Ausprobieren mitgeben, da sie meiner Meinung nach die Grundlage für das Verständnis der gemeinsamen Bewegung bildet.

Der Grund, warum viele Menschen den Schritt als so viel bequemer empfinden als den Trab, liegt in der Schrittlänge und den damit verbundenen Hüftbewegungen von Pferd und Reiter. Gehen wir im Schritt am Boden neben unserem Pferd her, fällt zunächst auf, dass sich der Mensch im Schritt ganz ähnlich wie das Pferd bewegt. Unsere Arme und Beine schwingen ebenfalls in einem 4-Takt vor und zurück, auch unsere Hüften bewegen sich in etwa gleich. Außerdem fällt typischerweise auf, dass die die Schrittlänge bei Pferd und Reiter ungefähr gleich ausfällt – als (Freizeit-)Reiter tendiert man dazu, ein Pferd auszuwählen, auf das wir auch ohne Sattel irgendwie aufsteigen können, und dieses hat dann meist auch etwa dieselbe Beinlänge wie man selber.

Im Schritt zu reiten ist also sehr einfach, weil mit der Schrittlänge auch die Hüftbewegungen des Pferdes ungefähr so groß sind, wie unsere eigenen – und nicht viel anders, als wir das aus unserer eigenen Alltagsbewegung kennen. Unsere Hüfte kann den Bewegungen der Pferdehüfte also optimal folgen.

Wenn wir traben, sieht das anders aus – sowohl auf dem Boden, als auch beim Reiten selbst. Zunächst ändert sich der Takt, aus dem Viertakt wird ein Zweitakt, das ist schonmal eine Herausforderung für viele Reiter. Außerdem wird die Bewegung schneller, der wichtigste Unterschied ist aber, dass die Schrittlänge sich verändert. Die Schritte des Pferdes im Trab sind deutlich größer, als die Bewegungen im Schritt. Wenn wir selbst am Boden „traben“, machen wir aber nicht automatisch größere Bewegungen. Unsere Hüftbewegung wird etwas schneller, jedoch kaum größer als im „Schritt“ und dann trippeln wir vor uns hin. Die meisten von uns sind physisch zwar in der Lage, auch große Schritte und große Hüftbewegungen zu machen, doch ist das sehr ungewohnt für uns. Wenn wir also antraben und die Hüftbewegungen des Pferdes größer werden, neigen wir dazu, einfach in unserem gewohnten Verhaltensmuster zu bleiben. Dabei geraten wir aus dem Takt (ganz klar, wenn das Pferd größere „Schritte“ macht, als wir selbst) und um das auszugleichen, machen wir uns (mindestens) im Rücken fest und beginnen, die Hüften vor und zurück zu bewegen. Das geht dann auch eine Weile gut – bis das Pferd schneller wird oder zulange im Trab bleibt, denn da wir nicht in unserem natürlichen Bewegungsablauf sind, können wir das nicht ewig halten.

Es gilt also, die Bewegungen unserer Hüften denen der Hüften des Pferdes anzupassen. Das ist zunächst ungewohnt, hält uns aber in unserem natürlichen Bewegungsmuster. Unser untere Rücken bewegt sich leicht nach links und rechts, wenn wir zu Fuß gehen – und nicht vor und zurück. Gelingt es uns, diese Bewegung in den Sattel mitzunehmen, und den unteren Rücken genug frei- und „aufzumachen“ um im Trab auch die größeren Bewegungen des Pferdes mitzugehen, wird das Ganze gleich ein bisschen leichter.  Ausprobieren!

Es gibt ein neues Video von Mark Rashid („Sitting the trot“), in dem all dies recht gut erklärt wird – leider zzt. nur auf Englisch. Es ist über seine Internetseite erhältlich.

Wer darüber hinaus Fragen hat oder Hilfe bei der Umsetzung benötig, kann sich natürlich gerne melden.

Über die Autorin

Daniela Kämmerer

Daniela Kämmerer

Horsemanship Coach, Yogalehrerin, Autorin

Daniela möchte Menschen und Pferden helfen, sich wohler in ihrer Haut zu fühlen und aufzublühen. Nicht zuletzt, da sie nur so auch gut füreinander sein können – und für ihre sonstige Umwelt.

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