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Wie ein schlechtes Gewissen die Mensch-Tier-Beziehung beeinflusst

25.Sep 2023 | Gedanken

Hattest du schonmal ein schlechtes Gewissen deinem Pferd oder einem anderen Tier gegenüber? Aber hallo, oder? Das hatten wir wohl alle schonmal. Nur: Was macht das mit der Mensch-Tier-Beziehung? Ich habe dazu heute ein paar spannende und vielleicht auch entlastende Gedanken für dich. 

Neulich hatte ich ein spannendes Gespräch, in dem es genau darum ging und auch um Tierkommunikation, die ja ohnehin ein Garant für interessante Gespräche ist. ? Ich war bei einer Körperbehandlung. Du musst dir also vorstellen, ich liege entspannt auf der Liege, plaudernd über das, was ich so mache.  

Die Therapeutin: “Ah, Sie machen Tierkommunikation. Spannend! Ich wüsste ja zu gerne, was meine Katze so denkt….” – 

“Kann ich verstehen. Was meinen Sie denn, was sie denkt?” – 

“Naja, ich habe das Gefühl, dass sie echt Probleme damit hatte, dass ich mir eine zweite Katze dazu geholt habe…. aber inzwischen kommen die beiden gut miteinander klar, glaube ich… also, hoffe ich… Ach, ich habe immer noch ein so schlechtes Gewissen deshalb! Die erste Zeit war ganz schwierig für sie, glaube ich…” 

Ich habe dann noch ein paar Fragen gestellt, die darauf abzielten, meiner Therapeutin bewusst zu machen, worauf sie ihr Gefühl fußt – sowohl das damalige, als auch das heutige. 

“Nun,” gab ich daraufhin zu bedenken, “ich kenne Ihre Katze nicht. Aber sehr oft ist es so, dass wir mit unseren Gefühlen in Bezug auf unsere Tiere ziemlich richtig liegen. Deshalb halte ich es, auch nachdem, was sie von ihrem Verhalten erzählen, für gut möglich, dass die Umstellung für ihre Katze schwer war. Und dass sie sich inzwischen wieder besser fühlt. Was ich allerdings auch aus meiner Erfahrung heraus sagen kann: Dass Ihre Katze mit Sicherheit auch fühlt, dass Sie weiterhin ein schlechtes Gewissen haben. Und dass das heute vermutlich mehr zwischen Ihnen steht, als die Tatsache, dass es damals diese Situation gab.” – “Oh nein, wirklich?”

Puh, so gut nachvollziehbar, oder? Wir alle hatten wohl schonmal ein schlechtes Gewissen gegenüber unserem Tier… weil wir etwas anders gemacht haben, als wir es im Nachhinein als besser bewerten würden, weil wir unseren Ansprüchen rund um das Tier nicht gerecht werden konnten, weil wir Leiden nicht immer vermeiden können. Was wir dabei oft nicht bedenken: Wenn wir ein schlechtes Gewissen haben und daraus handeln, merken unsere Tiere das (ebenso wie unsere Kinder, übrigens). 

Denn das, was wir dem Tier aus einem schlechtem Gewissen heraus “geben”, fühlt sich nicht wie geben an – sondern wie nehmen.  

Wir tun das, was wir dann tun nämlich nicht in erster Linie, um dem Gegenüber etwas Gutes zu tun, sondern in Wahrheit um unser eigenes schlechtes Gewissen zu besänftigen. Wir versuchen also, uns das gute Gefühl bei unseren Tieren abzuholen. Dabei geht es um uns, nicht um die Tiere. (Ich weiß, auch diese Erkenntnis kann ein schlechtes Gewissen machen – mach dir keine Gedanken, wir waren alle schonmal in der Situation. Es ist einfach gut, sich das einmal bewusst zu machen, um beim nächsten Mal vielleicht anders zu entscheiden.) 

Übertragen auf die Pferde: Wenn ich meinem Pferd eine Möhre extra gebe, weil ich morgen nicht kommen kann, fühlt es sich für das Pferd anders an, als wenn ich ihm diese Möhre gebe, weil ich weiß, dass ihm Möhren so schmecken und ich mich mit ihm freue, wenn es sie genießen darf. Bei der ersten Variante handele ich aus Angst (dass ich nicht genug Zeit für mein Pferd habe, ihm nicht gerecht werden kann,… etc), bei der zweiten aus Liebe. Und, “ja,” könntest du jetzt sagen, “natürlich gebe ich auchaus Liebe!” Aber das wird dein Pferd nicht so fühlen können, wenn die Angst drüberliegt. Und wer schonmal Angst hatte, wird sich vorstellen können, das Angst die Angewohnheit hat, sich immer drüberzulegen, wenn sie irgendwie da ist. 

“Ach, krass…. Sie meinen, ich halte diese alte Situation quasi am Leben, indem ich weiter drüber nachdenke und mich deshalb schlecht fühle?” – 

“Genau das.” – 

“Wow. So habe ich das noch gar nicht gesehen…” – Pause. “Wie erleichternd aber die Erkenntnis ist, dass ich meiner Katze keinen Gefallen tue, indem ich mich schlecht fühle… sondern im Gegenteil: Wir uns beide besser fühlen, wenn ich das hinter mir lasse.” – 

“Wundervoll!!” 

Ach, das war schön! Alleine die Erkenntnis hat ihr schon ein besseres Gefühl gemacht. Und ja, da ich nicht mit dem Tier “gesprochen” habe, kann ich natürlich auch nicht sagen, ob ich hier richtig lag. Aber wenn meine Therapeutin ihrer Katze jetzt mit mehr ungefilterter Liebe begegnen kann, wenn sie ihr die Extra-Streicheleinheiten wieder geben kann, weil sie es möchte und nicht, weil sie meint, etwas ausgleichen zu müssen… Ist das doch ein tolles Ergebnis, oder? Das wird die beiden mit Sicherheit näher zusammenbringen. Tatsächlich ist das auch das, was in Tiergesprächen oft passiert: Der Mensch kommt mit einer konkreten Frage, zu der er schon ein Gefühl hat. Dieses Gefühl ist sehr oft richtig (wenn es ein echtes Gefühl ist und nicht das Ego, das etwas Bestimmtes hören möchte) und alleine die Absolution, das eigene Gefühl von außen bestätigt zu bekommen, hilft Mensch und Tier schon sehr viel weiter. 

Wenn wir mit unseren Tieren eine enge Bindung haben, sind wir auch mit ihnen verbunden. Es findet immer Kommunikation statt, auch über die sichtbare Ebene hinaus. Wir sind uns den verschiedenen Ebenen nur nicht immer bewusst und können daher oft nicht genau abgrenzen, ob das Gefühl, dass wir haben, von uns kommt, oder von dem Tier. Und das Ding mit dem schlechten Gewissen ist tatsächlich auch sehr verbreitet. Als Menschen haben wir die ebenso hilfreiche, wie hinderliche Fähigkeit, uns in Situationen hineinversetzen zu können, auch wenn sie gerade gar nicht stattfinden. Das ist super, wenn wir planen oder Gefahren vorhersehen wollen (auch wenn wir auch das oft übertreiben). Aber wenn wir auf diese Weise in vergangenen Situationen “hängenbleiben”, blockiert uns das einfach am hier sein und vorwärts kommen.

Es hindert uns eben daran, frei zu leben und zu geben – und unsere Tiere und Lieben merken das. Unsere Tiere dagegen leben immer im Moment: Wenn sie sich schlecht fühlen, fühlen sie sich schlecht. Wenn das schlechte Gefühl aufhört, fühlen sie sich besser. Sie erzählen dann nicht noch ihren Freuden, wie schlecht es ihnen ging, rufen nochmal ihre Mutter an, um ihr von dieser Krise zu erzählen, sie fragen sich nicht, was sie anders hätten machen können, sie machen sich oder anderen Vorwürfe und halten mit all dem das Gefühl am Leben. Nein. Das schlechte Gefühl ist weg, daher spielt dieses und auch der Gedanke daran keine Rolle mehr in ihrem weiteren Leben. 

Davon können wir uns eine Scheibe abschneiden, oder? Und bis dahin verstehen, dass ein schlechtes Gewissen in der Mensch-Tier-Verbindung (wie in anderen Beziehungen) keinen Platz hat und wir es (allein deshalb) getrost hinter uns lassen dürfen.

In diesem Sinne, fühl den Boden unter deinen Füßen, stell fest, was jetzt gerade ist, und lass gehen, was eben, gestern und letztes Jahr war. Du hast JETZT die Möglichkeit, dir und deinem Tier ein gutes Gefühl zu geben. Nutze sie. ? 

Alles Liebe und bis bald

Daniela 

P.S. Solltest du jetzt auch Lust haben, deinem Pferd fragen zu stellen: Mareike und ich verlosen gerade ein Pferdegespräch mit uns beiden in unserem Podcast “Hör auf dein Pferd”. Schreib uns dazu einfach bis zum 27. September an podcast@hoeraufdeinpferd.de warum du auf dein Pferd hören möchtest. Und ansonsten habe ich auch noch ein paar freie Gesprächsplätze (übrigens auch für andere Tiere) im Oktober. Mehr dazu hier.

Über die Autorin

Daniela Kämmerer

Daniela Kämmerer

Visionärin, Pferde-Menschen-Coach, Yogalehrerin, Autorin

Daniela möchte Menschen und Pferden helfen, sich wohler in ihrer Haut zu fühlen und aufzublühen. Nicht zuletzt, da sie nur so auch gut füreinander sein können – und für ihre sonstige Umwelt.

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