Tief berührt und nachhaltig bewegt: Pferdemassage á la Masterson

On 12. März 2017

Jasmin mit einem anderen Kunden.

Im Dezember erreichte mich eine Mail aus Amerika, von einer Dame namens Jasmin Sage. Sie schrieb mir, dass sie schon seit vielen Jahren mit Mark Rashid arbeitete, der u.a. seinen neuen Film „Out of the wild“ auf ihrer Ranch in Nevada gedreht hat, und sie, wie er und seine Frau Crissi, zurzeit eine Methode der Pferdemassage erlerne, die sehr mit seiner Art des Pferdetrainings harmoniert: Der Masterson-Methode. Und dass sie im Januar in Deutschland unterwegs und für ihre Ausbildung auf der Suche nach Übungspferden in Deutschland sei. Und sie fragte, ob ich vielleicht Interesse hätte, die Methode kennenzulernen und Diva behandeln zu lassen.

Ich klickte mich daraufhin durch ein paar Links zum Thema und tatsächlich: Alles, was man über Jim Masterson und seine Form der Pferdemassage finden konnte, machte einen stimmigen, sinnvollen, schlauen und auch sympathischen Eindruck. Also freute ich mich riesig, als Jasmin uns im Januar besuchen kam.

Als geborene Berlinerin ist Jasmin deutsche Muttersprachlerin. Nur das später gegenüber meinem Pferd gemurmelte „good girl“ oder „that feels good, doesn’t it?“ lassen (zu meiner anglophilen Freude!) die vielen Jahre in Nevada durchscheinen. Bei der Masterson-Methode, erklärt Jasmin mir dann, geht es darum, Spannungs- und Schmerzbereiche im Pferdekörper zu erkennen und dem Organismus dann zu helfen, die Spannungen selbstständig zu lösen.

Entdeckt wurde dieser Mechanismus von Jim Masterson, seines Zeichens „Masseur“ für die vierbeinige amerikanische Distanzreitermannschaft und geschätzter Mann auf internationalen Reitsportveranstaltungen aller Diszplinen. Wie der Blog „Der grüne Reiter“ in einem sehr schönen Text über Jims Arbeit schreibt, erkannte Jim im Laufe seiner Arbeit, „dass manche Berührungen bei Pferden bestimmte neurologische Reaktionen hervorriefen, die Anzeichen für einen Spannungsabbau waren und begann damit, diese Reaktionen zu kartieren. Er nutzte diese Notizen als Richtschnur für die Entwicklung eines eigenen Systems zur interaktiven Behandlung. Irgendwann 1997 fügten sich für Jim die Puzzleteile seiner Beobachtungen zusammen und er entwickelte, wie schon vorher genannt, die „Masterson Methode TM“ – eine Art sanfte manuelle Therapie zur Entspannung und Entlastung des Bewegungsapparates bei Leistungspferden.“

Warum funktioniert das? Pferde neigen dazu, Schmerzen und emotionale Belastungen, die nicht direkt abgebaut (d.h. im Falle der Pferde häufig: „abgelaufen“) werden können, im Körper zu speichern und auszublenden, solange es möglich ist. Das liegt daran, dass Pferde Fluchttiere sind: Bekommt der Puma mit, dass ein Pferd versehrt ist, steht es direkt ganz oben auf der Speisekarte. Während wir also, wenn wir Schmerzen haben, oft dafür Sorgen, dass möglichst viele Leute davon erfahren und uns dann helfen, sprich: zum Arzt gehen, sperrt das Pferd seine Schmerzen und Spannungen im Körper stillschweigend weg – solange bis sie so stark werden, dass sie nicht mehr ignoriert werden können. (Das ist dann meistens der Punkt, an dem feinfühlige Menschen die Veränderungen in den Pferden bemerken.) Bei der Masterson-Methode geht es nun darum, auf den Pferdekörper so sanft einzuwirken, dass dieser Blockade-Reflex untergraben und das Nervensystem angesprochen wird. Zwischen „Eidotter“ und „Luftloch“ liegt so der Grad der Berührung die meiste Zeit während der Behandlung – und die Resultate sind dennoch unglaublich.

Genauso feinfühlig, wie man mit seinem Pferd auf dem Platz arbeiten kann, lässt sich auch hier also mit ihm kommunizieren, um aus alten Verspannungen und Schmerzen nach und nach Entspannung und Durchlässigkeit zu machen. So auch an meinem eigenen Pferd: Jasmin tastet Divas Körper also langsam, aber flüssig mit den Fingerspitzen ab und wartet auf eine Verhaltensänderung von ihr, ein Signal, meist nur ein Blinzeln, das sich aber zuverlässig wiederholt, wenn man erneut über die Stelle fährt. Hat Jasmin so einen Punkt gefunden, wartet sie. Und wartet. Und wartet. Sie bleibt solange mit genauso wenig Druck auf der Stelle, wie sie angefangen hat und lässt das Nervensystem des Pferdes mit der Körperregion arbeiten. Und tatsächlich sieht man die Augen meines Pferdes zucken und blinzeln, die Ohren vibrieren, die Muskeln hier und da kontrahieren…. Bis es irgendwann laut abschnaubt, beginnt zu gähnen oder einzelne Glieder zu strecken. Die Verspannung ist gelöst.

Hier dazu ein Video von einem Pferd, das Jasmin bearbeitet, langsam beginnt loszulassen und dabei merkt, wie anders (und merkwürdig) sich sein Körper anfühlt:

Das ist eine recht heftige Reaktion, aber in diese Richtung ging es bei uns tatsächlich auch.

Auf diese Art und Weise und mit unterschiedlichen, aber durchgehend sanften, subtilen Techniken arbeitet sich Jasmin durchs Pferd, während Diva dabei mehr und mehr unter ihren Händen schmilzt, sich immer tiefer entspannt und immer weniger empfänglich für äußere Reize wird, die sich um uns herum ergeben. Nach knapp 1,5 Stunden ist sie endgültig eingeschlafen, ich ziemlich durchgefroren und Jasmin fertig mit ihrer Behandlung. Nicht weil die Zeit um ist, sondern weil Diva für den Tag durch ist mit ihren Lösungsprozessen. Das war schonmal ziemlich beeindruckend.

Noch beeindruckender war, mein Pferd in den darauf folgenden Tagen laufen zu sehen: Es schien beinahe, als hätte sie ihren Körper neu entdeckt: Die Hinterbeine liefen erstmal an den Vorderbeinen vorbei, bis sie sich wieder ein bisschen gefunden hat, die Schulter waren deutlich freier als sonst, die sonst anfängliche Schleichphase entfiel ersatzlos und der Rücken schwang locker und frei wie lange nicht mehr. Und das, obwohl mein Pferd ja regelmäßig irgendeine Form von Körperarbeit erfährt (Osteopathie, Physiotherapie, Chiropraktik, Massage etc.). Unglaublich, wie man mit so wenig so viel erreichen kann.

Zum Glück ist Jasmin gerade schon wieder in Deutschland. Am Freitag hat sie uns erneut besucht, wieder mit Diva gearbeitet und wieder war sie absolut Wachs in ihren Händen. Diesmal fragte ich genauer nach, und ließ mir sogar ein, zwei Techniken von ihr zeigen. Es wäre doch so toll, wenn ich meinem Pferd selber auch nur annähernd so gut tun könnte…

Das Gelernte habe ich gleich am Wochenende dann auch ausprobiert und muss sagen: Wow. Nachdem sie am Samstag ganz toll und locker lief, hatte ich am Sonntag das Gefühl, dass sie noch Unterstützung in ihrem Hals- und Nacken-Bereich gebrauchen könnte. „Ich kann ja nichts kaputt machen,“ das hatte Jasmin mir gesagt und ich dachte es nun und begann daher spontan auf dem Reitplatz, mit minimaler Berührung ihren Blasen-Meridian (eine Linie, die beinahe komplett auf der Oberlinie des Pferdes nachzeichnet) abzutasten (oder „abzuschweben“). Und tatsächlich: Beinahe direkt fand ich einen offenbar wunden Punkt und verharrte an dieser Stelle. Und beinahe direkt begannen Divas Augen zu zu fallen und das Nervensystem zu arbeiten, mit genau all den Symptomen, die ich am Freitag und bei der ersten Behandlung schon beobachtet hatte.

Und irgendwann…. die Entspannung: Tiefes Atmen, ein Strecken nach hinten, Strecken nach vorne, Gähnen und immer wieder Gähnen. Ich wartete einen Moment, bevor ich wieder begann. Konnte es wirklich so einfach sein? Dann fuhr ich auf meiner Linie fort bis zum nächsten Punkt. Wieder das gleiche Spiel. Aber sie sah auch einfach sehr entspannt aus… War sie vielleicht einfach eingeschlafen!? Also nahm ich auch mal testweise die Hand herunter und „zack!“, waren die Augen wieder auf und das Pferd wieder ganz da. Also Hand wieder zurück und weiter arbeiten lassen. Da fielen die Augen auch direkt wieder halb zu.

So verbrachte ich bestimmt 30 bis 45 Minuten – nur an der rechten Halsseite meines Pferdes. Völlig euphorisiert und verzaubert von der Möglichkeit, meinem Pferd so einfach etwas so Gutes tun zu können. Endlich mal etwas zurückgeben! Endlich mal ehrlich nützlich sein für das große Tier da neben mir. Irgendwann begann es zu regnen, so dass ich langsam aufhörte. Diva erwachte aus ihrem tiefenentspannten Zustand nur sehr langsam und bewegte sich nicht von der Stelle bevor sie nicht nochmal ausgiebig den Nacken, den Hals, die Wirbelsäule („herabschauender Hund“ für die Yogis) und die Hinterbeine einzeln gestreckt und nochmal ausführlich und zutiefst genüßlich gegähnt hat. Zauberhaft!

Seit letztem Sonntag bin ich also ständig dabei, neue Erfahrungen auf diesem Gebiet zu suchen. Feiner zu werden in der Beobachtung, geduldiger in der Bearbeitung und schlauer durch das Erkennen von Zusammenhängen. Ich bin total begeistert. Es fühlte sich am Anfang für mich ein wenig an, als hätte ich den „heiligen Gral“ entdeckt – oder so. In jedem Fall ein fehlendes Puzzle-Stück in der Beziehung zu meinem Pferd und in meiner Arbeit mit Pferden insgesamt. Schließlich möchte ich in aller erster Linie Pferden helfen. Und ich habe bisher noch nichts gefunden, was dieses Ziel SO direkt und effektiv erreicht. Wow. Danke nochmal an Jasmin für diese Erfahrung. Ich bin sehr froh, dass wir uns kennengelernt haben und sehr gespannt, was wir beide noch für gemeinsame Projekte an den Start bringen können! 🙂

Wer nun Lust bekommen hat, Jasmin und die Masterson-Methode kennenzulernen, sie ist noch bis Anfang April in Deutschland und kommt auch danach noch ein, zwei Mal wieder dieses Jahr. Schickt ihr einfach eine Mail sie meldet sich dann sicher gern. Ich wünsche Euch schon jetzt ganz viel Spaß bei dieser außergewöhnlichen, nachhaltig positiven Erfahrung mit Euren Pferden.

Es gibt übrigens vom „Masterson Master“ Jim unheimlich viele spannende, aufschlussreiche Videos auf Facebook und auch auf Youtube. Sehr empfehlenswert, und vielleicht könnt ihr das ein oder andere ja auch direkt mit zu Euren Pferden nehmen!?

 

 

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