Wie du dich mit Yoga insgesamt zu einem besseren Reiter machst

Wie du dich mit Yoga insgesamt zu einem besseren Reiter machst

Yoga tut Reitern gut. Dieses Gerücht verbreitet sich langsam. Aber warum ist das so und wie verhilft Yoga gezielt zu einem korrekten, ausbalancierten Sitz im Sattel, macht uns vielleicht sogar insgesamt zu „besseren Menschen“ für unsere Pferde? Für FEINE HILFEN beleuchte ich das Thema in jeder Ausgabe genauer und zeige konkrete Yoga-Übungen für Reiter – mit bestimmten Zielsetzungen und gegen bestimmte Sitzprobleme. Hier der erste Teil der Serie „Besser reiten mit Yoga“, erschienen in Ausgabe 37, in dem ich allgemein aus meinem Yoga-Kurs für Reiter erzählt habe.

Aus der Praxis: So tut Yoga ReiterInnen gut

Britta reitet solange sie denken kann. Sie betreibt eine Reitschule, unterrichtet auch selbst und reitet viele ihrer Schulpferde regelmäßig Korrektur. Sie ist eine sehr gute Reiterin – das würde wahrscheinlich weniger sie selbst, als vielmehr ihr Umfeld von ihr sagen. Als sie sich im letzten Jahr jedoch nach Längerem mal wieder auf einem Video reiten sah, war sie schockiert: „Mein Rücken ist ja ganz rund! Das sieht ja furchtbar aus!“. Mit Yoga hat Britta ebenfalls im letzten Jahr begonnen. Aber eigentlich aus anderen Gründen: Um „runterzukommen“ – und weil ihr Rücken sich immer wieder meldete.

Vor Kurzem sah sie sich erneut ein Reit-Video von sich an und war erleichtert: Der runde Rücken war verschwunden, sie saß aufrecht, stabil und locker schwingend auf dem Pferd, so wie sie es sich für ihre Schüler wünscht. Ihr Gefühl hatte sich jedoch vorher schon verändert: „Ich kann mich viel besser aufrichten, bin wesentlich freier im Brustkorb und fühle mich auch bei einem schwungvollen Trab oft wie angeklebt an den Sattel und mein Pferd.“ Außerdem fühlt sie sich insgesamt freier, gelassener, glücklicher – und hatte, laut eigener Aussage „seit der ersten Yoga-Stunde kein einziges Mal mehr Rückenschmerzen“. Was war da passiert…?

Dorothee war früher mit ihrer Stute höhere Dressurlektionen geritten, doch seit einiger Zeit und einer Operation am Knie hatte sie schon Probleme, sie auch nur auf dem Hufschlag zu reiten. Nichts ging mehr so, wie sie es kannte. „Ich habe das Gefühl, sie zieht linksrum immer rein, und je mehr ich dagegen arbeite, desto schlimmer wird es. Es ist so frustrierend.“ Sie hatte zwar das Gefühl, dass sie schief sitzt, wusste sich aber nicht zu helfen. Mit jedem Ritt wuchs die Frustration und das lähmende Gefühl, nicht Herr über den eigenen Körper zu sein. Irgendwann empfahl ihr eine Stallkollegin einen Yoga-Kurs speziell für Reiter. Die Übungen halfen Dorothee zu erkennen, welche Bewegungen ihr konkret schwerfallen, welche „Hand“ ihre eigene schwächere Hand ist, und sie lernte, einzelne Muskeln gezielter anzusteuern.

Wenn Dorothee sich konzentriert, kann sie ihre Stute inzwischen wieder gerade reiten. Neben dem neuen Körperbewusstsein ist sie ruhiger geworden, hat einen klareren Blick gewonnen und dabei erkannt, dass ihr Körper zusätzliche Hilfe braucht, um in ein Gleichgewicht zu kommen. Der Besuch beim Chiropraktiker bringt die Diagnose eines sehr deutlichen Beckenschiefstands, den sie nun mit ihm und durch die Unterstützung der Yoga-Übungen langsam ausgleicht. Mit ihrem Pferd hat sie jetzt von Woche zu Woche wieder mehr Spaß. Die alte Leichtigkeit kehrt zurück und mit ihr die Erleichterung, dass der Körper sich zwar komische Dinge an-, aber auch wieder abgewöhnen kann. Außerdem die spannende Erkenntnis, dass sie sich zu großen Teilen selbst helfen konnte.

Katharina ist ein engagierter, ehrgeiziger Typ und möchte nur das Beste für ihr Pferd. Ihren Wallach hat sie selbst ausgebildet und beide sind ein eingespieltes Team. Aber wie jedes Pferd-Reiter-Paar stoßen auch diese beiden immer wieder an Grenzen. Katharina fühlte sich oft gestresst und hatte einige körperliche Blockaden, die ihr immer wieder im Weg waren. So konnte sie zum Beispiel nie richtig tief in den Brustkorb atmen, immer saß da etwas und blockierte sie. Auch waren die Volten, die sie ritt, auf einer Hand runder als auf der anderen. Den Galopp hatte sie erstmal komplett ausgeklammert, weil ihr Wallach seine Balance nicht recht fand. Und sie konnte ihn schon seit einiger Zeit nicht mehr direkt am Kopf anfassen, aber das hatte sie als Eigenheit des Wallachs akzeptiert. Als sie eines Tages von einem Yoga-Angebot für Reiter hörte, beschloss sie, das mal wieder auszuprobieren. Sie hatte schon vor ein paar Jahren einen Yoga-Kurs besucht, aber für sich beschlossen, dass sie „einfach zu unflexibel“ und „daher nicht Yoga-geeignet“ ist.

Der ursprünglich sechswöchige Kurs wurde immer wieder verlängert und für Katharina zu einem Dauer-Termin. Sie bemerkte, wie sie weniger vom Stress beherrscht wurde, und dass sie Lust bekam, stärker mit ihrem Körper zu arbeiten. Bald fand sie auch zwischen den Terminen immer mehr Gelegenheiten, Yoga-Übungen in ihren Alltag einzubauen. Der Erfolg motiviert sie: Ihre Atmung ist viel tiefer geworden und ihr gesamter Körper damit entspannter, ruhiger. Ihre Volten sind auf beiden Seiten gleichmäßig, weil Katharina gelernt hat, ihr rechtes Bein genauso flexibel einzusetzen wie ihr linkes. Und auch im Galopp machen die beiden große Fortschritte. Nicht, weil Katharina sich diesem Ziel ehrgeizig widmet, sondern weil beide Spaß dran haben. Und: Nach einer Yoga-Stunde, die die „Achtsamkeit in der Berührung“ zum Thema hatte, darf sie ihren Wallach nun auch wieder am Kopf berühren. Sie sagt, dass Yoga die Beziehung zwischen ihr und ihrem Pferd auf ganzer Ebene verändert hat.

Die oben beschriebenen Reiterinnen gibt es wirklich, sie heißen im wahren Leben nur anders. Sie haben gemeinsam, dass keine von ihnen ihr Pferd für die Probleme verantwortlich gemacht hat. Ein sehr großes Glück für die Pferde! Und dass sie alle mithilfe von Yoga gelernt haben, die Situation für sich und ihr Pferd positiv zu beeinflussen.

Was ist Yoga und wieso wirkt es so umfangreich?

Es ist so schwer, als Reiter zuverlässig entspannt, präsent und körperlich losgelassen, beweglich und zugleich stark in den Stall zu kommen. Mensch-Sein ist eine vielseitige und anspruchsvolle Aufgabe und dann auf Knopfdruck bei unseren Pferden (nämlich: im Moment) und für sie der bestmögliche Reiter zu sein, gar nicht so einfach.

Auf körperlicher Ebene liegt die Ursache so gut wie aller typischen Sitzfehler in steifen Hüften und einer zu geringen Rumpfspannung. Die wichtigste Fähigkeit eines Reiters besteht nach Meinung vieler Trainer darin, sich gezielt an- und abschalten, anspannen und loslassen zu können, einzelne Muskeln – aber auch den Kopf.

Im Yoga üben wir genau das. Yoga ist ein über 2.000 Jahre altes, ganzheitliches Lebenskonzept. Die körperlichen Übungen, sind dabei nur die Spitze des Eisbergs. Vielmehr möchte Yoga Körper, Geist und Seele verbinden und wirkt deshalb so ganzheitlich.

Im Yoga machen wir uns unsere Muster bewusst und kreieren neue, dienlichere. Kopf und Körper können sich so gut wie alles an-, aber auch abgewöhnen. In kontrollierter Umgebung merken wir, dass wir selbst unsere innere und äußere Haltung in der Hand haben. Nach und nach lernen wir so, unsere Gedanken und unseren Körper bewusster und effektiver einzusetzen – im Alltag und auch rund um unsere Pferde.

Wir bewegen und kräftigen einzelne Körperteile, lernen sie gezielt anzusteuern und das Denken abzuschalten. Schnell entsteht dadurch ein Gefühl für unseren Körper – und seine Grenzen. Schon nach wenigen Yoga-Übungen fühlen wir uns ruhiger und zentrierter. Und längerfristig werden wir beweglicher und kräftiger, fördern gesunde Bewegungsmuster und können die Erfahrungen aus dem Yoga-Unterricht auch im Alltag und in der Verbindung mit unseren Pferden anwenden.

Genau das ist die „magische“ Erfahrung, die Britta, Dorothee und Katharina gemacht haben und weiterhin machen. Sie hilft ihnen, nach und nach zu einem immer besseren Menschen für ihre Pferde zu werden. Egal, was gestern war.

Welche Yoga-Übungen helfen Reitern am Besten?

Beinahe jede Yoga-Übung, die wir gezielt und genau ausführen, kann die Hüftbeweglichkeit, die Rumpfstabilität und die Ruhe im Kopf fördern, also: den Reitersitz weiterentwickeln. Die Übungen haben aber natürlich unterschiedliche Schwerpunkte.

Ich empfehle, die folgenden Haltungen als kleine Serie durchzuführen. Alles hilft und hat einen ganzheitlich positiven Effekt auf Körper und Kopf. Aber natürlich lassen sich auch einzelne Übungen gezielt zur Förderung unterschiedlicher Ziele nutzen.

Wir picken uns folgende Zielsetzungen heraus:

A: Insgesamt mehr Ruhe finden

B: In den Wendungen gerade sitzen (kein Einknicken in der Taille, keine übertriebene Rotation)

C: Aufrecht und federnd sitzen (kein Rundrücken, aber auch kein übertriebenes Vorkippen des Beckens, sicheres Aussitzen im Trab)

D: Ruhige, lange Beine und gezielte Schenkeleinwirkung haben

Wichtig: Führen Sie jede Übung langsam und bewusst, im Atemrhythmus, aus. Wenn eine Übung Schmerzen verursacht, lassen Sie sie weg! Yoga kann anstrengend sein, sollte aber nie wehtun. Im Zweifel fragen Sie lieber Ihren Arzt, bevor Sie die Übung ausprobieren. Und: Wenn Sie eine Pause brauchen, nehmen Sie sie sich. Immer.

1. Atemübung im Sitzen

Ziel: Vertiefung der Atmung, Aufrichtung der Wirbelsäule und des Beckens (A, C, D)

Entspannt sitzen. Becken neutral, das heißt, der untere Rücken wölbt sich etwas nach innen. Ein Buch, eine gefaltete Decke o.ä. unter dem Po kann helfen. Auf einem Stuhl bis vorne zur Stuhlkante rutschen, so dass der Rücken sich aufrichtet.

Schultern entspannen, ankommen. Stellen Sie sich dann in Ihrem Oberkörper drei Luftballons vor: Einen im unteren Bauch, einen im oberen Bauch und einen im Brustraum. Geben Sie ihnen eine Farbe und eine Größe. Einatmend erst den unteren Ballon, dann den mittleren, dann den oberen Ballon mit Luft füllen. Ausatmend erst den unteren, dann den mittleren und zuletzt den oberen wieder leeren. Auf diese Weise einige Minuten atmen und beobachten, wie sich der Oberkörper in alle Richtungen weitet. Bild wieder loslassen und nachspüren.

2. Katze-Kuh-Wechsel

Ziel: Mobilisierung der Wirbelsäule, Verbindung von Atem und Bewegung fördern (A)

Vierfüßlerstand. Einatmend in ein geführtes Hohlkreuz. Dafür das Becken nach vorne kippen, der Kopf folgt dem Rücken. Ausatmend das Becken nach hinten (oben) kippen, den Bauchnabel nach oben Richtung Wirbelsäule ziehen und den gesamten Rücken runden, Katzenbuckel. Jede Bewegung mit der bewussten Bewegung des Beckens beginnen. Einige Male im natürlichen Atemrhythmus wiederholen.

2a. Variante für mehr Kraft und Länge (B, C, D)

Ziel: Förderung von Länge im Körper, Kraft in der Körpermitte, Beweglichkeit der Wirbelsäule

Vierfüßlerstand. Linke Hand heben, Arm nach vorne strecken. Rechtes Bein heben, Bein strecken, Zehen heranziehen. Einatmend länger werden, ausatmend Knie und Ellbogen unter dem Körper zusammenziehen und den Rücken runden. Wiederholen. Dabei mit jeder Einatmung etwas länger werden, und mit jeder Ausatmung den Bauchnabel sanft und kraftvoll nach oben Richtung Wirbelsäule ziehen. Die Beckenbewegung wahrnehmen. Seitenwechsel.

2b. Variante für „softere“ Hände

Ziel: Dehnung und Belebung der Handgelenke, Förderung der Kommunikation über die Zügel, Öffnung der Schultern (A, C)

Vierfüßlerstand. Rechte Hand nach außen und weiter nach hinten drehen, so dass Ihr Handgelenk gerade nach vorne zeigt. Mit dem Oberkörper kleine, dann größer werdende Kreise um Ihr Handgelenk beschreiben. Seite wechseln. Dann Übung mit beiden Handgelenken wiederholen. Am Ende beide Handgelenke gedreht halten und Gesäß Richtung Fersen bewegen, so weit es Ihnen möglich ist. Hierbleiben und atmen.

2c. Variante für die Hüften

Ziel: Mehr Beweglichkeit in den Hüftgelenken, Dehnung der seitlichen Bauchmuskeln (B, C, D)

Vierfüßlerstand. Einatmend rechtes Knie zur Seite nach oben führen, wie ein pinkelnder Hund. Ausatmend bis kurz über den Boden absenken. Einatmend wieder heben. Mind. 7-10 Wiederholungen, dann Seitenwechsel.

3. Der Halbmond

Ziel: Dehnung und Kräftigung der Hüftbeuger und vorderen Oberschenkelmuskulatur, der Bauchmuskulatur und des Rückens, Öffnung der Schultern (B, C, D)

Tiefer Ausfallschritt, rechter Fuß vorne. Linkes Knie absetzen, Fingerspitzen auf den Boden, Oberkörper lang. Hände lösen, Arme nach oben strecken, kleine Finger zueinander drehen. Einatmend gedanklich den inneren Fuß und das hintere Knie zusammenziehen, im Becken etwas höher kommen. Ausatmend tiefer ins vordere Knie und Oberkörper etwas nach hinten sinken lassen. Im Atemrhythmus ein paar Mal zwischen beiden Haltungen wechseln, dann unten bleiben. Das Becken zeigt nach vorne, die Innenseite des linken Oberschenkels zieht nach oben. Finden Sie den Punkt zwischen zuviel und nicht genug Dehnung. Aus der Haltung herauskommen, einmal durch die Katze-Kuh-Bewegung (siehe oben) gehen und die Seite wechseln.

4. Stuhl-Stellung

Ziel: Kräftigung der gesamten Körpermitte, aller Beinmuskeln und -gelenke, Öffnung der Schultergelenke, „Power Pose“ (A, B, C, D)

Aufrecht stehen, Füße hüftgelenksweit. Arme nach vorne strecken. Die Handflächen zeigen zueinander, die Schultern bleiben unten. Knie beugen und Becken nach hinten bewegen, als ob Sie sich auf einen Stuhl setzen. Ruhig und gleichmäßig atmen, möglichst entspannt bleiben. Körpermitte stark, ausatmend den Bauchnabel Richtung Wirbelsäule ziehen. Fersen sind am Boden, der Rücken ist gerade. Für eine Extra-Portion Kraft Fäuste mit den Händen machen. Wenn möglich, die Arme über den Kopf führen. Nach einigen Atemzügen mit geradem Rücken wieder aufrichten. 

5. Weit gegrätschte Vorbeuge

Ziel: Dehnung der Beinrück-/-innen-/-außenseiten, Aufrichtung des Oberkörpers, Beruhigung des Nervensystems (A, C, D)

Weit gegrätschter Stand. Hände in den Hüften, Ellbogen ziehen leicht zurück. Rücken gerade. Beine leicht anbeugen, ausatmend nach vorne beugen. Kopf und Nacken loslassen, Hände zum Boden. Über die Beugung der Knie eine angenehme Dehnung in den Oberschenkeln finden.

5a. Variation mit Rückenkräftigung

Ziel: Stabilisierung der Körpermitte (B, C)

Weit gegrätschte Vorbeuge. Hände aufsetzen, Rücken gerade. Dann Hände in die Hüften, Füße drücken und einatmend den Oberkörper höher heben.  Ausatmend etwas absenken. Einige Wiederholungen, dann zurück in die Vorbeuge.

5b.  Variation mit Drehung

Ziel: Stabilisierung des Beckens, Dehnung der Körperseiten, Öffnung der Schulter (B, C, D)

Weit gegrätschte Vorbeuge. Linke Hand unters Gesicht, Rücken gerade. Rechten Arm nach oben strecken. Becken gerade halten und Gewicht auf beide Beine verteilen. Seitenwechsel nach einigen Atemzügen.

6. Variation der seitlichen Bretthaltung

Ziel: Dehnung und Stärkung der seitlichen Bauchmuskuln, Stärkung der Schulter (B, C)

Seitliche Liegeposition. Einen Ellbogen unter die Schulter, Unterarm in den Boden drücken. Knie beugen. Einatmend hochdrücken, oberen Arm nach vorne und weiter über den Kopf. Ausatmend Arm zurück zum Becken, Becken etwas senken. Einatmend Arm wieder nach vorne und oben führen, das Becken heben, ausatmend zurück usw.. Die untere Schulter bleibt aktiv und „kollabiert“ nicht. 7-10 Wiederholungen, dann Seitenwechsel.

Für mehr Herausforderung: Beine strecken, Knie von der Matte heben, Außenkante der Füße aufstellen und Übung wiederholen.

7. Heuschrecke mit Arm-Variation

Ziel: Kräftigung von Rücken und Schultern, Dehnung von Schultern, Hüftbeugern und vorderen Oberschenkeln (C, D)

Bauchlage. Arme in „Kaktushaltung“: Schultern und Ellbogen auf einer Linie, Ellbogen gebeugt, Unterarme zeigen nach vorne. Einatmend Kopf, Brustbein und Arme heben, Daumen nach oben drehen. Ausatmend halten, Arme nach vorne strecken. Einatmend wieder zurück, Schulterblätter zueinander ziehen. Ausatmend strecken. Einige Male wiederholen. Dann den Oberkörper ablegen, die Hände unter die Stirn legen, Gesäß ausschütteln. Zwei weitere Durchgänge. Wenn der untere Rücken okay ist, zusätzlich die Beine heben. Nach jedem Durchgang kurz verweilen

8. Piriformis-Stretch

Ziel: Mehr Beweglichkeit im Becken, Lösen fester Strukturen, auch psychisch (A, C, D)

Rückenlage. Füße stehen kurz hinter dem Po. Wirbelsäule liegt natürlich, der untere Rücken hebt sich leicht vom Boden (Becken ggf. sanft nach vorn kippen). Rechtes Fußgelenk über den linken Oberschenkel, Zehen ranziehen. Hier sollte eine Dehnung rund um die rechte Beckenseite spürbar sein. Eventuell rechten Oberschenkel mit der Hand sanft wegschieben. Halten und atmen (mind. 30 Sekunden). Die Ausatmung betonen und länger werden lassen. Seitenwechsel. Am Ende beide Knie ranziehen und sanft auf dem Rücken hin- und herpendeln.

9. Wechselatmung

Ziel: Vertiefung der Atmung (unmittelbare Beruhigung des Nervensystems, Abbau von Stress), Ausgleich der linken und rechten Gehirn- und Körperhälfte (A, B, C, D)

Aufrechter, bequemer Sitz (s.o.). Rechte Hand heben, Zeige- und Mittelfinger „einklappen“, Hand zur Nase. Daumen aufs rechte Nasenloch, Ringfinger auf das linke. Ausatmen, mit dem Ringfinger links verschließen und rechts einatmen. Mit beiden Fingern schließen, den Atem kurz anhalten, dann links öffnen und ausatmen, rechts verschlossen halten.

Links einatmen, schließen. Atem anhalten. Rechts ausatmen. Rechts einatmen, schließen, halten. Links ausatmen usw. Im Atemrhythmus einige Minuten wiederholen. Mit einer Ausatmung durch das rechte Nasenloch beenden. Nachspüren.

Elsa Sinclair – Interview zum „Freedom Based Training“

Elsa Sinclair – Interview zum „Freedom Based Training“

Elsa Sinclair ist in meiner kleinen Pferdewelt in aller Munde. Das erste, was ich von ihr hörte war, dass sie einen Film darüber gedreht hat, wie sie ein Jahr lang mit einem Mustang arbeitet. Ich glaubte das Genre „Mustangfilm“ inzwischen schon etwas abgegrast, ihr Film „Taming Wild“ ist aber tatsächlich sehr sehenswert. Warum? Weil sie in ihrem „Freedom Based Training“ wirklich komplett ohne Hilfsmittel arbeitet und nur mit ihrer Körpersprache mit dem Pferde kommuniziert. Weil es um die Frage geht, ob Pferde wirklich von uns geritten werden wollen, wenn wir ihnen die Wahl geben. Und weil das „Wilde“, das in dem Film „gezähmt“ wird, nicht das Pferd ist – sondern der Mensch, mit seinen Ansprüchen an sich und das Tier.

Diese Tatsache und die übereinstimmenden Berichte von Freunden und Bekannten, dass Elsa bei ihren Kursen in Deutschland im Frühjahr „wichtige, bisher übersehene Puzzlestücke des Horsemanships“ gezeigt hat, haben mich neugierig gemacht. Also habe ich mich selbst etwas mit ihr beschäftigt, Elsas Blog „Equine Clarity“ studiert, mir Podcasts angehört und Videos gesehen. Und ich war begeistert.

Daher bin ich sehr dankbar, dass sie mir letzte Woche ein Interview gegeben hat und ich so nun auch Euch ihre Ideen und Arbeit näher bringen kann. Ich habe es Euch auf Deutsch übersetzt, die englische Original-Fassung findet Ihr unten. Viel Spaß!

Interview mit Elsa Sinclair zu Ihrem Freedom-Based-Training

Elsa Sinclair

(c) Elsa Sinclair

Elsa, welche Eigenschaften braucht ein Pferde-Mensch aus Deiner Sicht? Welche „Muskeln“ müssen Menschen trainieren, um ihrem Pferd ein besserer Partner zu sein?

Ich denke, um unseren Pferden ein besserer Partner zu sein, sollten wir lernen, Ursache und Wirkung wahrzunehmen. Wir sollten lernen, kleinste Fortschritte zu sehen und wertzuschätzen, denn eine freiwillige Entwicklung braucht von beiden Partnern Geduld. Der Wille des Pferdes, sich an Deiner Seite zu entwickeln und zu wachsen, steht und fällt mit den angenehmen Momenten, die ihr gemeinsam erlebt.

Inwiefern beeinflussen die Entscheidungen, die wir für unseren eigenen Körper treffen, unseren „Horsemanship“, unser Zusammensein mit den Pferden? Was verändert sich?

Alle Entscheidungen, die wir für unseren eigenen Körper treffen, haben Einfluss auf die Beziehung zu unseren Pferden. Jede unserer Bewegungen hat eine Bedeutung für das Pferd, und weil Pferde die Körpersprache so viel besser beherrschen als wir, wissen wir oft selbst nicht, was wir ihm eigentlich kommunizieren. Um ein feineres Gefühl für unsere eigenen Bewegungen und Signale rund um Pferde zu entwickeln, sollten wir lernen, ihre Reaktionen zu lesen. Sich zu fragen: Als ich Bewegung XY gemacht habe, wirkte mein Pferd daraufhin nachdenklich, hat es gespielt oder sich entspannt? Oder war ihm eher nach Flucht, Kampf oder „Einfrieren“? Jede Bewegung, die wir machen, führt dazu, dass sich das Pferd besser oder schlechter fühlt. Wir müssen lernen, zu beobachten und auf Basis dieser Beobachtungen gute Entscheidungen zu treffen.

Was machst Du, um Dich auf den Kontakt mit dem Pferd vorzubereiten? Hast Du einen bestimmten Ablauf?

Ich beginne immer damit, mich dem Pferd zu nähern und meine „Harmonie-Momente“, d.h. Momente, in denen ich versuche, genau wie das Pferd zu agieren, auf die Momente abzustimmen, in denen das Pferd nachzudenken scheint oder sich sichtbar entspannt. Wenn ich das Pferd beobachte und meine Bewegungen auf seine Gefühlslage an diesem Tag abstimme, kann ich besser entscheiden, was ich selber tue und worum ich das Pferd bitten möchte. Ich werde in diesem Jahr noch einige kostenlose Webinare zu diesem Prozess anbieten: Darum, ein schärferes Bewusstsein im Umgang mit den Pferden zu entwickeln und ihnen ein besserer Partner zu werden. Das erste Webinar wird am 16. September stattfinden und öffentlich zugänglich sein.

Super. Was würdest Du einem wohl-meinendem Pferdebesitzer empfehlen, wie er den richtigen Weg für sich und sein Pferd findet, im Dschungel der unterschiedlichen Pferdetrainer, Ideen und Methoden?

Ich würde Pferdebesitzern empfehlen, ihre Pferde so oft und genau wie möglich zu beobachten und in der Auswahl ihrer Trainer ihrem Bauchgefühl zu vertrauen. Es kann sein, dass auch ein guter Trainer das Pferd kurzfristig stresst. Alles, was schnell gelernt werden soll, kann für den Lernenden erstmal unbequem sein. Doch frag Dich am Ende des Tages Folgendes: Wenn Du dem Trainer bei der Arbeit zuschaust, siehst Du dann mehr Nachdenken, Nachgeben oder Spielverhalten in den Pferden oder eher Flucht, Kampf oder „Zumachen“? Die Pferde werden Dir sagen, wie sie sich fühlen. Wenn Du hinsiehst und wenn Du zuhörst.

Was ist das wichtigste, das Du während der Dreharbeiten zu „Taming Wild“ gelernt hast?

Ich denke, das wichtigste, was ich während der Dreharbeiten zu „Taming Wild“ gelernt habe ist, dass wir mehr gemeinsam mit Pferden erreichen können, als wir momentan für möglich halten. Um ein Gefühl für die Möglichkeiten zu bekommen, beobachten wir scharf und teilen den Fortschritt in kleinste Entwicklungsschritte auf. Wenn wir wirklich einen Schritt nach dem anderen tun und uns die Zeit nehmen, die es braucht, wird fast alles möglich.

Du hast Dich entschieden, weiterhin ausschließlich freiheitsbasiert, d.h. ohne Hilfsmittel, zu arbeiten, obwohl Du weißt, dass die Leute mit denen Du arbeiten wirst, nicht einmal annähernd soweit gehen werden. Inwiefern können Deine Erkenntnisse Pferden und Menschen auch unter „gewöhnlichen“ Bedingungen helfen und warum? Was ist Deine Message für die Pferdewelt?

Wenn ich Pferde ohne Hilfsmittel trainiere, so langsam und intensiv wie ich kann, lerne ich mehr und tiefgreifender als bei jeder anderen Art von Pferdetraining, die ich kenne. Die Erfahrung, die ich aus diesem Prozess ziehe, hilft mir dabei, anderen Menschen mit einfachen Mitteln zu einer besseren Beziehung mit ihrem Pferd zu verhelfen. Ich mache die harte Arbeit, damit andere Leute das nicht tun müssen. Was ich in intensiven Studien und vielen Stunden gelernt habe, kann ich meinen Schülern dann für sie deutlich angenehmer und zeitlich effizienter weitergeben.

Was rätst Du Menschen, die mehr über Deine Arbeit erfahren wollen?

Ich biete, wie gesagt, am 16. September sowie am 25. November ein Webinar zu den Grundlagen des „Freedom-Based-Trainings“ an geht. Sobald die Schüler ein Grundverständnis für meine Arbeit haben, können sie an einem umfassenden Online-Kurs teilnehmen, der vier Mal jährlich stattfindet: Im Winter, Frühling, Sommer und Herbst. Für laufende Diskussionen und aktuelle Informationen zu meiner Arbeit habe ich eine Insider-Gruppe hier:  https://www.patreon.com/tamingwild. Und um tiefer in meine Konzepte einzutauchen, auch in die Geschichten, die aus der Zeit noch vor dem ersten Film stammen, können Interessierte auch auf meinen Blog EquineClarity.org gehen.

Auf welche Weise hat Deine Arbeit mit den Pferden andere Beziehungen in Deinem Leben verändert oder die Art, wie Du mit anderen Menschen interagierst oder sie wahrnimmst?

Die persönliche Weiterentwicklung, die ich aufgrund meinen Erfahrungen mit dem „Freedom Based Training“ erfahren habe, ist profund! Ich habe so viel mehr Mittel, auch mit Menschen auf positive und produktive Weise umzugehen, seit ich begonnen habe, so intensiv mit Pferden in Freiheit zu arbeiten. Es geht immer um Geduld. Aber noch viel wichtiger als die Geduld ist die Fähigkeit, Ursache und Wirkung zu erkennen und daraus zu lernen. Um dann zukünftige Entscheidungen im Sinne eines besseren Ergebnisses und einer ganz langsamen, maximal freundlichen Entwicklung der Beziehung zu treffen. Das hilft mir in all meinen Lebensbereichen, und dafür bin ich meinen Pferden sehr dankbar.

Wann kommst Du zurück nach Deutschland?
Nächstes Jahr werde ich mit dem Dreh meines neuen Films „Taming Wild: Evolution“ beschäftigt sein, danach gehe ich wieder auf Unterrichtstour. Momentan sieht es so aus, als ob ich im Frühjahr 2020 wieder in Deutschland sein werde.

Vielen Dank für das Interview! Wir freuen uns darauf, bald mehr von Dir zu hören.


Interview with Elsa Sinclair on Freedom Based Training (English Version):

Elsa, your opinion, which qualities does a good horseperson need? What „muscles“ do horse people need to strengthen to be a better person for my horse?

To be a better partner for horses I think we all need to develop a keen awareness of cause and effect along with a long view of the small steps we can make toward progress. Voluntary development takes patience from partners and a horse’s desire to develop and grow with you as a partner depends on the enjoyable moments they experience with you from moment to moment.

How do the choices we make for our own bodies affect our horsemanship? What changes?

All the choices we make for our own bodies affect the relationship with our horses. Every movement we make means something to the horse, and because horses are much more fluent in body language than humans are, we do not always know what we are saying with our bodies. The simplest way to understand our choices moving our bodies around horses is to hone our observation of their responses. When I make a movement, did my horse express more thinking playing or yielding or more fight, flight or freeze. Every movement we make nudges the horse toward better or worse feeling, we need to learn to observe and learn to make good choices based on what we have observed.

What do you do to set yourself up right? Is there a routine of sorts?

I always start as I approach the horse and I time my moments of harmony (being just like the horse) to particular signs of thinking and better feeling. As I observe the horse and get in synchronization with how they feel that day, I can make better choices about what actions I take and what actions I ask my horse to take. I will be hosting free webinars this year on this process of being aware and honing your partnership skills. The first Webinar will be on September 16th and will be open to the public.

Great. What would you recommend to a well-meaning horse owner on how to find the right path for themselves and their horse within the jungle of different horse trainers, ideas and methods?

I would recommend horse owners spend as much time as possible observing their horses and really trust their gut instinct about choosing trainers to help them. A good trainer may make your horse feel worse temporarily because learning anything fast can be uncomfortable for any learner. However, at the end of the day, ask your self when you watch a trainer work, do you see more thinking, yielding and playing developing in horses or more fight flight and freeze? The horses will tell you how they feel if you watch and if you listen.

What is the most important thing you learned during the filming of „Taming Wild“?

I think the most important thing I learned during the filming of Taming Wild was that we can do more together with horses than we currently realize is possible. The way we learn what is possible is we observe deeply and break progress into small acceptable steps of development. When we take one step at a time and we give it the time it takes, almost anything becomes possible.

You decided to continue to work solely freedom-based with your horses, without any tools (let alone your next movie plans :)), knowing that the people you work with won‘t go remotely so far. What do you think are the most important ways in which your findings help all horses and their owners even under „regular circumstances“? What is your message for the horse world?

When I train horses without any tools and I train in the slowest and most intense way I know how, the learning I get is more profound than any horse training I have ever done in my life. The experience I gain from this process is then useful in my teaching where I help other people in improving the relationships with their horses in very simple ways. I do the hard work so that other people don’t have to. What I learn from intense study and long hours, I can pass on to my students in more gentle and time efficient ways.

Where do the people interested in your training ideas best start of?

I will be sharing a free webinar on September 16th and then again on November 25th that outlines the beginning foundation of Freedom Based Training. Once students have an idea of the foundation work, they are welcome to join me for an online course that runs four times a year: winter, spring, summer and fall. For ongoing discussions and updates on the work I have an insider’s group at https://www.patreon.com/tamingwild For a greater exploration of ideas including stories dating back to before the first film, students can visit EquineClarity.org

In what ways has the work that you have been doing with horses changed other relationships in your life and/or the way you interact or perceive people?

The personal development I have felt thought my Freedom Based Training is profound! I have so many more tools to relate to people in positive and productive ways since I started studying deeply with horses in freedom. It is about patience, but much more than patience it is about the ability to observe cause and effect while understanding how to shape future actions for better outcomes in the slowest most gentle evolution of relationship. I am profoundly grateful to my horses for how they help me in all parts of my life.

When are you coming back to Germany?

I wil be filming this current movie, “Taming Wild: Evolution” for the next year and once that is completed I will be back on teaching tour. The current plan is to be back in Germany in the spring of 2020.

Thank you very much for the interview! We are so looking forward to hearing from you again soon.

Horsemanship in deutschen Kinosälen

Horsemanship in deutschen Kinosälen

Schön, einen ganz frischen Kalender zu haben, in dem man alles extra ordentlich eintragen kann, oder? Zumindest die ersten Tage, und zumindest diejenigen, die noch einen haben und sich (noch) nicht gänzlich dem Smartphone anvertrauen. So oder so: Zeit, sich einen weiteren Termin einzutragen, den Kinostart von „Buck“, voraussichtlich der 14. Juni.

Pferdefilme gibt es bereits reichlich. Dieser Film ist aber tatsächlich mehr als das – es geht um einen Menschen, der durch seine Arbeit mit Pferden nicht nur unzähligen Tieren, sondern auch ungefähr genauso vielen Menschen geholfen hat, und das nicht nur in der Arbeit mit ihren Pferden sondern auch in erstaunlich vielen anderen Aspekten ihres Lebens. Pferde sind wie Spiegel unserer Seele. Dass das tatsächlich stimmt, zeigt dieser Film sehr anschaulich… (mehr …)

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