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Nun auch auf Deutsch: Stellungnahme der ISES zum Thema Rangordnung und Dominanzhierarchien unter Pferden

Nun auch auf Deutsch: Stellungnahme der ISES zum Thema Rangordnung und Dominanzhierarchien unter Pferden

Die Internationale Gesellschaft für Reitwissenschaften (International Society for Equitation Science, ISES) hat, unter Berücksichtigung vieler verhaltenswissenschaftlicher Studien bereits 2017 eine Stellungnahme zum Thema Dominanzhierarchien im Pferdesport veröffentlicht. Hier ist die ursprüngliche, englische Fassung zu finden: https://www.equitationscience.com/position-statement-misuse-leadership-dominance

Da ich aber ja weiß, dass diese nicht für jeden so leicht verständlich ist, habe ich den Text für euch auf Deutsch übersetzt. Er liest sich immer noch nicht wie Prosa, weil es eben ein wissenschaftlicher Text ist, den ich auch möglichst wenig verändert habe, aber er fasst viele wichtige Punkte und Erkenntnisse zu dem Thema sehr treffend zusammen.

Hier die Übersetzung:

Stellungnahme zum Gebrauch/Missbrauch von Führungs- und Dominanzkonzepten in der Pferdeausbildung (2017)

Lloyd Morgans Kanon:

In keinem Fall kann eine tierische Aktivität

im Sinne höherer psychologischer Prozesse

interpretiert werden

wenn das Tier niedriger auf der Skala der psychologischen Evolution und Entwicklung angesiedelt ist. 

– Morgan, 1903

Zusammenfassung

Dominanzhierarchien, Alpha-Positionen oder Führung in sozialen Gruppen von Pferden sind menschengemachte Konzepte, die nicht die Grundlage von Mensch-Pferd-Interaktionen bilden sollten. Pferde sind soziale Tiere, die hauptsächlich auf bilateraler Ebene miteinander interagieren (d.h. jedes Pferd hat eine individuelle Beziehung zu jedem anderen Pferd), und es ist unwahrscheinlich, dass sie das Konzept einer Rangordnung haben, die alle Mitglieder der Gruppe umfasst. Die Untersuchung der kognitiven Fähigkeiten von Pferden legt nahe, dass es unwahrscheinlich ist, dass sie die geistige Fähigkeit haben, ein solches Konstrukt zu erstellen. Während ältere und erfahrenere Mitglieder einer Gruppe ihre Heimat kennen und Gruppenmitglieder häufiger an Orte führen können, an denen Futter, Wasser oder Unterschlupf verfügbar sind, als jüngere, weniger erfahrene Pferde, gibt es derzeit keine soliden Beweise dafür, dass Führung einzelnen Mitgliedern der sozialen Gruppe vorbehalten ist.

Die Interaktion zwischen Mensch und Pferd auf einem Dominanzkonzept zu basieren, kann dem Wohlergehen des Pferdes abträglich sein. Leider gibt es Beispiele von Reitern, Trainern und Besitzern, die – in dem Glauben, sich in Bezug auf ihr Pferd in die „Alpha-Position“ versetzen zu müssen – auf Trainingsverfahren und/oder -praktiken zurückgreifen, die Angst hervorrufen und in einigen Fällen möglicherweise zu Missbrauch führen. In der Natur vermeiden Pferde Konflikte eher, als sie zu suchen. Wenn ein Pferd von einer aggressiven Person angesprochen wird, ist die vorherrschende Verhaltensart eines Pferdes Flucht oder Vermeidung. Trainer, Reiter und Besitzer müssen darauf abzielen, eine klare und beständige Beziehung zu ihren Pferden aufzubauen, um das Wohlergehen der Pferde zu gewährleisten. Sie sollten sich der möglichen Auswirkungen bewusst sein, ihre Interaktionen und ihrer Trainingsprozesse mit dem Pferd im Kontext der sozialen Organisation zu rechtfertigen.

Soziale Organisation von Wildpferden, die in einer natürlichen Umgebung leben

Pferde sind sehr soziale Tiere und das Zusammenleben in einer sozialen Gruppe ist überlebenswichtig. Konkurrenz um bestimmte Ressourcen (z. B. Nahrung, Unterkunft), die unter domestizierten Bedingungen häufiger vorkommt als unter natürlichen Bedingungen, kann zu agonistischem (aggressivem und unterwürfigem) Verhalten zwischen zwei oder mehr Gruppenmitgliedern führen. In den meisten Fällen erscheint dies eher als Drohung als als physische Aggression. Innerhalb der Gruppe können Pferde um Ressourcen konkurrieren, zeigen aber keine Motivation, andere per se dominieren zu wollen. Stattdessen versuchen sie, Konflikte zu vermeiden. In etablierten sozialen Gruppen haben einzelne Mitglieder gelernt, welche Pferde sie verdrängen können und welche Pferde sie in Wettbewerbssituationen meiden sollten. Dieses Wissen basiert wahrscheinlich auf einer Reihe von bilateralen Beziehungen, nicht auf einer Rangordnung aller Gruppenmitglieder.

Unter natürlichen Bedingungen leben fast alle Pferde in sozialen Gruppen. Selbst in Gebieten ohne große Raubtiere sind Einzelgänger selten. Die stabilste soziale Gruppe ist die Herde, die aus einem Hengst und mehreren Stuten und deren Nachkommen besteht (Keiper, 1986). Die Herdenmitglieder bleiben auch außerhalb der Paarungszeit zusammen. Die Stuten sind zwar nicht verwandt, gehen aber enge, oft lebenslange Beziehungen miteinander ein (Cameron et al., 2009). Wenn sich ein anderer Hengst einer Gruppe nähert, treibt der Gruppenhengst seine Stuten zusammen, indem er sie umkreist, den Kopf fast auf den Boden senkt und die Ohren zurücklegt (beschrieben als Hüteverhalten). Dies ist die einzige Situation, in der Hengste die Bewegungen der Stuten kontrollieren (Berger, 1986).

Wettbewerb

Das Leben in einer sozialen Gruppe vereinfacht das Überleben, kann aber auch Wettbewerb zwischen Gruppenmitgliedern schaffen, der zu agonistischem Verhalten führen kann, das Aggression, Androhung von Aggression und unterwürfiges Verhalten beinhaltet. Aggression bei Pferden beinhaltet Tritte oder Bisse. Zu den Drohgebärden gehören Gesichtsausdrücke (Ohren nach hinten gelegt, möglicherweise mit freiliegenden Schneidezähnen), absichtliches Anheben eines Hinterbeins und/oder Schweifschlagen. Unterwürfige Verhaltensweisen bestehen überwiegend aus Vermeidungsverhalten. Wenn ein Pferd von einem stärkeren Gegner bedroht wird, weicht es normalerweise aus und hält den Kopf tief und den Schweif eingezogen, eine Körperhaltung, die Unterwerfung signalisieren kann. Das sogenannte Fohlenkauen (frei übersetzt, ohne Gewähr. – Anm. der Übersetzerin) wird von einigen als Zeichen der Unterwerfung angesehen. Fohlenkauen besteht aus vertikalen Kieferbewegungen, während die Lippen die Vorderzähne bedecken und die Mundwinkel nach hinten gezogen werden (Henshall und McGreevy, 2014). Das Verhalten wird oft bei jungen Pferden beobachtet, wenn sie sich älteren Pferden nähern (Waring, 2003).

Bei Wildpferden kommt es hauptsächlich in zwei spezifischen Situationen zu Aggression: Zum einen, wenn Hengste um Stuten kämpfen, und zum anderen, wenn Stuten ihre neugeborenen Fohlen beschützen. Die Position eines Herdenhengstes wird häufig von Junggesellenhengsten oder benachbarten Herdenhengsten in Frage gestellt. Die meisten Begegnungen beinhalten eine Art Drohgebärde, während relativ wenige zu tatsächlicher Aggression führen. Wenn es jedoch zu Kämpfen kommt, können sie intensiv sein und zu schweren Verletzungen führen. Die meisten Herdenhengste haben zahlreiche Narben und Wunden (Berger, 1986).

Eine Stute schützt ihr neugeborenes Fohlen sehr. Sie wird sich zwischen dem Fohlen und allen Eindringlingen, potenziellen Raubtieren und sogar vertrauten Herdenkameraden positionieren und bedrohliches Verhalten zeigen. Dieses Verhalten wurde früher fälschlicherweise dahingehend interpretiert, dass die Stute nach dem Abfohlen ein paar Stufen in der sozialen Hierarchie aufsteigt.

Unter domestizierten Bedingungen dreht sich der Großteil des Wettbewerbs zwischen Pferden um Futter. Bei Gruppenpferden, die in einer relativ stabilen Gruppe leben, ist ernsthafte Aggression selten. Wenn sich zwei Pferde gegenseitig herausfordern, gelingt es einem normalerweise, das andere zu verdrängen und an die Ressource zu gelangen. Nur selten sind drei Pferde an echten Kämpfen beteiligt. Bei jeder Begegnung lernen Pferde etwas über ihre Fähigkeit, Ressourcen in Bezug auf ein anderes Pferd zu behalten. Dies wirkt sich auf zukünftige Konflikte zwischen den beiden Beteiligten aus. Wissenschaftler bezeichnen dies als das Ressourcenhaltepotential des Tieres. Ebenso dürfte ihre Stellung im Verhältnis zu den anderen Pferden der Gruppe auf bilateraler Ebene und nicht nach dem Konzept der gesamtgesellschaftlichen Hierarchie gebildet sein.

Dominanzhierarchie

Obwohl Dominanz (wichtig: im ethologischen Sinne, Anm. der Übersetzerin) auf bilateraler Ebene existiert und zum Lernen beitragen kann, das die soziale Ordnung untermauert, gibt es derzeit keine Beweise dafür, dass Pferde irgendein Konzept der Hierarchie haben.

Das Konzept der Dominanzhierarchien wurde von dem norwegischen Biologen Schjelderup-Ebbe suggeriert, der eine „Hackordnung“ in Gruppen von Hühnern beschrieb. Seitdem hat sich unter Wissenschaftlern und Laien die Vorstellung durchgesetzt, dass soziale Tiere eine soziale Struktur bilden, die auf dem Rang unter den Gruppenmitgliedern basiert. Viele Studien haben versucht, eine Rangordnung zu erstellen, indem sie agonistische Begegnungen zwischen Gruppenmitgliedern beobachteten. Solche Beobachtungen haben im Allgemeinen den Rang einiger der oberen Tiere und möglicherweise einiger der unteren Tiere offenbart. Diese Studien konnten jedoch selten eine klare Rangordnung der Gruppenmitglieder in mittleren Ebenen erkennen, einfach, weil diese Tiere keine Aggression gegeneinander gezeigt haben. Um den Rang aller Gruppenmitglieder aufzudecken, werden Paartests durchgeführt. Gruppenmitglieder werden einer aggressiven Begegnung ausgesetzt (normalerweise über Nahrung) und alle Kombinationen von Gruppenmitgliedern werden getestet (d.h. Tier A gegen B, C, D usw.; Tier B gegen C, D usw.), was zu Folgendem führt: zum Beispiel D>A>C>B. Es kann auch vorkommen, dass sich zwei Tiere eine Ressource teilen, in diesem Fall werden sie als denselben Rang betrachtet.

Dass ein Tier in einer Konkurrenzsituation ein anderes verdrängen kann, steht außer Zweifel. Wir können das Pferd, dem es gelingt, ein anderes zu verdrängen, den „Gewinner“, den „Dominanten“ oder das „Alpha“ und das verdrängte Individuum den „Verlierer“ oder den „Untergebenen“ nennen, wenn sich die zur Beschreibung des Ergebnisses verwendete Sprache nur auf die beiden an der Begegnung beteiligten Tiere bezieht. Es ist wahrscheinlich, dass beide Tiere das Ergebnis des Wettbewerbs lernen und sich lange daran erinnern werden, sowohl in einem ähnlichen Kontext als auch möglicherweise in Konflikten um andere Ressourcen. Dies ist jedoch kein Grund zu der Annahme, dass Pferde die Zusammenhänge in ihrem Gehirn abbilden oder sich in Relation zu allen anderen Pferden einordnen.

Altmann (1981) stellt fest: „Dominanzbeziehungen sind eine Erfindung, keine Entdeckung. Sie existieren im Geist und Notizbuch des menschlichen Beobachters. Mit wenigen Ausnahmen gibt es jedoch nichts im agonistischen Verhalten von Tieren, das eine Fähigkeit zu solchen Abstraktionen impliziert.“

Führung

Führung und ihre Attribute wurden bei Säugetieren ausgiebig untersucht (siehe Hartmann et al., 2017 für einen Überblick über Pferde). Es beschreibt den Prozess der sozialen Beeinflussung, bei dem bestimmte Führungspersönlichkeiten die Handlungen der Gruppenmitglieder (z. B. Tätigkeits- oder Standortwechsel) zu lenken scheinen. Führung kann auf zwei Arten definiert werden:

Eine Art ist das, was Syme und Syme (1979) „soziale Führung“ nennen, die sie als „die Kontrolle der Aggression zwischen Individuen innerhalb der Gruppe und den Schutz anderer Mitglieder, wenn die Gruppe mit Bedrohungen oder Raub konfrontiert wird“. Wenn es einen Herdenhengst gibt, ist er fast ausschließlich für den Schutz der Gruppe verantwortlich. Darüber hinaus haben Beobachtungen gezeigt, dass sowohl Hengste als auch Stuten eingreifen und Kämpfe zwischen Gruppenmitgliedern beenden können (z. B. van Dierendonck et al., 2009).

Eine andere Definition von Führung ist „räumliche Führung“, die sich darauf bezieht, wann und wohin sich die Gruppe bewegt. Historisch wurde angenommen, dass entweder der Hengst oder eine ältere Stute für die räumliche Führung verantwortlich war und entschied, wohin die Gruppe gehen sollte. Neuere Forschungen haben jedoch in Frage gestellt, ob bestimmten Pferden konsistente Führungsrollen zugewiesen werden können (Krüger et al., 2014; Bourjade et al., 2015), welche Auswirkungen der Rang auf die Gewinnung von Anhängern hat (Andrieu et al., 2016), welche Verhaltensweisen vor der Bewegung angezeigt werden, die auf spätere Führung hindeuten können (Bourjade et al., 2009; Bourjade et al., 2015), und welche Auswirkung individuelles Temperament und soziale Bindung auf die Initiierung von Bewegung haben (Krüger et al., 2014; Briard et al. , 2015). Diese Studien zeigen, dass Führung nicht nur einem bestimmten Gruppenmitglied vorbehalten ist, sondern dass jedes Pferd der Gruppe Gruppenbewegungen initiieren kann. Bourjade et al. (2009, 2015) fanden geteilte Führung in Gruppen von Przewalski-Pferden und kamen zu dem Schluss, dass der Entscheidungsprozess vor der Bewegung teilweise geteilt war und größtenteils auf dem Verhalten mehrerer Pferde vor dem Abgang basierte.

Ausbildung von Hauspferden

Einige Reiter glauben, dass, um den „Respekt“ eines Pferdes zu erlangen und das Pferd dazu zu bringen, Befehlen zu gehorchen, die Person, die es behandelt, das „Alpha-Individuum“ sein muss, d.h. in der obersten Position der sozialen Hierarchie. Die Person muss der dominierende Teil der Beziehung sein und das Pferd der unterwürfige. Selbst wenn Pferde ein Konzept wie „Spitzenposition“ in einer Hierarchie hätten, ist es fraglich, ob diese Hierarchie Menschen überhaupt einschließen würde (McGreevy et al., 2009). Zweifellos liegt ein Teil des Grundes für diese und ähnliche Überzeugungen im Anthropomorphismus (d.h. in unserer Neigung, menschliche Eigenschaften wie Respekt und Autorität auf das Pferd zu übertragen). Diese Einstellung schadet oft mehr, als dass sie nützt (Beispiele siehe McLean, 2003).

Im Pferdetraining ermutigen und rechtfertigen Versuche, Pferde zu dominieren, oft die Anwendung von Bestrafung. Abgesehen von den möglichen negativen Auswirkungen auf das Wohlergehen des Pferdes kann auch die allgemeine Arbeitsbeziehung darunter leiden. Die natürliche Reaktion eines Pferdes auf einen aggressiven Gegner besteht darin, dem Individuum auszuweichen, indem es sich wegbewegt. Wenn das Pferd den Trainer als aggressiv erlebt, besteht seine vorherrschende Motivation darin, den Trainer zu meiden. Daher ist es von größter Bedeutung, dass Trainer, Reiter und Besitzer nicht aggressiv auftreten, da dies beim Pferd Angst- und Vermeidungsreaktionen auslösen kann.

Botschaften zum Mitnehmen

  • Die menschliche Interaktion mit Pferden sollte auf einem Verständnis des natürlichen Verhaltens von Pferden und der Berücksichtigung/Verständnis ihrer kognitiven Fähigkeiten basieren.
  • Das Training sollte in einer ruhigen, klaren und konsistenten Art und Weise gemäß den Reitwissenschafts-Trainingsprinzipien durchgeführt werden, wobei Lerntheorie und Ethologie angemessen verwendet werden. Siehe: www.equitationscience.com/learning-theory-in-equitation.
  • Konzepte von Dominanzhierarchien, Alpha-Position und Führung sind Versuche der Menschen, die komplexe und dynamische soziale Organisation von Pferden zu beschreiben, die in sozialen Gruppen leben.
  • Pferde interagieren hauptsächlich auf bilateraler Ebene miteinander, nicht nach einer Rangordnung, die alle Mitglieder der Gruppe umfasst.
  • Wenn sie in Positionen gebracht werden, in denen Pferde um eine Ressource konkurrieren müssen, kann das eine das andere verdrängen. Das verdrängte Pferd weicht dann dem anderen aus. Die vorherrschende Art des unterwürfigen Verhaltens, das ein Pferd zeigt, ist Vermeidung.
  • Ein falscher Glaube, dass die Person, die mit einem Pferd umgeht und es trainiert, in einer Spitzenposition einer Dominanzhierarchie (d.h. in einer Alpha-Position) oder ein Anführer sein muss, kann eine schädliche negative Wirkung auf das Pferd haben und möglicherweise zu einem Vermeidungsverhalten führen, das ist dem Training abträglich.
  • Die Beschreibung des Ausbildungsprozesses und der Mensch-Pferd-Interaktionen im Rahmen einer Dominanzhierarchie gefährdet die Schaffung einer harmonischen Beziehung zum Pferd und kann sein Wohlergehen gefährden.

Referenzen

  • Altmann, S.A. (1981). Dominance relationships: The Cheshire cat’s grin? The Behavioral and Brain Sciences, 4:431.
  • Andrieu, J., Henry, S., Hausberger, M., Thierry, B. (2016). Informed horses are influential in group movements, but they may avoid leading. Animal Cognition,19:451–458.
  • Berger, J. (1986). Wild horses of the Great Basin. University of Chicago Press.
  • Bourjade, M., Thierry, B., Maumy, M., Petit, O. (2009). Decision-making in Przewalski horses (Equus ferus przewalskii) is driven by the ecological contexts of collective movements. Ethology, 115:321–330.
  • Bourjade, M., Thierry, B., Hausberger, M., Petit, O. (2015). Is leadership a reliable concept in animals? An empirical study in the horse. Plos One, 10:e0126344.
  • Briard, L., Dorn, C., Petit, O. (2015). Personality and affinities play a key role in the organisation of collective movements in a group of domestic horses. Ethology, 121:888–902.
  • Cameron, E.Z., Setsaas, T.H. & Linklater, W.L. (2009). Social bonds between unrelated females increase reproductive success in feral horse. Proceedings of the National Academy of Science, 106:13850–13853.
  • Hartmann, E., Christensen, J.W., McGreevy, P.D., 2017. Dominance and leadership: Useful concepts in human–horse interactions? Journal of Equine Veterinary Science, (2017), doi: 10.1016/j.jevs.2017.01.015.
  • Henshall, C., McGreevy, P.D. (2014). The role of ethology in round pen horse training – a review. Applied Animal Behaviour Science, 155:1–11.
  • Keiper, R.R. (1986). Social structure. Veterinary Clinics of North America: Equine Practice, 2:465–484.
  • Krüger, K., Flauger, B., Farmer, K., Hemelrijk, C. (2014). Movement initiation in groups of feral horses. Behavioural Processes, 103:91–101.
  • McGreevy, P.D., Henshall, C., Starling, M.J., McLean, A.N., Boakes, R.A. (2014). The importance of safety signals in animal handling and training. Journal of Veterinary Behavior: Clinical Applications and Research, 6:382–387.
  • McGreevy, P.D., Oddie, C., Burton, FL, McLean, A.N. (2009). The horse–human dyad: Can we align horse training and handling activities with the equid social ethogram? The Veterinary Journal, 181:12–18.
  • McLean, A. (2003). The truth about horses. Viking.
  • Morgan, C.L. (1903). An Introduction to Comparative Psychology, 2nd edition, London: W. Scott. P. 59.
  • Syme, G.T., Syme, L.A. (1979). Social structure in farm animals. Amsterdam, Elsevier.
  • Van Dierendonck, M.C., de Vries, H., Schilder, M.B.H., Colenbrander, B., Thorhallsdottir, A.G., Sigurdjonsdottir, H. (2009). Interventions in social behaviour in a herd of mares and geldings. Applied Animal Behaviour Science, 116:67–73.
  • Waring, G.H. (2003). Horse Behavior. 2nd ed. William Andrew Publishing.
Das Märchen von der Rangordnung in Pferdeherden

Das Märchen von der Rangordnung in Pferdeherden

Pferde leben in festen Hierarchien – das ist für die Reiterwelt völlig klar und auf dieser Überzeugung gründen letztlich auch die meisten Interaktionen mit ihnen. Allein: Es gibt inzwischen zahlreiche Studien, die nahelegen, dass es gar keine Rangordnung in Pferdeherden gibt. Über einen noch ungewohnten Blick auf das Pferdeverhalten – und die Chancen, die uns und vor allem den Pferden daraus entstehen.

Ein Paddock, irgendwo in Deutschland. Vier Pferde stehen um eine Heuraufe herum. Ein fünftes nähert sich von hinten, legt die Ohren an und wirft den Kopf in Richtung des Pferdes, das ihm am nächsten ist. Dieses sucht das Weite, während Pferd Nr. 5 die Nase ins Heu steckt und zu fressen beginnt. Wir stehen am Zaun und beobachten die Szene, irgendjemand murmelt: “Ah, da kommt der Chef.”

Als ReiterInnen haben wir gelernt, das Pferd so zu sehen: Als Tier, dessen Denk- und Verhaltenswelt klar auf Rangordnung geeicht ist, und das diese bei jeder Gelegenheit zeigt, sucht, ja sogar braucht. Darauf gründen sich die meisten Trainingsmethoden direkt oder indirekt, unsere Interpretation von Verhalten und damit, am allerwichtigsten: Unser Blick auf die Pferde, unser Verhältnis zu ihnen.

Was können wir aus der Pferdeverhaltensforschung lernen? Unter anderem die Trennung von Wahrnehmung und Interpretation.

Seit einigen Jahren beschäftige ich mich vermehrt mit Pferdeverhaltensforschung. Ich habe den Kontakt zu aktiven EthologInnen gesucht und gefunden, die an Pferdeherden auf der ganzen Welt forschen, Workshops mit diesen besucht und organisiert, und viele Bücher, Abhandlungen und Studien gelesen. Das macht nicht nur viel Spaß, sondern ist höchst interessant. Ich habe nochmal so viel über Pferde gelernt! Was ich aber auch gelernt habe: Die Verhaltensforschung bemüht sich vor allem sehr, beobachtbares Verhalten (also: ein Pferd nähert sich einem anderen mit angelegten Ohren) von menschlicher Interpretation (also: es will seine Chefposition sichern) zu trennen. Und hier liegen auch für uns als Pferdemenschen ganz viele Chancen.

Abgesehen davon, dass wir von der Trennung zwischen “Was passiert hier gerade?” und “Was mache ich daraus?” immer profitieren (das Thema begegnet mir auch sehr oft im Coaching von Menschen), bringt sie uns immer wieder in die Vogelperspektive, d.h. auch: Sie macht uns demütiger und achtsamer. Wir können unsere Pferde besser wahrnehmen, wenn wir die Interpretation des Verhaltens erstmal hinten anstellen, sie mehr so sehen wie die Pferde uns. Und: Wir neigen weniger dazu, das Erlebte persönlich zu nehmen, zu bewerten und in Schubladen zu stecken. Es ist einfach erstmal.

Und von allen inhaltlichen Learnings, die ich aus der Verhaltensforschung bisher ziehen durfte, ist mir eines als ganz zentral hängen geblieben, was dort oft beinahe beiläufig Erwähnung findet: Nachdem auch die Verhaltensforschung jahrzehntelang Rangordnungen unter Pferden untersucht hat, sie ebenfalls durch diese Brille betrachtet hat, ohne das weiter zu hinterfragen (es handelte sich um ein übernommenes Konzept, ursprünglich aus der Beobachtung von in Gefangenschaft gehaltenen Wölfen), ist sie inzwischen davon abgekommen. Zunehmend auf die Probe gestellt, konnte einfach kein zuverlässiger Zusammenhang zwischen dem beobachteten Verhalten und dieser Interpretation dazu nachgewiesen werden. Immer gab es andere Gründe, mit denen sich das Verhalten ebenfalls erklären ließ. Zudem mehren sich auch die Studien, die widerlegen, dass es eine feste Rangordnung unter Pferden geben kann, weil dies eben nicht zusammenpassen würde, mit dem, was die Forscher beobachteten.

Zu vieles spricht inzwischen gegen die Rangordnung, es scheint, als gäbe es einfach immer eine passendere Interpretation.

Nach meinem bisherigen Verständnis (und nur dieses kann ich hier darstellen) kann man sich frei lebende Pferdeherden stattdessen viel mehr als äußerst komplex organisierte soziale Zusammenschlüsse vorstellen, die aus individuellen Charakteren mit flexibel verteilten Rollen bestehen und die sich als Gruppe als eine Art selbstorganisierte Massenbewegung bewegen, vergleichbar mit einer Fischschule oder einem Vogelschwarm. Klassisch besteht ein Zusammenschluss aus einem Hengst mit einigen Stuten, bei dem der Hengst schon tragende Rollen übernimmt, der allerdings nicht im hierarchischen Sinne über den Stuten steht. Es gibt aber auch nicht die eine Leitstute, die die Herde führt, vielmehr reagieren die Pferde mit- und aufeinander flexibel, jeder bringt dabei ein, was er hat und achtet auf den anderen.

Aber wie organisieren sich Pferdeherden denn dann?

Frei lebende Pferde brauchen keine Dominanzhierarchien, denn es gibt kaum etwas, worüber man dominant sein müsste. Futter ist genug für alle da, und ansonsten fokussieren sich die Pferde vor allem darauf zusammenzuhalten, um sich möglichst gut vor Raubtieren zu schützen. Rangkämpfe würden unnötig Energie kosten, die man später fürs Wegrennen brauchen könnte.

Wenn wir also weiter davon ausgehen, dass es einfach diese eine Rangordnung gibt, tun wir den Pferden nicht nur Unrecht, wir unterschätzen sie auch radikal. Damit eine Herde funktioniert, braucht es nicht nur sehr weit entwickelte soziale Verhaltensweisen und eine extrem feine Wahrnehmung, sondern auch die individuellen Stärken aller Mitglieder.

Warum wurde diese Vorstellung also in der Forschung also so lange nicht hinterfragt? Nun, hier können wir nur spekulieren, nahe liegt aber, dass der Fehler hier u.a. in Denkkonzepten liegt, die bei den Forschern selbst so tief drinsteckten, dass sie nicht hinterfragt werden, und uns selbst wird es ähnlich gehen: Wir gehen einfach davon aus, dass Gesellschaften hierarchisch organisiert sind, weil wir es selbst in unseren auf Militärvergangenheit beruhenden Kulturen nur so kennen. Ob dieses Denken nun in der menschlichen Natur steckt oder anerzogen wurde, ist nochmal eine andere spannende Frage. (Ich würde sagen: Letzteres.)

Naja, könnte man sagen, Wissenschaft überholt sich ja immer mal wieder selbst, ist ja nicht so schlimm. Wenn die Unterstellung einer natürlichen Rangordnung nicht so viele negative Implikationen für das Pferd hätte.

Die Unterstellung einer natürlichen Rangordnung ist die Grundlage vielen Leids unserer Pferde.

  1. Im Training: Wenn wir davon ausgehen, dass Pferde eine Rangordnung suchen und brauchen, gibt es für uns als Menschen daraus nur eine mögliche Ableitung, wenn wir das Pferd in irgendeiner Form “nutzen” wollen: Wir müssen uns über das Pferd stellen. Aber da das Pferd dies ja dann auch so sucht, kann man trotzdem nachts wunderbar schlafen. Oder? Der Begriff “Dominanztraining” ist in weiten Teilen der Pferdewelt prinzipiell inzwischen wieder verpönt, aber solange das Rangordnungsparadigma weiter herrscht, bleibt das normale Bild von ReiterInnen in den Ställen und Reithallen einfach ziemlich dominant.
  2. In der Haltung: Wenn wir davon ausgehen, dass Pferde in Rangordnungen organisiert und entsprechend auch Rangauseinandersetzungen normal sind, sehen wir in den täglichen Kampfsituationen auf den Weiden und Paddocks eben “Rangklärungen”, ohne uns zu fragen, welche Rolle etwa Lernverhalten und Stress, etwa falsches Management in Haltung, Herdenzusammensetzung, Fütterung und der Gesundheitszustand der Individuen spielen könnten.

Denn warum sieht man Pferd Nr. 5 dem anderen Pferd drohen? Hier kommen ganz unterschiedliche Gründe infrage, denn Pferde sind eben individuell: Vielleicht hat Pferd Nr. 5 gelernt hat, dass es dadurch an Futter herankommt und Futter oder Nährstoffe knapp sind oder es in seinem Leben schonmal waren. Vielleicht hat Pferd Nr. 5 ein größeres Bedürfnis für individuellen Raum, als es die Fütterungssituation in dem Moment zulässt. Vielleicht hat Pferd Nr. 5 Schmerzen, ist insgesamt entsprechend angespannt und lässt seinen Ärger an dem nächstbesten Pferd aus. Vielleicht gibt es auch einen schwelenden Konflikt mit diesem anderen Pferd. Vielleicht ist etwas ganz anderes, oder es ist eine Mischung aus unterschiedlichen Faktoren. Aber hat irgendetwas davon etwas mit “Chefsein” zu tun? So leicht nicht.

Wir sehen oft täglich die gleichen Konfliktsituationen in Pferdegruppen, z.B. zur Fütterungszeit oder rund um Heuraufen. Wenn Pferden die Rangordnung so im Blut läge – warum müssen sie dann ständig die gleichen Konflikte austragen? Sollten sie es dann nicht hinkriegen, die Rangordnung einmal “zu klären” und dann damit zu leben…? Laut Lucy Rees, einer Ethologin, die in Spanien u.a. eine eigene Pottoka-Wildpferdeherde auf 1200 ha zu Beobachtungszwecken hält, liegt die Erklärung vielmehr darin, dass Pferde einfach nicht besonders gut in Auseinandersetzungen und nachhaltigen oder friedlichen Klärungen von Konflikten sind – denn sie vermeiden sie eigentlich am allerliebsten und wo sie können. Platt gesagt: Es liegt NICHT in ihrer Natur, ständig aggressiv zu sein, dieses Verhalten ist (auf die ein oder andere Art) oft menschengemacht. Gelingt es einer Pferdegruppe mit Auseinandersetzungen insgesamt doch harmonisch zusammenzuleben, dann nicht etwa wegen, sondern trotz der Konflikte. Das ist ein wichtiger Unterschied.

Und wie können wir unseren Pferden ohne die Rangordnungsidee begegnen?

So, das waren in aller Kürze einmal meine bisherigen Erkenntnisse dazu. Was können wir als Pferdemenschen also mit diesem neuen Blick tun?

– Wir können unseren Pferden insgesamt noch offener begegnen.

– Wir können üben, das, was wir sehen, von unserer (gelernten) Interpretation zu trennen: Wenn ein Pferd klassisch “dominantes” Verhalten zeigt, die Ohren anlegt, ja, sogar, wenn es unmissverständlich Aggression zeigt, kann das je nach Situation und Individuum sehr viele unterschiedliche Gründe haben.

– Wir können den Pferden zugestehen, dass sie in jedem Fall einen guten und individuellen Grund für ihr Verhalten haben.

– Wir können ein Mal mehr erkennen, dass wir die Verantwortung dafür tragen, dass unsere domestizierten Pferde ihre natürlichen Bedürfnisse zu jeder Zeit möglichst gut ausleben können, um Auseinandersetzungen zwischen den Pferden auf ein Minimum zu reduzieren.

– Wir können aufhören, ungefiltert hinzunehmen, was wir gesagt bekommen und uns trauen, auf unser Gefühl zu vertrauen – auch und insbesondere was die Frage angeht, wie es unseren Pferden geht (lustigerweise können Laien Pferdemimik oft zuverlässiger richtig deuten, als pferdeerfahrene Menschen mit entsprechend gefärbter Brille).

– Wir können feststellen, dass wir die Pferde nicht unterdrücken müssen, damit sie mit uns kooperieren, wir müssen nicht einmal das Leittier/der Leithengst/die Leitstute sein, sondern dürfen einfach wir selbst sein.

– Wir können erforschen, wie sich, wenn diese Erkenntnis erstmal einsickert, ganz wunderbare und schöne Räume für eine Partnerschaft ergeben. Mit einem Tier, von dem wir in Sachen Sozialkompetenz, Achtsamkeit und Wahrnehmung so viel lernen können.

– Und wir können Kompetenzen ausbilden, die uns zu richtig guten Partnern für diese Tiere machen. Die situative Führung, die es unter Pferden natürlich gibt, erfolgt nicht dadurch, dass sich einer durchsetzt, sondern dadurch, dass sich einer einem anderen anschließt – weil es dieser in der jeweiligen Situation “draufhat”, dem anderen im Zweifel Sicherheit vermitteln kann. Wenn wir diese Rolle erfüllen wollen, führt uns zu das beinahe automatisch zu Selbstreflektion und persönlichem Wachstum. Was für eine Chance für die Pferd-Mensch-Beziehungen von morgen!

Auf also, wir brauchen einen Paradigmenwechsel – und dafür jeden einzelnen von uns und euch. Bitte teile diesen Artikel mit anderen Pferdefreunden, lasst uns diskutieren, austauschen, nachfragen, weiterdenken und hineinfühlen. Und vor allem: Auf die Pferde hören, ihnen offen begegnen. Sie werden es uns danken.

Willst du mehr erfahren?

Hast du Interesse, mehr zu diesem Thema zu erfahren? Dann schreib mir doch eine kurze Mail, gern bereite ich mehr Informationen dazu auf. Ansonsten sind hier auch einige gute Quellen:

Ein sehr klar formuliertes Positionsstatement der International Society of Equitation Science (ISES), hinter dem zahlreiche namhafte Ethologen persönlich stehen (Englisch), das ich hier auf Deutsch übersetzt habe.

Mein Artikel “Freundschaft mit Pferden” über ein Seminar mit den beiden Ethologinnen Emily Kieson und Jessie Sams, erschienen in der FEINE HILFEN (Deutsch)

Ein ausführlicher Essay zur Pferd-Mensch-Beziehung von der Verhaltensforscherin Lucy Rees, den ich ins Deutsche übersetzen durfte. (Deutsch)

Ein Interview mit Lucy Rees (Englisch)

Das sehr empfehlenswerte Buch “Horses in Company”* von Lucy Rees (bisher erschienen auf Englisch und Spanisch)

Das Buch “Wahre Freundschaft mit Pferden”* von Tierkommunikatorin Catherin Seib. (Interessanterweise deckt sich nämlich sowohl meine eigene als auch Catherins Erfahrung aus der Kommunikation mit Pferden mit der Erkenntnis der Wissenschaft, dass wir Menschen die Ordnung in Herden falsch verstehen und die Idee von Rang heillos überinterpretieren.)

*Es handelt sich hier um Amazon-Partnerlinks, wenn du darüber kaufst, verdiene ich ein paar Cent mit. Wenn du das Buch aber über denen lokalen Buchhändler beziehen magst, freue ich mich noch mehr.

Freundschaft mit Pferden!?

Freundschaft mit Pferden!?

Würdest du sagen, dass du eine Freundschaft mit deinem Pferd hast? Und, ebenso wichtig, aber schwieriger zu beantworten: Würde dein Pferd das auch sagen? Die Verhaltenswissenschaft ist hier deutlich weiter als die meisten Pferdebesitzer und wir können viel von ihr lernen. Über Missverständnisse und Mythen, fällige Fragen und Chancen rund um die Beziehung zu unserem Pferd.

Stell dir vor, du hast eine gute Freundin namens Tina. Du hast Tina schon eine Weile nicht gesehen und lädst sie zu Kaffee und Kuchen ein. Tina bringt ihr Baby mit und reicht es dir vorsichtig rüber: “Magst du mal halten?” Natürlich möchtest du. Während der Kaffee kocht, setzt ihr euch dicht nebeneinander auf deine Küchenbank, du schaust in Tinas so vertraute Augen und ihr beginnt, euch gegenseitig auf den neuesten Stand zu bringen: Über eure Leben und alle gemeinsamen Themen. Dann stellst du den selbst gebackenen Apfelkuchen auf den Tisch. Tina ist begeistert und fragt direkt nach dem Rezept. Ihr verbringt einen tollen Nachmittag zusammen und geht abends selig auseinander, mit dem guten Gefühl, eure Freundschaft noch weiter gestärkt zu haben. 

Als Pferdemenschen sehen wir ja auch unsere Pferde gern als Freunde. Was tust du, um die Freundschaft mit deinem Pferd zu stärken? Als Menschen, die wir sind, neigen wir natürlich dazu, ähnlich vorzugehen, wie mit Tina oben. Wir gehen auf das Pferd zu und wollen ihm nah sein. Wenn wir extra freundlich sein wollen, füttern wir vielleicht das ein oder andere extra Leckerlie oder wir bereiten ein liebevoll dekoriertes Sonntags-Mash zu. Wir suchen den Blick des Pferdes. Wir streicheln es. Wir sprechen freundlich mit ihm. Wir “geben ihm einen Tag frei”. Wir putzen es besonders gründlich und probieren vielleicht sogar diese neue Massage-Technik aus, von der wir gelesen haben. Kurzum: Wir arbeiten unsere Liste freundschaftlicher Gesten ab, wie wir sie kennen. Alles sehr nett – aus Menschensicht. Das Problem ist nur: Pferde sind keine Menschen. Für Pferde sind diese Gesten mit Glück okay, mit weniger Glück unangenehm und übergriffig. Denn Pferde führen Freundschaften sehr anders als Menschen. 

Dr. Emily Kieson und Jessie Sams vom MiMer Centre in Schweden forschen bereits seit Jahren daran, wie sich das Pferd in unserer Obhut wirklich fühlt. Welche Umgangs- und Trainingsformen wie wirken. Und ob und wie eine Freundschaft zwischen Pferd und Mensch gelingen kann – zumal, wenn auch andere Faktoren, wie das Training und das Reiten eine Rolle spielen. 

“Anders als Hunde halten wir Pferde meist nicht primär für ihre Kameradschaft, sondern als Sportpartner oder sogar ‘Werkzeug’ um etwas Bestimmtes mit ihnen zu tun: ‘Was machst du mit deinem Hund?’ würde kaum jemand fragen, während die Frage ‘Was machst du mit deinem Pferd?’ als normal empfunden wird,” so Kieson. Und es ist nun mal so: Die meisten Pferde werden von uns Menschen “genutzt”. Im Fokus steht das Reiten, das Training, die gemeinsamen Aufgaben. Die Freundschaft, die sich die meisten Reiter durchaus wünschen, darf sich gern als Nebeneffekt einstellen. Ist das nicht auch nur fair, bei all dem Geld und der Zeit, die der Mensch investiert? Sie hat aber oft einen schalen Beigeschmack.

Wäre Tina auch deine Freundin, wenn euer Umgang miteinander vor allem darauf basiert, dass sie dir sagt, was du machen sollst? Neben ein paar für dich vor allem unbedeutenden Gesten (siehe oben)? Wäre Tina weiterhin deine “Freundin”, wenn dein Gehorsam (oder sagen wir: deine Kooperativität) Bedingung für den “freundschaftlichen” Umgang ist? Wenn Tina deine Chefin wäre, ließe sich das noch tolerieren – sofern du mit solchen recht “traditionellen” Führungsmethoden klarkommst. Aber wird Tina dadurch auch zu deiner Freundin…? Würdest du sie von Herzen zu deinem Geburtstag einladen? Und warum nur sollte das bei Pferden anders sein? Es ist an der Zeit, dass wir das Kommunikations- und Bindungsverhalten unserer Pferde besser sehen und interpretieren lernen. Und uns klar darüber werden, welche Rolle wir im Leben unseres Pferdes spielen wollen. 

Welche Rolle wollen wir im Leben unserer Pferde spielen?

Glücklicherweise sickert in Reiterkreisen langsam durch, dass wir doch nicht der “Chef” des Pferdes sein müssen, um erfolgreich mit ihm umzugehen. Weniger bekannt ist, dass Pferden das Hierarchiedenken, das wir ihnen oft unterstellen, vollkommen abgeht. Pferde denken nicht in Rangordnung, es gibt keine ranghöheren oder rangniedrigen Pferde und auch unter ihnen keinen “Chef”, dem alle unterstellt sind. Vielmehr sind “Pferdeherden ein kompliziertes Geflecht aus Individuen und individuell gestalteten Zweier-Beziehungen. In menschlicher Obhut ist ihr Verhalten zudem maßgeblich geprägt durch die raren Ressourcen: Platz und Futter. Es gibt Pferde, die brauchen mehr Platz um sich herum als andere – und manchmal auch mehr, als ihnen insgesamt zur Verfügung steht. Diese Pferde verteidigen ihren Raum ziemlich vehement gegenüber den meisten anderen Pferden. Manche Pferde, sind auch besser darin, sich Futter zu sichern und andere davon fernzuhalten. Sie haben gelernt, dass aggressives Verhalten zu einer Futterbelohnung führt. Das dadurch entstehende Verhalten wird oft als dominant interpretiert.”

“Es geht dabei jedoch nicht um Hierarchien, nicht um das Verhältnis der Pferde zueinander, nicht um Charaktereigenschaften und um Sicherung eines Status, sondern um situatives Verhalten und um die knappe Ressource Futter,” so Dr. Emily Kieson. “‘Anführer’ unter den Pferden, etwa in unbekannte Situationen hinein oder zu neuen Ressourcen, werden situativ zu solchen, weil andere Pferde ihnen folgen. Weil genug andere Pferde sie in der jeweiligen Lage für einen guten Anführer halten – nicht, weil sie sich zuvor als Anführer positioniert haben.” Der Stress, den wir in den Herden beobachten, entsteht also nicht durch dadurch “das Pferde eben so sind” – sondern durch unsere Haltungsformen. 

Ich weiß – dieses Wissen einsickern zu lassen und das Verhalten unserer Pferde fortan unter diesem neuen Filter zu betrachten, fühlt sich ein bisschen an, als würden wir uns willentlich den Kopf brechen. So ging es mir zumindest, nachdem auch ich jahrzehntelang Pferdeverhalten ganz anders gesehen habe. Aber was bietet es für Chancen, die Tiefen und die Bandbreite des Pferdeverhaltens kennenzulernen?

Pferde formen enge Freundschaften untereinander.

(C) Xenia Bluhm

Wie führen Pferde Freundschaften? 

Die individuellen Zweier-Beziehungen in den Herden formen sich durch gemeinsam verbrachte Zeit, gegenseitige Beobachtung und Konsistenz im Verhalten zueinander. Jedes Pferd ist etwas anders in seiner Kommunikation und seinem Verhalten, dadurch gleicht auch kein Pferde-Paar dem anderen. Pferde kommunizieren zumeist über ihren gesamten Körper miteinander und sind Meister der strategischen Positionierung. Befreundete Pferde stehen oft gern eng zusammen und bewegen sich gemeinsam. Das gegenseitige Fellkraulen, das wir so oft als eindeutiges Zeichen für Pferdefreundschaften interpretieren, findet nicht in jeder Freundschaft statt. Außerdem wird es oft nach Stresssituationen beobachtet, so dass angenommen werden darf, dass es sich um ein gezieltes Stressabbauverhalten handelt, das in menschlich geschaffenen Umgebungen auch häufiger vorkommt, als in freier Natur. 

Positive, d.h. bei Pferden auch immer: gegenseitige, Berührung findet unter Pferden ohnehin nur auf Grundlage von Vertrauen und einer gemeinsamen Kommunikation statt. Geht ein Pferd aus dem Kontakt heraus, endet der Kontakt. “Pferde nehmen zu jeder Zeit sehr genau wahr, wie sich die Pferde in ihrer Umgebung verhalten und reagieren entsprechend. Auch dadurch schaffen sie Vertrauen – sie achten aufeinander und gehen aufeinander ein.,” so Jessie Sams. Einseitige Berührungen sind meist negativ besetzt und sehr kurzfristig. Pferde nutzen sie, um die eigenen Grenzen zu setzen, was von Natur aus meist schnell geht und dann grundsätzlich erledigt ist. Gestresste Pferde und bspw. auch früh abgesetzte Pferde zeigen dieses aggressive Verhalten aber deutlich häufiger. Auch wichtig zu bedenken: Befreundete Pferde berühren einander niemals in negativer Weise oder jagen sich (außer im Spiel).

Und auch mit dem Apfelkuchen könnten wir nicht wirklich punkten, wenn Tina ein Pferd wäre – zumindest nicht im Sinne der Freundschaft selbst. “Während befreundete Pferde gerne ihren Raum miteinander teilen, spielt das Teilen von Nahrung unter Pferden keine Rolle für die Bindung zueinander,” so Jessie Sams. Kein Wunder: In der Welt, aus der unsere Pferde kommen, ist ja auch reichlich Nahrung da. Natürlich fressen Pferde gerne, zumal, wenn sie hungrig sind (was sie generell tatsächlich öfter sind, als wir ihnen zugestehen). Aber sie verbinden die Fresserfahrung nicht mit der “gebenden Hand”. “Sobald der Geschmack weg ist, ist es auch die Assoziation mit dem Fütternden,” so schildert Kieson ihre Erkenntnisse. Kein Pferd mag uns also umso, je mehr wir es füttern. Schade, eigentlich. Oder: Gut. Denn das heißt, dass wir kein Futter brauchen, um von unseren Pferden als bessere Freunde wahrgenommen zu werden. Wir können ihnen einfach begegnen, als das was wir sind: Andere Wesen in (zumeist) freundlicher Mission.

Aber wie freundlich ist diese Mission in den Augen des Pferdes? “Die Antwort auf diese Frage muss sehr differenziert betrachtet werden – sie variiert von Mensch-Pferd-Paar zu Mensch-Pferd-Paar und sicher auch im Zeitablauf und in unterschiedlichen Situationen”, so Jessie Sams. Grundsätzlich ist es gut, sich diese Frage überhaupt zu stellen. Um sie zu beantworten, braucht es nicht nur Kenntnisse über Pferdeverhalten und -kommunikation, sondern auch Beobachtungen des jeweiligen Pferdes in unterschiedlichen Situationen. 

Wir sollten üben, unsere Pferde wirklich zu sehen.

Was wir lernen dürfen, ist Pferdeverhalten zu sehen, ohne es zu interpretieren. Denn das was tatsächlich stattfindet, und unsere Interpretation dessen (die auch auf unseren eigenen Lernerfahrungen und Prägungen beruht) sind zwei paar Schuhe.

Daher: Nimm dir einfach mal die Zeit und beobachte dein Pferd, möglichst ohne das Verhalten direkt einordnen zu wollen. Wie verhält sich das Pferd in unterschiedlichen Situationen? Wie sieht es aus, wenn es angespannt ist, wie verändert sich das Verhalten, wenn es wieder entspannt? Wie steht es zu anderen Pferden? Und hier ist es tatsächlich sehr bereichernd, wenn man diese Frage nicht versucht, über eine vermeintliche Rangordnung zu beantworten, sondern das Pferd wirklich einfach in der Interaktion mit anderen Pferden zu beobachten. Vermutlich wirst du feststellen, dass dein Pferd sich manchen Pferden gegenüber sehr anders verhält als anderen. Und dass der Kontext eine wichtige Rolle spielt. Was lässt auf eine Freundschaft schließen, was auf eine Antipathie? Pferdeverhalten ist sehr nuanciert und sieht in jeder Pferdeherde etwas anders aus. 

Wo beginnt die Freundschaft mit Pferden?

(C) Xenia Bluhm

Wenn wir das Verhaltensspektrum der Pferde grundsätzlich kennen und einordnen können und wissen, wie unser eigenes Pferd kommuniziert, lässt sich auch sein Verhalten uns gegenüber leichter lesen. Je besser wir darin werden, die leise Sprache der Bewegung unseres Pferdes zu verstehen, desto tiefer wird der Dialog, in den wir mit unserem Pferd gehen können. Wenn wir davon ausgehen, dass Pferde Bindungen über viel gemeinsam verbrachte Zeit und geteilten Raum, über synchrone Bewegungen und – irgendwann – über gemeinsame Erfahrungen aufbauen: Wie können wir den Alltag mit dem Pferd so gestalten, dass sich die Bindung vertiefen kann? Wie lässt sich vielleicht jenseits des Reitens etwas “Freundschaftszeit” einräumen, in der wir wirklich “Freundschaftspunkte” bei unserem Pferd sammeln können? 

Für uns Reiter erfordert das meist nicht weniger als ein Umdenken in unserem Verhalten und unseren Gedanken über unsere Pferde: Wenn wir die Freundschaft wirklich in den Mittelpunkt rücken wollen, müssen wir üben, unsere Ziele (zumindest für den Moment) loszulassen. Wegkommen von dem Wunsch, das Verhalten des Pferdes in irgendeiner Weise manipulieren zu wollen und ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen. Zu merken und, noch viel schwieriger, zu akzeptieren, wenn das Pferd auch mal “nein” sagt. Tatsächlich unverplante Zeit mit ihm zu verbringen. 

Und wir müssen uns ehrlich fragen, ob das Training, so wie wir es momentan gestalten, die Freundschaft fördert oder im Gegensatz zu ihr steht. “Jedes Training ist Verhaltensmanipulation. Aber nicht jedes Training fühlt sich für das Pferd gleich an,” ordnet Jessie Sams ein. Um hier tiefer zu graben, macht es nicht nur Sinn, sich mit dem Stressverhalten und der Wirkungsweise von unterschiedlichen Stressformen auseinanderzusetzen, sondern auch die eigene Trainingstechnik herunterzubrechen und zu verstehen: Wann arbeite ich z.B. mit negativer und wann mit positiver Verstärkung? Gibt es entspannte Phasen? Situationen, in denen das Pferd (mit-)entscheiden darf? Gibt es Momente der Abwehr, der Flucht oder des Einfrierens? Wie verhält sich mein Pferd im Training? Was mag es wirklich, was weniger? Wie verhalte ich mich wohl in den Augen des Pferdes? Sind unsere Berührungen gegenseitig und positiv oder durchgängig sehr einseitig? Wann fühlt es sich wirklich nach “Softness”, nach einer inneren Harmonie zwischen Pferd und Mensch an? Und in welchen Momenten beende ich die Trainingssituation? 

All diese Fragen können uns unserem Pferd Schritt für Schritt näher bringen. Je bewusster wir uns werden, was wir mit dem Pferd tun, wie wir die gemeinsame Zeit verbringen, was für Erfahrungen es mit uns macht und je besser wir unser Pferd kennen, desto leichter lässt sich unsere Beziehung positiv entwickeln. Nicht von heute auf morgen, aber in einem langsamen, lohnenswerten Prozess. Das alles erfordert unseren Mut. Mut, uns einzugestehen, dass wir uns vielleicht mehr auf die Techniken und Hilfsmittel verlassen, als auf das Vertrauen in unser Pferd und unsere Beziehung zu ihm. Mut zuzulassen, dass nicht von vornherein alles läuft wie im Film. Mut zu erkennen, dass wir uns in der Vergangenheit vermutlich nicht immer freundschaftlich verhalten haben. Aber es bringt uns unserem Ziel näher, eine echte Freundschaft zu unserem Pferd zu haben. Und sind wir dafür nicht ursprünglich alle mal angetreten? 

– Dieser Artikel ist in der FEINE HILFEN, Ausgabe 43, erschienen. Die englischsprachige Version findest du hier. –

Ein gutes Gefühl für dich und deine Welt – die Loving-Kindness-Meditation

Ein gutes Gefühl für dich und deine Welt – die Loving-Kindness-Meditation

Heute möchte ich die Loving-Kindness-Meditation mit dir teilen. Diese Meditationsübung hilft mir sehr, mich auf einfache Art nicht nur mit mir, sondern auch mit meiner Umwelt und auch meinem Pferd zu verbinden und mehr Liebe und Mitgefühl zu kultivieren.

Wenn ich von der Liebe schreibe – wirkt das dann albern oder pathetisch auf dich? Mir ging es mal so. Obwohl ich schon lange viel Liebe in meinem Leben fühle und diese wirklich wertschätze, finde ich es bis heute schwierig, ihrer Größe mit Worten wirklich gerecht zu werden – und alle potenziellen Augenroller und sarkastischen Kommentare gänzlich auszublenden. Ich habe manchmal das Gefühl, unsere nüchterne Gesellschaft hält gerne einen unnatürlichen Abstand zu diesem Thema (wie auch von anderen ganz entscheidenden Lebensthemen, wie dem Tod) und ich arbeite noch daran, mich davon zu emanzipieren. Denn ich glaube, das ist einfach sehr heilsam.

Was ist die Liebe? Ich glaube, dass die Liebe eine (die?) Kraft ist, die uns alle verbindet und vereint. Dass wir sie in uns selbst fühlen müssen, um sie dann nach außen geben zu können. Und, dass wir sie kultivieren können, dass wir uns willentlich in dieses Gefühl hineingeben und damit potenzieren können. Täte uns „mehr Liebe“ für uns als Individuen und füreinander als Gesellschaft gerade im Moment nicht besonders gut? 

Hinweis: Die ersten 8 Minuten sind Erklärung, danach beginnt die Meditation. Wenn du das Video schon kennst, kannst du auch gern direkt “vorspulen”. 🙂

Loving Kindness – ein top-aktueller Klassiker unter den Meditationen

Die Loving-Kindness- oder Metta-Meditation (auf Deutsch lässt sich das etwas weniger smooth mit „liebevolle Güte“ übersetzen), ist mir schon recht früh in meiner Yoga- und Meditationszeit begegnet. Sie ist sogar ein sehr klassischer Teil der Achtsamkeitspraxis sowohl im Buddhismus als auch im Zen und gilt aus metaphysischer „Herzöffner“. Als solche fand ich sie auch immer ganz schön, bin aber irgendwie nicht hängen geblieben. Vor einer Weile habe ich jedoch ein Video von Meditationslehrerin und Coach Jesse Johnson dazu gesehen, durch das ich diese Meditation erst so richtig verstanden habe, glaube ich. Seither nutze ich sie regelmäßig und gerne – daher möchte ich sie heute mit dir zu teilen. 

In der Loving-Kindness-Meditation geht es darum, bewusst positive Impulse in die Welt zu schicken. Dabei wiederholen wir einen oder mehrere Sätze, die positive Wünsche ausdrücken. Im Laufe einer solchen Meditation richten wir dann unseren Fokus nacheinander auf andere Menschen, Tiere, Gruppen und uns selbst. „Möge X glücklich sein. Möge X frei sein. Möge X gesund sein. Möge X in Sicherheit sein.“ – oder so ähnlich. Genauso gut passen natürlich Attribute wie „geliebt sein“, „entspannt sein“, „sich reich fühlen“ etc… Wir können unsere eigenen Worte wählen und auch die Anzahl der Sätze variieren. Wichtig ist nur, dass jeder Satz ein positives Gefühl in uns auslöst. 

Auch für Anfänger geeignet

Dadurch, dass wir mit konkreten Sätzen arbeiten, ähnelt die Loving-Kindness-Meditation einer klassischen Mantra-Meditation. Sie ist aber für eine solche eben sehr frei gestaltbar. Der Vorteil: Die Worte dienen unseren Gedanken als Anker. Vielen Menschen fällt die Konzentration auf einen Satz erfahrungsgemäß sogar leichter als die Konzentration auf den Atem. Diese Meditation ist also auch für Meditationsanfänger sehr gut geeignet.

Die Loving-Kindness-Meditation ist für mich zudem aus vielerlei Gründen sinnvoll und reichhaltig. So hilft sie uns, nicht nur uns selbst gutzutun, sondern auch anderen:

  • Sie regt uns dazu an, neugierig zu werden, wie es anderen Menschen und Tieren geht. Ich glaube ganz fest, dass ein Blick über den eigenen Tellerrand in jedem Zusammenhang sinnvoll ist. Und dass eine solche Meditation für mehr Mitgefühl und ein harmonischeres Miteinander sorgen kann – unter Menschen und zwischen Mensch und Pferd. 
  • Wir üben mit ihrer Hilfe, uns selbst positive Gedanken zu schicken – und damit dem oft sehr präsenten Kritiker einen wertvollen Gegenimpuls zu liefern.
  • Außerdem bringt sie „ganz nebenbei“ eine Note von Dankbarkeit mit sich. Während wir uns selbst und anderen gute Wünsche aussprechen, ist es schwer zu übersehen, wen und was wir alles in unserem Leben haben. Wie viel Gutes bereits darin steckt. Und Dankbarkeit ist dieses Zaubergefühl, dass alle negativen Gefühle in den Hintergrund drängt und das sich ebenfalls potenziert, wenn wir uns mit ihr beschäftigen. Je mehr wir dankbar sind, desto mehr bekommen wir, für das wir dankbar sein können. 

Und diese Meditation ist dazu so simpel! Man kann die Loving-Kindness-Meditation beliebig lang üben, mit offenen oder geschlossenen Augen. Man kann sie im Sitzen, Liegen, im Gehen, ja, sogar beim Autofahren üben. Du wirst feststellen, dass sie zuverlässig ein gutes Gefühl herstellt, dass sie ruhiger, erfüllter und zufriedener macht, und vor allem: dass sich der Kontakt mit anderen danach ebenfalls positiv verändert. 

Eine extrem alltagstaugliche Meditation

Außerdem lassen sich sämtliche Gedanken und äußere Einflüsse, die während der Meditation auftreten, einfach in diese mit einbauen. Wenn dabei plötzlich etwas anderes in das Scheinwerferlicht deiner Aufmerksamkeit gerät – kein Problem, richte die Meditation einfach in diese Richtung neu aus. Du schickst gerade gute Wünsche an dein Pferd, aber dir fällt aus irgendwelchen Gründen dein Nachbar ein? Kein Problem, dann schick einfach ihm gute Wünsche. Wenn dein Partner oder Kind die Meditation „stört“, setze sie einfach mit liebevollen Gedanken an diese Menschen fort. Alles lässt sich integrieren.

Denn auf wen oder was du deinen Fokus konkret richtest, ist eigentlich nicht so wichtig. Entscheidend ist, dass du dich in ein positives, liebevolles Gefühl bringst und dieses nicht nur sendest, sondern dich selbst auch damit auflädst. Damit tust du dir selbst und auch deinem Umfeld, auf das du währenddessen und danach wirkst, Gutes. Und verdienen tun deine guten Wünsche ohnehin alle gleichermaßen.

Nur dich selbst solltest du nicht vergessen und an irgendeiner Stelle in deine Loving-Kindness-Meditation einschließen. Es ist einfach enorm wichtig, dass wir mit uns selbst im Reinen sind, dass wir uns selbst annehmen üben, um nicht nur leichter durchs Leben zu kommen, sondern diese „liebevolle Güte“ dann auch deutlich besser nach außen verteilen zu können. Nutze also unbedingt diese Übung, dir selbst etwas zu gönnen. Wenn es dir leichter fällt, kannst du dir auch vorstellen, dass diese Wünsche gar nicht von „dir“, sondern von einer „höheren Kraft“ kommen – Gott, das Universum, der Allgeist, die Liebe selbst, das Große Ganze, der Obermufti… Wie auch immer du sie für dich nennen magst. Denn tatsächlich ist es genau diese Energie, mit der wir uns hier verbinden wollen und die hier mit, für und durch uns wirkt.

Probiere die Loving-Kindness-Meditation mit dem Video in diesem Beitrag direkt einmal aus. Wenn du das Prinzip erstmal kennst, kannst du sie, wie gesagt, für fast jede Länge und Lebenslage adaptieren und damit immer wieder eine positive Verbindung herstellen – zu dir, zu deinen Lieben, zu anderen Menschen, zur Umwelt und natürlich zu deinem Pferd. 

Foto: Xenia Bluhm

“A Horse is a Horse, of Course!?” – Das Symposium für Pferdemenschen

“A Horse is a Horse, of Course!?” – Das Symposium für Pferdemenschen

Was ist das Pferd für uns? Und wie können wir unseren Umgang mit ihm – professionell und persönlich – harmonischer für beide Seiten gestalten? Um diese Frage dreht sich das “A Horse is a Horse, of Course!?” Symposium, das Ilka Parent seit Jahren auf die Beine stellt. Aus eigenem Interesse und Bestreben, aber auch, um die Pferdewelt Stück für Stück zu einer positiveren zu machen. Diese Vision teilen wir und dadurch hat es nicht viel Überredungskunst gebraucht, als Ilka mich vor etwa einem Jahr fragte, ob ich ihr helfen könne, das diesjährige Symposium erstmalig online auf die Beine zu stellen. Und nun stecke ich schon seit ein paar Monaten in den Vorbereitungen und bin tatsächlich begeistert über die inspirierenden Inhalte, die es der Pferdewelt bietet.

Unten seht ihr ein Gespräch zwischen mir und Ilka, in dem sie noch einmal erklärt, was das Symposium ist, was es will und was du als Zuschauer davon mitnehmen kannst. Wenn du daraufhin Lust bekommen hast: Zum Symposium anmelden kannst du dich hier und noch bis zum 4.12 gilt der Frühbucherpreis!

Und hier noch ein kleiner Appetitmacher: Ein kleiner Auszug aus dem Interview mit Cathy O’Donnell im Rahmen des Symposiums – hier auf Englisch, im “richtigen” Symposium gibt es dann alles auch mit deutschen Untertiteln:

Wie du dich mit Yoga insgesamt zu einem besseren Reiter machst

Wie du dich mit Yoga insgesamt zu einem besseren Reiter machst

Yoga tut Reitern gut. Dieses Gerücht verbreitet sich langsam. Aber warum ist das so und wie verhilft Yoga gezielt zu einem korrekten, ausbalancierten Sitz im Sattel, macht uns vielleicht sogar insgesamt zu „besseren Menschen“ für unsere Pferde? Für FEINE HILFEN beleuchte ich das Thema in jeder Ausgabe genauer und zeige konkrete Yoga-Übungen für Reiter – mit bestimmten Zielsetzungen und gegen bestimmte Sitzprobleme. Hier der erste Teil der Serie „Besser reiten mit Yoga“, erschienen in Ausgabe 37, in dem ich allgemein aus meinem Yoga-Kurs für Reiter erzählt habe.

Aus der Praxis: So tut Yoga ReiterInnen gut

Britta reitet solange sie denken kann. Sie betreibt eine Reitschule, unterrichtet auch selbst und reitet viele ihrer Schulpferde regelmäßig Korrektur. Sie ist eine sehr gute Reiterin – das würde wahrscheinlich weniger sie selbst, als vielmehr ihr Umfeld von ihr sagen. Als sie sich im letzten Jahr jedoch nach Längerem mal wieder auf einem Video reiten sah, war sie schockiert: „Mein Rücken ist ja ganz rund! Das sieht ja furchtbar aus!“. Mit Yoga hat Britta ebenfalls im letzten Jahr begonnen. Aber eigentlich aus anderen Gründen: Um „runterzukommen“ – und weil ihr Rücken sich immer wieder meldete.

Vor Kurzem sah sie sich erneut ein Reit-Video von sich an und war erleichtert: Der runde Rücken war verschwunden, sie saß aufrecht, stabil und locker schwingend auf dem Pferd, so wie sie es sich für ihre Schüler wünscht. Ihr Gefühl hatte sich jedoch vorher schon verändert: „Ich kann mich viel besser aufrichten, bin wesentlich freier im Brustkorb und fühle mich auch bei einem schwungvollen Trab oft wie angeklebt an den Sattel und mein Pferd.“ Außerdem fühlt sie sich insgesamt freier, gelassener, glücklicher – und hatte, laut eigener Aussage „seit der ersten Yoga-Stunde kein einziges Mal mehr Rückenschmerzen“. Was war da passiert…?

Dorothee war früher mit ihrer Stute höhere Dressurlektionen geritten, doch seit einiger Zeit und einer Operation am Knie hatte sie schon Probleme, sie auch nur auf dem Hufschlag zu reiten. Nichts ging mehr so, wie sie es kannte. „Ich habe das Gefühl, sie zieht linksrum immer rein, und je mehr ich dagegen arbeite, desto schlimmer wird es. Es ist so frustrierend.“ Sie hatte zwar das Gefühl, dass sie schief sitzt, wusste sich aber nicht zu helfen. Mit jedem Ritt wuchs die Frustration und das lähmende Gefühl, nicht Herr über den eigenen Körper zu sein. Irgendwann empfahl ihr eine Stallkollegin einen Yoga-Kurs speziell für Reiter. Die Übungen halfen Dorothee zu erkennen, welche Bewegungen ihr konkret schwerfallen, welche „Hand“ ihre eigene schwächere Hand ist, und sie lernte, einzelne Muskeln gezielter anzusteuern.

Wenn Dorothee sich konzentriert, kann sie ihre Stute inzwischen wieder gerade reiten. Neben dem neuen Körperbewusstsein ist sie ruhiger geworden, hat einen klareren Blick gewonnen und dabei erkannt, dass ihr Körper zusätzliche Hilfe braucht, um in ein Gleichgewicht zu kommen. Der Besuch beim Chiropraktiker bringt die Diagnose eines sehr deutlichen Beckenschiefstands, den sie nun mit ihm und durch die Unterstützung der Yoga-Übungen langsam ausgleicht. Mit ihrem Pferd hat sie jetzt von Woche zu Woche wieder mehr Spaß. Die alte Leichtigkeit kehrt zurück und mit ihr die Erleichterung, dass der Körper sich zwar komische Dinge an-, aber auch wieder abgewöhnen kann. Außerdem die spannende Erkenntnis, dass sie sich zu großen Teilen selbst helfen konnte.

Katharina ist ein engagierter, ehrgeiziger Typ und möchte nur das Beste für ihr Pferd. Ihren Wallach hat sie selbst ausgebildet und beide sind ein eingespieltes Team. Aber wie jedes Pferd-Reiter-Paar stoßen auch diese beiden immer wieder an Grenzen. Katharina fühlte sich oft gestresst und hatte einige körperliche Blockaden, die ihr immer wieder im Weg waren. So konnte sie zum Beispiel nie richtig tief in den Brustkorb atmen, immer saß da etwas und blockierte sie. Auch waren die Volten, die sie ritt, auf einer Hand runder als auf der anderen. Den Galopp hatte sie erstmal komplett ausgeklammert, weil ihr Wallach seine Balance nicht recht fand. Und sie konnte ihn schon seit einiger Zeit nicht mehr direkt am Kopf anfassen, aber das hatte sie als Eigenheit des Wallachs akzeptiert. Als sie eines Tages von einem Yoga-Angebot für Reiter hörte, beschloss sie, das mal wieder auszuprobieren. Sie hatte schon vor ein paar Jahren einen Yoga-Kurs besucht, aber für sich beschlossen, dass sie „einfach zu unflexibel“ und „daher nicht Yoga-geeignet“ ist.

Der ursprünglich sechswöchige Kurs wurde immer wieder verlängert und für Katharina zu einem Dauer-Termin. Sie bemerkte, wie sie weniger vom Stress beherrscht wurde, und dass sie Lust bekam, stärker mit ihrem Körper zu arbeiten. Bald fand sie auch zwischen den Terminen immer mehr Gelegenheiten, Yoga-Übungen in ihren Alltag einzubauen. Der Erfolg motiviert sie: Ihre Atmung ist viel tiefer geworden und ihr gesamter Körper damit entspannter, ruhiger. Ihre Volten sind auf beiden Seiten gleichmäßig, weil Katharina gelernt hat, ihr rechtes Bein genauso flexibel einzusetzen wie ihr linkes. Und auch im Galopp machen die beiden große Fortschritte. Nicht, weil Katharina sich diesem Ziel ehrgeizig widmet, sondern weil beide Spaß dran haben. Und: Nach einer Yoga-Stunde, die die „Achtsamkeit in der Berührung“ zum Thema hatte, darf sie ihren Wallach nun auch wieder am Kopf berühren. Sie sagt, dass Yoga die Beziehung zwischen ihr und ihrem Pferd auf ganzer Ebene verändert hat.

Die oben beschriebenen Reiterinnen gibt es wirklich, sie heißen im wahren Leben nur anders. Sie haben gemeinsam, dass keine von ihnen ihr Pferd für die Probleme verantwortlich gemacht hat. Ein sehr großes Glück für die Pferde! Und dass sie alle mithilfe von Yoga gelernt haben, die Situation für sich und ihr Pferd positiv zu beeinflussen.

Was ist Yoga und wieso wirkt es so umfangreich?

Es ist so schwer, als Reiter zuverlässig entspannt, präsent und körperlich losgelassen, beweglich und zugleich stark in den Stall zu kommen. Mensch-Sein ist eine vielseitige und anspruchsvolle Aufgabe und dann auf Knopfdruck bei unseren Pferden (nämlich: im Moment) und für sie der bestmögliche Reiter zu sein, gar nicht so einfach.

Auf körperlicher Ebene liegt die Ursache so gut wie aller typischen Sitzfehler in steifen Hüften und einer zu geringen Rumpfspannung. Die wichtigste Fähigkeit eines Reiters besteht nach Meinung vieler Trainer darin, sich gezielt an- und abschalten, anspannen und loslassen zu können, einzelne Muskeln – aber auch den Kopf.

Im Yoga üben wir genau das. Yoga ist ein über 2.000 Jahre altes, ganzheitliches Lebenskonzept. Die körperlichen Übungen, sind dabei nur die Spitze des Eisbergs. Vielmehr möchte Yoga Körper, Geist und Seele verbinden und wirkt deshalb so ganzheitlich.

Im Yoga machen wir uns unsere Muster bewusst und kreieren neue, dienlichere. Kopf und Körper können sich so gut wie alles an-, aber auch abgewöhnen. In kontrollierter Umgebung merken wir, dass wir selbst unsere innere und äußere Haltung in der Hand haben. Nach und nach lernen wir so, unsere Gedanken und unseren Körper bewusster und effektiver einzusetzen – im Alltag und auch rund um unsere Pferde.

Wir bewegen und kräftigen einzelne Körperteile, lernen sie gezielt anzusteuern und das Denken abzuschalten. Schnell entsteht dadurch ein Gefühl für unseren Körper – und seine Grenzen. Schon nach wenigen Yoga-Übungen fühlen wir uns ruhiger und zentrierter. Und längerfristig werden wir beweglicher und kräftiger, fördern gesunde Bewegungsmuster und können die Erfahrungen aus dem Yoga-Unterricht auch im Alltag und in der Verbindung mit unseren Pferden anwenden.

Genau das ist die „magische“ Erfahrung, die Britta, Dorothee und Katharina gemacht haben und weiterhin machen. Sie hilft ihnen, nach und nach zu einem immer besseren Menschen für ihre Pferde zu werden. Egal, was gestern war.

Welche Yoga-Übungen helfen Reitern am Besten?

Beinahe jede Yoga-Übung, die wir gezielt und genau ausführen, kann die Hüftbeweglichkeit, die Rumpfstabilität und die Ruhe im Kopf fördern, also: den Reitersitz weiterentwickeln. Die Übungen haben aber natürlich unterschiedliche Schwerpunkte.

Ich empfehle, die folgenden Haltungen als kleine Serie durchzuführen. Alles hilft und hat einen ganzheitlich positiven Effekt auf Körper und Kopf. Aber natürlich lassen sich auch einzelne Übungen gezielt zur Förderung unterschiedlicher Ziele nutzen.

Wir picken uns folgende Zielsetzungen heraus:

A: Insgesamt mehr Ruhe finden

B: In den Wendungen gerade sitzen (kein Einknicken in der Taille, keine übertriebene Rotation)

C: Aufrecht und federnd sitzen (kein Rundrücken, aber auch kein übertriebenes Vorkippen des Beckens, sicheres Aussitzen im Trab)

D: Ruhige, lange Beine und gezielte Schenkeleinwirkung haben

Wichtig: Führen Sie jede Übung langsam und bewusst, im Atemrhythmus, aus. Wenn eine Übung Schmerzen verursacht, lassen Sie sie weg! Yoga kann anstrengend sein, sollte aber nie wehtun. Im Zweifel fragen Sie lieber Ihren Arzt, bevor Sie die Übung ausprobieren. Und: Wenn Sie eine Pause brauchen, nehmen Sie sie sich. Immer.

1. Atemübung im Sitzen

Ziel: Vertiefung der Atmung, Aufrichtung der Wirbelsäule und des Beckens (A, C, D)

Entspannt sitzen. Becken neutral, das heißt, der untere Rücken wölbt sich etwas nach innen. Ein Buch, eine gefaltete Decke o.ä. unter dem Po kann helfen. Auf einem Stuhl bis vorne zur Stuhlkante rutschen, so dass der Rücken sich aufrichtet.

Schultern entspannen, ankommen. Stellen Sie sich dann in Ihrem Oberkörper drei Luftballons vor: Einen im unteren Bauch, einen im oberen Bauch und einen im Brustraum. Geben Sie ihnen eine Farbe und eine Größe. Einatmend erst den unteren Ballon, dann den mittleren, dann den oberen Ballon mit Luft füllen. Ausatmend erst den unteren, dann den mittleren und zuletzt den oberen wieder leeren. Auf diese Weise einige Minuten atmen und beobachten, wie sich der Oberkörper in alle Richtungen weitet. Bild wieder loslassen und nachspüren.

2. Katze-Kuh-Wechsel

Ziel: Mobilisierung der Wirbelsäule, Verbindung von Atem und Bewegung fördern (A)

Vierfüßlerstand. Einatmend in ein geführtes Hohlkreuz. Dafür das Becken nach vorne kippen, der Kopf folgt dem Rücken. Ausatmend das Becken nach hinten (oben) kippen, den Bauchnabel nach oben Richtung Wirbelsäule ziehen und den gesamten Rücken runden, Katzenbuckel. Jede Bewegung mit der bewussten Bewegung des Beckens beginnen. Einige Male im natürlichen Atemrhythmus wiederholen.

2a. Variante für mehr Kraft und Länge (B, C, D)

Ziel: Förderung von Länge im Körper, Kraft in der Körpermitte, Beweglichkeit der Wirbelsäule

Vierfüßlerstand. Linke Hand heben, Arm nach vorne strecken. Rechtes Bein heben, Bein strecken, Zehen heranziehen. Einatmend länger werden, ausatmend Knie und Ellbogen unter dem Körper zusammenziehen und den Rücken runden. Wiederholen. Dabei mit jeder Einatmung etwas länger werden, und mit jeder Ausatmung den Bauchnabel sanft und kraftvoll nach oben Richtung Wirbelsäule ziehen. Die Beckenbewegung wahrnehmen. Seitenwechsel.

2b. Variante für „softere“ Hände

Ziel: Dehnung und Belebung der Handgelenke, Förderung der Kommunikation über die Zügel, Öffnung der Schultern (A, C)

Vierfüßlerstand. Rechte Hand nach außen und weiter nach hinten drehen, so dass Ihr Handgelenk gerade nach vorne zeigt. Mit dem Oberkörper kleine, dann größer werdende Kreise um Ihr Handgelenk beschreiben. Seite wechseln. Dann Übung mit beiden Handgelenken wiederholen. Am Ende beide Handgelenke gedreht halten und Gesäß Richtung Fersen bewegen, so weit es Ihnen möglich ist. Hierbleiben und atmen.

2c. Variante für die Hüften

Ziel: Mehr Beweglichkeit in den Hüftgelenken, Dehnung der seitlichen Bauchmuskeln (B, C, D)

Vierfüßlerstand. Einatmend rechtes Knie zur Seite nach oben führen, wie ein pinkelnder Hund. Ausatmend bis kurz über den Boden absenken. Einatmend wieder heben. Mind. 7-10 Wiederholungen, dann Seitenwechsel.

3. Der Halbmond

Ziel: Dehnung und Kräftigung der Hüftbeuger und vorderen Oberschenkelmuskulatur, der Bauchmuskulatur und des Rückens, Öffnung der Schultern (B, C, D)

Tiefer Ausfallschritt, rechter Fuß vorne. Linkes Knie absetzen, Fingerspitzen auf den Boden, Oberkörper lang. Hände lösen, Arme nach oben strecken, kleine Finger zueinander drehen. Einatmend gedanklich den inneren Fuß und das hintere Knie zusammenziehen, im Becken etwas höher kommen. Ausatmend tiefer ins vordere Knie und Oberkörper etwas nach hinten sinken lassen. Im Atemrhythmus ein paar Mal zwischen beiden Haltungen wechseln, dann unten bleiben. Das Becken zeigt nach vorne, die Innenseite des linken Oberschenkels zieht nach oben. Finden Sie den Punkt zwischen zuviel und nicht genug Dehnung. Aus der Haltung herauskommen, einmal durch die Katze-Kuh-Bewegung (siehe oben) gehen und die Seite wechseln.

4. Stuhl-Stellung

Ziel: Kräftigung der gesamten Körpermitte, aller Beinmuskeln und -gelenke, Öffnung der Schultergelenke, „Power Pose“ (A, B, C, D)

Aufrecht stehen, Füße hüftgelenksweit. Arme nach vorne strecken. Die Handflächen zeigen zueinander, die Schultern bleiben unten. Knie beugen und Becken nach hinten bewegen, als ob Sie sich auf einen Stuhl setzen. Ruhig und gleichmäßig atmen, möglichst entspannt bleiben. Körpermitte stark, ausatmend den Bauchnabel Richtung Wirbelsäule ziehen. Fersen sind am Boden, der Rücken ist gerade. Für eine Extra-Portion Kraft Fäuste mit den Händen machen. Wenn möglich, die Arme über den Kopf führen. Nach einigen Atemzügen mit geradem Rücken wieder aufrichten. 

5. Weit gegrätschte Vorbeuge

Ziel: Dehnung der Beinrück-/-innen-/-außenseiten, Aufrichtung des Oberkörpers, Beruhigung des Nervensystems (A, C, D)

Weit gegrätschter Stand. Hände in den Hüften, Ellbogen ziehen leicht zurück. Rücken gerade. Beine leicht anbeugen, ausatmend nach vorne beugen. Kopf und Nacken loslassen, Hände zum Boden. Über die Beugung der Knie eine angenehme Dehnung in den Oberschenkeln finden.

5a. Variation mit Rückenkräftigung

Ziel: Stabilisierung der Körpermitte (B, C)

Weit gegrätschte Vorbeuge. Hände aufsetzen, Rücken gerade. Dann Hände in die Hüften, Füße drücken und einatmend den Oberkörper höher heben.  Ausatmend etwas absenken. Einige Wiederholungen, dann zurück in die Vorbeuge.

5b.  Variation mit Drehung

Ziel: Stabilisierung des Beckens, Dehnung der Körperseiten, Öffnung der Schulter (B, C, D)

Weit gegrätschte Vorbeuge. Linke Hand unters Gesicht, Rücken gerade. Rechten Arm nach oben strecken. Becken gerade halten und Gewicht auf beide Beine verteilen. Seitenwechsel nach einigen Atemzügen.

6. Variation der seitlichen Bretthaltung

Ziel: Dehnung und Stärkung der seitlichen Bauchmuskuln, Stärkung der Schulter (B, C)

Seitliche Liegeposition. Einen Ellbogen unter die Schulter, Unterarm in den Boden drücken. Knie beugen. Einatmend hochdrücken, oberen Arm nach vorne und weiter über den Kopf. Ausatmend Arm zurück zum Becken, Becken etwas senken. Einatmend Arm wieder nach vorne und oben führen, das Becken heben, ausatmend zurück usw.. Die untere Schulter bleibt aktiv und „kollabiert“ nicht. 7-10 Wiederholungen, dann Seitenwechsel.

Für mehr Herausforderung: Beine strecken, Knie von der Matte heben, Außenkante der Füße aufstellen und Übung wiederholen.

7. Heuschrecke mit Arm-Variation

Ziel: Kräftigung von Rücken und Schultern, Dehnung von Schultern, Hüftbeugern und vorderen Oberschenkeln (C, D)

Bauchlage. Arme in „Kaktushaltung“: Schultern und Ellbogen auf einer Linie, Ellbogen gebeugt, Unterarme zeigen nach vorne. Einatmend Kopf, Brustbein und Arme heben, Daumen nach oben drehen. Ausatmend halten, Arme nach vorne strecken. Einatmend wieder zurück, Schulterblätter zueinander ziehen. Ausatmend strecken. Einige Male wiederholen. Dann den Oberkörper ablegen, die Hände unter die Stirn legen, Gesäß ausschütteln. Zwei weitere Durchgänge. Wenn der untere Rücken okay ist, zusätzlich die Beine heben. Nach jedem Durchgang kurz verweilen

8. Piriformis-Stretch

Ziel: Mehr Beweglichkeit im Becken, Lösen fester Strukturen, auch psychisch (A, C, D)

Rückenlage. Füße stehen kurz hinter dem Po. Wirbelsäule liegt natürlich, der untere Rücken hebt sich leicht vom Boden (Becken ggf. sanft nach vorn kippen). Rechtes Fußgelenk über den linken Oberschenkel, Zehen ranziehen. Hier sollte eine Dehnung rund um die rechte Beckenseite spürbar sein. Eventuell rechten Oberschenkel mit der Hand sanft wegschieben. Halten und atmen (mind. 30 Sekunden). Die Ausatmung betonen und länger werden lassen. Seitenwechsel. Am Ende beide Knie ranziehen und sanft auf dem Rücken hin- und herpendeln.

9. Wechselatmung

Ziel: Vertiefung der Atmung (unmittelbare Beruhigung des Nervensystems, Abbau von Stress), Ausgleich der linken und rechten Gehirn- und Körperhälfte (A, B, C, D)

Aufrechter, bequemer Sitz (s.o.). Rechte Hand heben, Zeige- und Mittelfinger „einklappen“, Hand zur Nase. Daumen aufs rechte Nasenloch, Ringfinger auf das linke. Ausatmen, mit dem Ringfinger links verschließen und rechts einatmen. Mit beiden Fingern schließen, den Atem kurz anhalten, dann links öffnen und ausatmen, rechts verschlossen halten.

Links einatmen, schließen. Atem anhalten. Rechts ausatmen. Rechts einatmen, schließen, halten. Links ausatmen usw. Im Atemrhythmus einige Minuten wiederholen. Mit einer Ausatmung durch das rechte Nasenloch beenden. Nachspüren.

Elsa Sinclair – Interview zum “Freedom Based Training”

Elsa Sinclair – Interview zum “Freedom Based Training”

Elsa Sinclair ist in meiner kleinen Pferdewelt in aller Munde. Das erste, was ich von ihr hörte war, dass sie einen Film darüber gedreht hat, wie sie ein Jahr lang mit einem Mustang arbeitet. Ich glaubte das Genre “Mustangfilm” inzwischen schon etwas abgegrast, ihr Film “Taming Wild” ist aber tatsächlich sehr sehenswert. Warum? Weil sie in ihrem “Freedom Based Training” wirklich komplett ohne Hilfsmittel arbeitet und nur mit ihrer Körpersprache mit dem Pferde kommuniziert. Weil es um die Frage geht, ob Pferde wirklich von uns geritten werden wollen, wenn wir ihnen die Wahl geben. Und weil das “Wilde”, das in dem Film “gezähmt” wird, nicht das Pferd ist – sondern der Mensch, mit seinen Ansprüchen an sich und das Tier.

Diese Tatsache und die übereinstimmenden Berichte von Freunden und Bekannten, dass Elsa bei ihren Kursen in Deutschland im Frühjahr “wichtige, bisher übersehene Puzzlestücke des Horsemanships” gezeigt hat, haben mich neugierig gemacht. Also habe ich mich selbst etwas mit ihr beschäftigt, Elsas Blog “Equine Clarity” studiert, mir Podcasts angehört und Videos gesehen. Und ich war begeistert.

Daher bin ich sehr dankbar, dass sie mir letzte Woche ein Interview gegeben hat und ich so nun auch Euch ihre Ideen und Arbeit näher bringen kann. Ich habe es Euch auf Deutsch übersetzt, die englische Original-Fassung findet Ihr unten. Viel Spaß!

Interview mit Elsa Sinclair zu Ihrem Freedom-Based-Training

Elsa Sinclair

(c) Elsa Sinclair

Elsa, welche Eigenschaften braucht ein Pferde-Mensch aus Deiner Sicht? Welche „Muskeln“ müssen Menschen trainieren, um ihrem Pferd ein besserer Partner zu sein?

Ich denke, um unseren Pferden ein besserer Partner zu sein, sollten wir lernen, Ursache und Wirkung wahrzunehmen. Wir sollten lernen, kleinste Fortschritte zu sehen und wertzuschätzen, denn eine freiwillige Entwicklung braucht von beiden Partnern Geduld. Der Wille des Pferdes, sich an Deiner Seite zu entwickeln und zu wachsen, steht und fällt mit den angenehmen Momenten, die ihr gemeinsam erlebt.

Inwiefern beeinflussen die Entscheidungen, die wir für unseren eigenen Körper treffen, unseren “Horsemanship”, unser Zusammensein mit den Pferden? Was verändert sich?

Alle Entscheidungen, die wir für unseren eigenen Körper treffen, haben Einfluss auf die Beziehung zu unseren Pferden. Jede unserer Bewegungen hat eine Bedeutung für das Pferd, und weil Pferde die Körpersprache so viel besser beherrschen als wir, wissen wir oft selbst nicht, was wir ihm eigentlich kommunizieren. Um ein feineres Gefühl für unsere eigenen Bewegungen und Signale rund um Pferde zu entwickeln, sollten wir lernen, ihre Reaktionen zu lesen. Sich zu fragen: Als ich Bewegung XY gemacht habe, wirkte mein Pferd daraufhin nachdenklich, hat es gespielt oder sich entspannt? Oder war ihm eher nach Flucht, Kampf oder “Einfrieren”? Jede Bewegung, die wir machen, führt dazu, dass sich das Pferd besser oder schlechter fühlt. Wir müssen lernen, zu beobachten und auf Basis dieser Beobachtungen gute Entscheidungen zu treffen.

Was machst Du, um Dich auf den Kontakt mit dem Pferd vorzubereiten? Hast Du einen bestimmten Ablauf?

Ich beginne immer damit, mich dem Pferd zu nähern und meine „Harmonie-Momente“, d.h. Momente, in denen ich versuche, genau wie das Pferd zu agieren, auf die Momente abzustimmen, in denen das Pferd nachzudenken scheint oder sich sichtbar entspannt. Wenn ich das Pferd beobachte und meine Bewegungen auf seine Gefühlslage an diesem Tag abstimme, kann ich besser entscheiden, was ich selber tue und worum ich das Pferd bitten möchte. Ich werde in diesem Jahr noch einige kostenlose Webinare zu diesem Prozess anbieten: Darum, ein schärferes Bewusstsein im Umgang mit den Pferden zu entwickeln und ihnen ein besserer Partner zu werden. Das erste Webinar wird am 16. September stattfinden und öffentlich zugänglich sein.

Super. Was würdest Du einem wohl-meinendem Pferdebesitzer empfehlen, wie er den richtigen Weg für sich und sein Pferd findet, im Dschungel der unterschiedlichen Pferdetrainer, Ideen und Methoden?

Ich würde Pferdebesitzern empfehlen, ihre Pferde so oft und genau wie möglich zu beobachten und in der Auswahl ihrer Trainer ihrem Bauchgefühl zu vertrauen. Es kann sein, dass auch ein guter Trainer das Pferd kurzfristig stresst. Alles, was schnell gelernt werden soll, kann für den Lernenden erstmal unbequem sein. Doch frag Dich am Ende des Tages Folgendes: Wenn Du dem Trainer bei der Arbeit zuschaust, siehst Du dann mehr Nachdenken, Nachgeben oder Spielverhalten in den Pferden oder eher Flucht, Kampf oder „Zumachen“? Die Pferde werden Dir sagen, wie sie sich fühlen. Wenn Du hinsiehst und wenn Du zuhörst.

Was ist das wichtigste, das Du während der Dreharbeiten zu „Taming Wild“ gelernt hast?

Ich denke, das wichtigste, was ich während der Dreharbeiten zu „Taming Wild“ gelernt habe ist, dass wir mehr gemeinsam mit Pferden erreichen können, als wir momentan für möglich halten. Um ein Gefühl für die Möglichkeiten zu bekommen, beobachten wir scharf und teilen den Fortschritt in kleinste Entwicklungsschritte auf. Wenn wir wirklich einen Schritt nach dem anderen tun und uns die Zeit nehmen, die es braucht, wird fast alles möglich.

Du hast Dich entschieden, weiterhin ausschließlich freiheitsbasiert, d.h. ohne Hilfsmittel, zu arbeiten, obwohl Du weißt, dass die Leute mit denen Du arbeiten wirst, nicht einmal annähernd soweit gehen werden. Inwiefern können Deine Erkenntnisse Pferden und Menschen auch unter „gewöhnlichen“ Bedingungen helfen und warum? Was ist Deine Message für die Pferdewelt?

Wenn ich Pferde ohne Hilfsmittel trainiere, so langsam und intensiv wie ich kann, lerne ich mehr und tiefgreifender als bei jeder anderen Art von Pferdetraining, die ich kenne. Die Erfahrung, die ich aus diesem Prozess ziehe, hilft mir dabei, anderen Menschen mit einfachen Mitteln zu einer besseren Beziehung mit ihrem Pferd zu verhelfen. Ich mache die harte Arbeit, damit andere Leute das nicht tun müssen. Was ich in intensiven Studien und vielen Stunden gelernt habe, kann ich meinen Schülern dann für sie deutlich angenehmer und zeitlich effizienter weitergeben.

Was rätst Du Menschen, die mehr über Deine Arbeit erfahren wollen?

Ich biete, wie gesagt, am 16. September sowie am 25. November ein Webinar zu den Grundlagen des „Freedom-Based-Trainings“ an geht. Sobald die Schüler ein Grundverständnis für meine Arbeit haben, können sie an einem umfassenden Online-Kurs teilnehmen, der vier Mal jährlich stattfindet: Im Winter, Frühling, Sommer und Herbst. Für laufende Diskussionen und aktuelle Informationen zu meiner Arbeit habe ich eine Insider-Gruppe hier:  https://www.patreon.com/tamingwild. Und um tiefer in meine Konzepte einzutauchen, auch in die Geschichten, die aus der Zeit noch vor dem ersten Film stammen, können Interessierte auch auf meinen Blog EquineClarity.org gehen.

Auf welche Weise hat Deine Arbeit mit den Pferden andere Beziehungen in Deinem Leben verändert oder die Art, wie Du mit anderen Menschen interagierst oder sie wahrnimmst?

Die persönliche Weiterentwicklung, die ich aufgrund meinen Erfahrungen mit dem „Freedom Based Training“ erfahren habe, ist profund! Ich habe so viel mehr Mittel, auch mit Menschen auf positive und produktive Weise umzugehen, seit ich begonnen habe, so intensiv mit Pferden in Freiheit zu arbeiten. Es geht immer um Geduld. Aber noch viel wichtiger als die Geduld ist die Fähigkeit, Ursache und Wirkung zu erkennen und daraus zu lernen. Um dann zukünftige Entscheidungen im Sinne eines besseren Ergebnisses und einer ganz langsamen, maximal freundlichen Entwicklung der Beziehung zu treffen. Das hilft mir in all meinen Lebensbereichen, und dafür bin ich meinen Pferden sehr dankbar.

Wann kommst Du zurück nach Deutschland?
Nächstes Jahr werde ich mit dem Dreh meines neuen Films „Taming Wild: Evolution“ beschäftigt sein, danach gehe ich wieder auf Unterrichtstour. Momentan sieht es so aus, als ob ich im Frühjahr 2020 wieder in Deutschland sein werde.

Vielen Dank für das Interview! Wir freuen uns darauf, bald mehr von Dir zu hören.


Interview with Elsa Sinclair on Freedom Based Training (English Version):

Elsa, your opinion, which qualities does a good horseperson need? What „muscles“ do horse people need to strengthen to be a better person for my horse?

To be a better partner for horses I think we all need to develop a keen awareness of cause and effect along with a long view of the small steps we can make toward progress. Voluntary development takes patience from partners and a horse’s desire to develop and grow with you as a partner depends on the enjoyable moments they experience with you from moment to moment.

How do the choices we make for our own bodies affect our horsemanship? What changes?

All the choices we make for our own bodies affect the relationship with our horses. Every movement we make means something to the horse, and because horses are much more fluent in body language than humans are, we do not always know what we are saying with our bodies. The simplest way to understand our choices moving our bodies around horses is to hone our observation of their responses. When I make a movement, did my horse express more thinking playing or yielding or more fight, flight or freeze. Every movement we make nudges the horse toward better or worse feeling, we need to learn to observe and learn to make good choices based on what we have observed.

What do you do to set yourself up right? Is there a routine of sorts?

I always start as I approach the horse and I time my moments of harmony (being just like the horse) to particular signs of thinking and better feeling. As I observe the horse and get in synchronization with how they feel that day, I can make better choices about what actions I take and what actions I ask my horse to take. I will be hosting free webinars this year on this process of being aware and honing your partnership skills. The first Webinar will be on September 16th and will be open to the public.

Great. What would you recommend to a well-meaning horse owner on how to find the right path for themselves and their horse within the jungle of different horse trainers, ideas and methods?

I would recommend horse owners spend as much time as possible observing their horses and really trust their gut instinct about choosing trainers to help them. A good trainer may make your horse feel worse temporarily because learning anything fast can be uncomfortable for any learner. However, at the end of the day, ask your self when you watch a trainer work, do you see more thinking, yielding and playing developing in horses or more fight flight and freeze? The horses will tell you how they feel if you watch and if you listen.

What is the most important thing you learned during the filming of „Taming Wild“?

I think the most important thing I learned during the filming of Taming Wild was that we can do more together with horses than we currently realize is possible. The way we learn what is possible is we observe deeply and break progress into small acceptable steps of development. When we take one step at a time and we give it the time it takes, almost anything becomes possible.

You decided to continue to work solely freedom-based with your horses, without any tools (let alone your next movie plans :)), knowing that the people you work with won‘t go remotely so far. What do you think are the most important ways in which your findings help all horses and their owners even under “regular circumstances”? What is your message for the horse world?

When I train horses without any tools and I train in the slowest and most intense way I know how, the learning I get is more profound than any horse training I have ever done in my life. The experience I gain from this process is then useful in my teaching where I help other people in improving the relationships with their horses in very simple ways. I do the hard work so that other people don’t have to. What I learn from intense study and long hours, I can pass on to my students in more gentle and time efficient ways.

Where do the people interested in your training ideas best start of?

I will be sharing a free webinar on September 16th and then again on November 25th that outlines the beginning foundation of Freedom Based Training. Once students have an idea of the foundation work, they are welcome to join me for an online course that runs four times a year: winter, spring, summer and fall. For ongoing discussions and updates on the work I have an insider’s group at https://www.patreon.com/tamingwild For a greater exploration of ideas including stories dating back to before the first film, students can visit EquineClarity.org

In what ways has the work that you have been doing with horses changed other relationships in your life and/or the way you interact or perceive people?

The personal development I have felt thought my Freedom Based Training is profound! I have so many more tools to relate to people in positive and productive ways since I started studying deeply with horses in freedom. It is about patience, but much more than patience it is about the ability to observe cause and effect while understanding how to shape future actions for better outcomes in the slowest most gentle evolution of relationship. I am profoundly grateful to my horses for how they help me in all parts of my life.

When are you coming back to Germany?

I wil be filming this current movie, “Taming Wild: Evolution” for the next year and once that is completed I will be back on teaching tour. The current plan is to be back in Germany in the spring of 2020.

Thank you very much for the interview! We are so looking forward to hearing from you again soon.

Horsemanship in deutschen Kinosälen

Horsemanship in deutschen Kinosälen

Schön, einen ganz frischen Kalender zu haben, in dem man alles extra ordentlich eintragen kann, oder? Zumindest die ersten Tage, und zumindest diejenigen, die noch einen haben und sich (noch) nicht gänzlich dem Smartphone anvertrauen. So oder so: Zeit, sich einen weiteren Termin einzutragen, den Kinostart von “Buck”, voraussichtlich der 14. Juni.

Pferdefilme gibt es bereits reichlich. Dieser Film ist aber tatsächlich mehr als das – es geht um einen Menschen, der durch seine Arbeit mit Pferden nicht nur unzähligen Tieren, sondern auch ungefähr genauso vielen Menschen geholfen hat, und das nicht nur in der Arbeit mit ihren Pferden sondern auch in erstaunlich vielen anderen Aspekten ihres Lebens. Pferde sind wie Spiegel unserer Seele. Dass das tatsächlich stimmt, zeigt dieser Film sehr anschaulich… (mehr …)