Ein Wochenende im Schnee

17.Jan 2010 | Diva – Lehren und Lernen

Diva im SchneeSelbst wir Nordlichter haben ja nun schon ungewöhnlich lange richtigen Schnee. Und so sehr Diva es auch genießt, ihre Nase durch den Schnee zu ziehen (und sie vorzugsweise gleich danach jemandem ins Gesicht zu stecken), langweilt sie sich. Zum Einen, weil Eis und Schnee sie in ihrer Bewegungsfreude hemmen, zum Anderen weil sie selbst auf der Weide nichts zu tun und nichts zu fressen findet. In ihrer unermüdlichen Spielfreude ist sie für jede Abwechslung dankbar…

Sie freut sich natürlich, wenn wir kommen, aber z.B. auch wenn andere Leute die Weide oder ihr Paddock betreten. Und wenn sie dann mit ihr spielen. Zum Beispiel beim Reinholen. Sie weiß mittlerweile, dass man mit ihr “spielt” und sie treibt, wenn sie  – wie vor kurzem bei einer Stallkollegin – sich nicht aufhalftern lässt. Also drehte sie fröhlich formschöne Kreise um die Arme, kam zwischendurch und ließ sich streicheln, nur eben nicht aufhalftern. Wegegangen ist sie eigentlich auch nicht, nur fertig mit Spielen war sie eben nicht. Zwanzig Minuten waren die beiden dabei, bis sie endlich mit reinkam. Das Halfter hat sie sich von mir bisher immer anlegen lassen. Wir haben da andere Spiele, das weiß sie ja, und das motiviert sie vielleicht auch mit mir mitzukommen. Und wenn ihr langweilig ist, sagt sie erfahrungsgemäß Bescheid.

Um ihr den Alltag ein bisschen zu versüßen, haben wir dieses Wochenende zwei lange Spaziergänge mit ihr gemacht. Eine dankbar angenommene Abwechslung, die ihr sichtlich Spaß gemacht hat. Naürlich lässt sie sich brav führen und Angst hat sie eigentlich auch vor nichts. Aber Energie, die geleitet werden will. Also forderte sie mich zum Spielen auf – indem sie ihren Kopf und ihre dichte Mähne schleuderte, mir ihre Nase ins Gesicht oder in die Kapuze steckte und auf der Stelle auf und ab hüpfte.

Ich habe gerade neulich wieder ein Buch gelesen, das ich schon länger hier habe: “Selbstbewusste Pferde – Wie Pferde ihre eigenen Spiele und Lektionen entwickeln” von Imke Spilker. Und obwohl ich vieles in dem Buch kritisch sehe und glaube, dass nicht alles für das Pferd genauso nachvollziehbar ist, wie es dort beschrieben wird, lesen sich dort einige sehr interessante Dinge und Denkansätze zum Thema Resonanzen – unter Pferden, aber auch zwischen Pferd und Mensch. Das ist dann ähnlich wie in der Musik, wo ein Klangkörper Energie an den anderen weitergibt. Das Pferd macht einen “Vorschlag” und man selbst (ähnlich wie ein anderes Pferd es könnte) spürt, wie sich die entsprechende Energie aufbaut, man merkt, was das Pferd vorhat kurz bevor es loslegt. Beispielsweise kurz bevor es davon rennt. Der Mensch kann dann das Vorhaben des Pferds eingehen und sich mit dem Pferd bewegen (“mitschwingen”) oder zumindest mit dem, was ihm das Pferd gibt, arbeiten, die Energie umlenken oder wieder herunterfahren. Dadurch entsteht eine gemeinsame Bewegung, für die Pferde ein sehr feines Gespür haben. Obwohl das echt einfach klingen mag, fand ich das sehr interessant. Schließlich sieht man auch auf der Weide Pferde auf diese Weise miteinander kommunizieren.

Als ich nun mit meinem kleinen Pferd an der Hand und Dennis neben mir den Weg hinunterlief und sie mich “fragte”, ob wir nicht schneller gehen wollen – ich merkte, wie sie Energie aufbaute und zum Trab ansetzte – lief ich mit. Und so liefen wir drei durch den Schnee, Dennis und mir war schnell nicht mehr kalt und Diva wackelte und sprang ausgelassen hinter uns her. Sie hat nicht versucht, die Führung zu übernehmen, ich war einfach auf ihren Idee eingegangen. Und so machten wir das sehr oft an diesem Wochenende. Jedes Mal deutete ich mangels Kondition früher oder später an, wieder langsamer gehen wollen, indem ich meine Energie drosselte und jedes Mal fiel sie mit mir in den Schritt. Bis sie mich bzw. uns wieder zum Laufen animierte. So entstand ein kleiner Dialog zwischen uns. Ein schönes Gefühl war das. Sind wir mal nicht mit ihr gelaufen, ist sie auch (ohne zu überholen oder schwer am Strick zu werden) wieder langsamer geworden. Trotz des Spiels war ich immer der Führende, das stand außer Frage. Aber ich ließ mit mir reden, sie durfte “Vorschläge” machen. Und das machte ihr sichtlich Spaß.

Auch mit Dennis lief das ganz wunderbar. Sie schlug vor, er nahm an oder umgekehrt. Erfolgreiche Kommunikation mit Pferden, und mit Menschen ist es ja im Grunde auch nicht anders, hat eben nicht in erster Linie mit Jahren an Erfahrung und technischem Knowhow, sondern vor allem mit dem Gefühl zu tun. Und mit der Bereitschaft, auch mal zuzuhören.

Schöne Spaziergänge waren das, Diva hatte ein bisschen Abwechslung und Dennis und ich sind nun auch ausgetobt.

Über die Autorin

Daniela Kämmerer

Daniela Kämmerer

Horsemanship Coach, Yogalehrerin, Autorin

Daniela möchte Menschen und Pferden helfen, sich wohler in ihrer Haut zu fühlen und aufzublühen. Nicht zuletzt, da sie nur so auch gut füreinander sein können – und für ihre sonstige Umwelt.